Das weiße Haus

  • btb
  • Erschienen: August 2021
  • 0

- TB, 288 Seiten

Das weiße Haus
Das weiße Haus
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Sandra Dickhaus
851001

Belletristik-Couch Rezension vonSep 2021

Eine Geschichte, die rasant Fahrt aufnimmt

Das schlichte, schwarzweiß gehaltene Cover wirkt unaufgeregt und wenig aufdringlich. Doch was den  Leser dann erwartet, nimmt rasant Fahrt auf. Bevor man zu lesen beginnt, kann man auch den passenden Trailer des Verlags als Vorgeschmack auf den Roman anschauen. Hier wird nicht viel verraten, aber die Stimmung passt deutlich. Zu Beginn sollte man sich allerdings nicht vom schleppenden Einstieg blenden lassen. Ein wenig Geduld ist gefragt - es lohnt sich mit Sicherheit.

Elisabeth trifft auf Hanif- ihr Schicksal scheint besiegelt

Der Roman ist in acht Abschnitte gegliedert. Zunächst begegnet man dem unglücklichen Paar Anton und Elisabeth, die sich mit der Recherche nach schönen Häusern für einen Architekturband beschäftigen. Anton hilft seiner Ehefrau gelegentlich; im Grunde arbeitet er beim Finanzamt, was ihm aber immer mehr zu schaffen macht. Einer seiner Klienten hat sich nach seinem Besuch nämlich das Leben genommen und Anton beginnt am Sinn seines Jobs zu zweifeln. Eines Tages macht er seine Frau auf einen imposanten Bau aufmerksam, in dem ein Schönheitschirurg und seine bis aufs Äußerste operierte Frau wohnen. Sofort bemerkt Elisabeth, dass dieser Mann eine sehr anziehende Aura besitzt, und kann an nichts anderes mehr denken. Hanif beginnt, Kontakt mit ihr aufzunehmen; sie treffen sich und schlittern in eine Affäre. Elisabeth verfängt sich immer mehr in diesem Verhältnis; sie ist - trotz aller Widrigkeiten und merkwürdiger Zufälle - von Hanif und seinen ehrlichen Absichten überzeugt. Doch ist diese Begegnung zwischen den beiden so zufällig gewesen, wie es scheint? Oder hat da noch jemand anderes seine Finger im Spiel?

Das Schicksal ist nicht immer gerecht

Durch rasante Geschehnisse, merkwürdige Zufälle und einen scheinbaren Mord kann die Spannung durchgängig gehalten werden. Peu à peu bauen sich die länger schwelenden Konflikte auf und entfachen ein großes, unlöschbares Feuer. Was einmal begonnen hat, ist nicht mehr zu rückgängig zu machen - und das Schicksal ist nicht immer gerecht. Der Schreibstil ist wortgewaltig und angenehm lesbar. Die Dialoge zwischen den Protagonisten fügen sich nahtlos ins Geschehen ein. Einmal darf man in den vermeintlichen Werdegang des Arztes Hanif schauen, bemerkt aber im Laufe der Handlung, dass hinter der schönen Fassade noch eine Menge lauert. Dafür ist sein Hintergrund zu mysteriös und verschleiert.

Im Teufelskreis gefangen

Der Schönheitschirurg umgarnt Elisabeth im Grunde auch gar nicht - er ist sich von Anfang an sicher, dass sie seinem Charme erliegen wird. Dominant, fordernd und kein bisschen kompromissbereit lässt er seine Geliebte sogar zu einem Stelldichein ins Ausland kommen. Dabei kann man gar nicht verstehen, warum Elisabeth ihm so verfallen ist, denn sein Charakter ist nicht wirklich sympathisch. Scheinbar ist sie in diesem Teufelskreis so gefangen, dass sie nicht mehr herausfindet, während er ihr dazu aber auch nie eine wirkliche Gelegenheit gibt. Mit offenen Augen rennt sie in ihr Unglück. Als Leser möchte man eingreifen, kann aber nur passiv zuschauen. Jedes Mal läuft ein Schauer über den Rücken, wenn Hanif da ist, er agiert oder von sich erzählt.

Fazit

Ein Roman, der zunächst vom Unterschwelligen lebt, von dem Gefühl, das man beim Lesen hat - nämlich, dass hier irgendetwas nicht stimmen kann. Doch man kann nur untätig dabei zusehen. Schnell ist man im Sog der Geschehnisse gefangen und möchte einfach nur noch weiterlesen. Und es steht ein Ende bevor, dass sich gewaschen hat …

Das weiße Haus

Wolfgang Mueller, btb

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