Das Haus der Libellen

Erschienen: Juli 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 430 Seiten

Couch-Wertung:

69
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Julian Hübecker
Von toxischen Beziehungen

Buch-Rezension von Julian Hübecker Okt 2021

Nach fünf Jahren gibt es wieder ein Lebenszeichen: von Emilia, Sophies einst bester Freundin, die Hilfe braucht, ihren Bruder Noah zu finden. Doch das Kapitel wähnte Sophie abgeschlossen, nachdem Noah von einem Tag auf den anderen verschwand und ein Loch in ihrem Herzen hinterlassen hat, das sie nie ganz schließen konnte. Und auf einmal steckt sie wieder drin – in einer Beziehung, die ihr alles abverlangt ...

„Das war der Augenblick, als mein törichtes Herz unwiederbringlich an Noah von Gutenbach verloren war. Unmöglich, es vor einem Jungen zu retten, der die verschlungenen Wege meiner heimlichen Gedanken zu kennen schien.“

Die Villa der von Gutenbachs ist imposant – innen wie außen. Doch der Schein trügt: Die lieblosen, strengen Eltern haben keinen Blick für ihre Kinder. Noah und Emilia haben stets versucht, ihre Aufmerksamkeit zu bekommen; gleichzeitig fürchteten sie sich jedoch auch davor, weil es dann nicht aus Liebe geschah. Sophie lernt die Geschwister bereits als Kind kennen und ist sofort fasziniert – besonders von Noah. Der unergründliche Junge, der wie seine Schwester unnatürlich schön ist, vermag sie mit einem Blick einzufangen, im folgenden Moment jedoch wieder zu ignorieren. Auch Emilia ist wandelbar, behandelt Sophie mal als beste Freundin, dann wieder fällt sie ihr in den Rücken.

Nach Jahren des gemeinsamen Aufwachsens finden Noah und Sophie schließlich doch zueinander. Sie ziehen sogar zusammen und planen eine gemeinsame Zukunft. Doch dann verschwindet Noah, ohne eine Nachricht zu hinterlassen. Fünf Jahre lang hört Sophie nichts von ihm – bis sie einen Brief von Emilia bekommt, die mitteilt, dass Noah erneut verschwunden ist. Sophie reist sofort an, hofft, endlich Antworten zu bekommen und das Kapitel abzuschließen. Doch ist sie über Noah hinweg und kann sich endlich auf eine neue Liebe einlassen ..?

Einerseits verdammt frustrierend, dann wieder enorm spannend

Emma Behrens‘ Erstlingswerk Das Haus der Libellen betört bereits mit einem ansprechenden Cover, auf dem Libellen fliegen, die auch im Buch immer wieder vorkommen. Es wirkt ein wenig verwunschen, die Verbindung zu den Libellen wurde aber nicht ausreichend ausgereizt. Dennoch unterstreicht es nochmal das Geheimnisvolle, das die Villa ausmacht.

Thematisch geht es vor allem um toxische Beziehungen und wie schwer es ist, sich davon zu lösen. Auch wenn das Ende das Ganze abmildert, so merkt man doch, wie sehr Sophie von den Geschwistern beeinflusst wurde und sich nur schwer behaupten konnte. Und auch in der Gegenwart, wo Noah bereits fünf Jahre nicht mehr Teil ihres Lebens war, lässt die Vergangenheit sie nicht los. Wiederholt will man Sophie schütteln, wie wertlos sie sich den Geschwistern hingibt. Natürlich ist es schwer, als Außenstehender dies nachvollziehen. Doch als Leser bekommt man hautnah Sophies Gedankengänge mit – und die sind teilweise sehr am Rand des Erträglichen.

Handwerklich ist die Geschichte jedoch spannend zu lesen. Das mysteriöse Verschwinden Noahs ist immer wieder Thema, sowohl vor fünf Jahren als auch in der Gegenwart. Die „Auflösung“ gelingt dann auch mit einem Aha-Moment, der aber nicht sonderlich spektakulär ausfällt. Dennoch macht es die Sache rund und das Buch zu einer interessanten, aber nicht außergewöhnlichen Lektüre.

Fazit

Aufgrund der Dicke nicht gerade kurzweilig, aber inhaltlich wird auch nicht das Maximum geboten. Dennoch ein Schmöker für zwischendurch mit einigen kleinen Highlights.

Das Haus der Libellen

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