Das Fundament der Hoffnung

Erschienen: Juli 2021

Bibliographische Angaben

- übersetzt von Katja Bendels

- TB, 368 Seiten

- Bd. 1 [Mandelli-Saga]

Couch-Wertung:

71
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Monika Wenger
Eine Frau als Unternehmerin – undenkbar! Der Balanceakt zwischen Tradition und Moderne

Buch-Rezension von Monika Wenger Aug 2021

Comer See, Italien, 1956: Die Familie Mandelli ist in tiefer Trauer. Tommaso, der Sohn und Erbe des Bauunternehmens Mandelli, ist bei einem Arbeitsunfall ums Leben gekommen. Der Vater trägt besonders schwer an diesem Verlust und zieht sich gänzlich in sich zurück. Auch für Aurora ist der Tod des Bruders nur schwer zu verkraften. Nebst der Verarbeitung der Trauer macht sich Aurora Sorgen um die Zukunft der Familie und des Geschäfts.

Ein guter Ruf zu verlieren

Großen Kummer bereitet Aurora ihr Vater Daniele: Er hat sich abgekapselt, ist teilnahmslos und spricht nicht mehr. Das Bauunternehmen bräuchte aber dringend seinen Chef für Verhandlungen und für das Einholen von neuen Aufträgen - schlussendlich geht es um nichts Geringeres als die Zukunft der Familie. Aurora zögert erst, fasst dann aber den Entschluss, das Geschäft kurzzeitig selber zu führen, bis eine geeignete Lösung gefunden ist. Michele, der Vorarbeiter, bietet ihr seine Unterstützung an. Doch schon bald wird im Dorf über Auroras Arbeitseinsatz getuschelt.

     «Was auch immer sie tat, es war falsch. In den Augen der einen war sie eine maskuline Amazone, andere beschimpften sie als weibisch, und die Nächsten sahen in ihr eine Sirene, die die Männer anmachte.«

‘Eine anständige Frau täte so etwas nicht’, rügt die Mutter und macht sich große Sorgen um den guten Ruf ihrer Tochter. Da bringt sich Michele erneut ins Spiel und macht Aurora einen Heiratsantrag. Es scheint, als ob dies die perfekte Lösung ist.

Benehmen und Tradition

Ladina Bordoli nimmt die Leserschaft mit auf eine Zeitreise in das Norditalien der 1950er Jahre. Traditionen werden gepflegt und die Dorfgemeinschaft wacht mit Argusaugen, dass alle sich an die Regeln halten; sie dulden keine Abweichungen und sehen sich als Sittenwächter. Das muss die Protagonistin immer wieder am eigenen Leib erfahren: Gerade als Frau ist der Platz in der Gesellschaft genau vorgesehen. Über Themen wie Selbständigkeit und Emanzipation wird nicht einmal hinter vorgehaltener Hand gesprochen. Für Aurora wird die Befreiung davon und die Selbstverwirklichung ein hartes Stück Arbeit.

     «Als sie sich in dieses Abenteuer gestürzt hatte, war sie davon ausgegangen, dass allein das Ergebnis ihrer Arbeit genügen würde, um die Menschen von ihren Fähigkeiten zu überzeugen. Was spielte ihr Geschlecht da für eine Rolle?»

Die Autorin schreibt ausführlich und detailliert über dieses von Traditionen und Sitten geprägten Leben und die gesellschaftlichen Zwänge. Sie ergänzt die etwas flache Geschichte mit bildhaften und interessanten Eindrücken aus dem Gebiet der Landschaftsgärtnerei.

Die Geschichte ist unterhaltsam, aber eben auch vorhersehbar. Das Ende des Romans scheint mir etwas zu konstruiert und hastig fertiggestellt.        

Fazit

Das erste Buch der Mandelli-Saga vermittelt einen guten Eindruck vom Leben und den gesellschaftlichen Zwängen in einem Dorf in Norditalien in den 50er Jahren, bleibt aber inhaltlich etwas oberflächlich. Hin- und hergerissen zwischen Traditionen und Moderne macht sich die Protagonistin auf den Weg in ihre Zukunft als Unternehmerin in einer Männerdomäne. Die Autorin erzählt sehr ausgiebig und detailreich, gleichwohl ist der Roman leicht zu lesen und unterhaltsam.

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