Kein Feuer kann brennen so heiß

Erschienen: Februar 2021

Bibliographische Angaben

- Leinen-Einband, 292 Seiten

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Sandra Dickhaus
Schicksal oder Fügung? Ein Jobangebot bei einer alten Dame und ein unerklärlicher Todesfall

Buch-Rezension von Sandra Dickhaus Apr 2021

An Ingrid Nolls neuem Roman geht kein Weg vorbei: Niemand sonst schafft es, mit solch unterschwelligem schwarzen Humor und einer leichten Spur von Ironie zu schreiben. Die Ich-Erzählerin Lori weiß, dass sie weder schön noch anmutig ist, und ergibt sich schon seit ihrer Kindheit ihrem Schicksal. Ihre Familie, bestehend aus Vater, Mutter und Schwester, gibt ihr auch immer das Gefühl, der buchstäbliche Elefant im Porzellanladen zu sein. Dann ergibt sich ein gutes Jobangebot: Lori soll eine reiche ältere Dame pflegen, die in einem herrschaftlichen Gebäude lebt. Lori zieht dort ein und kümmert sich um die Wünsche ihrer Patientin. Mehrmals in der Woche kommt ein Physiotherapeut zu Besuch, der die Dame massiert und auch bei Lori nach einer Weile mal nach dem Rechten schaut. Unangemeldet, weil er einen Schlüssel hat, steht er morgens oder nachts im Zimmer und huscht unter ihre Bettdecke. Doch dann ergeben sich einige Unstimmigkeiten, und Boris verunglückt mit seinem Wagen. Unerklärlich, oder doch nicht? Nun muss schnell ein neuer Masseur her! Der Neffe der älteren Frau, der ein gieriger Erbschleicher ist, kümmert sich darum, und stellt den mittel- und wohnungslosen Studenten ein, der fortan neben dem Hundenachwuchs, der alle auf Trab hält, und dem überraschend zurückgelassenen Säugling von Loris Schwester, auch einzieht. Nun ist es vorbei mit der Ruhe - und einige Ungereimtheiten müssen in Stille geklärt werden.

Scheinbar ganz unbeabsichtigte Verbrechen

Die Ich-Erzählerin Lori schildert abgeklärt und teils emotionslos von ihren Erlebnissen im Alltag mit ihrer eigenen Familie, der zu pflegenden Dame und denen, die sich mittlerweile in der Villa heimisch fühlen. Jede Figur hat ihre Eigenheiten, und zusammen ergeben sie eine spannende Mischung. Enttäuscht wird man auf keinen Fall, da die Autorin ihrem Stil treu bleibt. Sie formuliert nie blutrünstig oder schmückt Gewaltszenen aus, alles geschieht in einem gediegenen Ambiente und mit vorgeblicher Anmut. Verbrechen geschehen hier scheinbar ganz unbeabsichtigt, beiläufig und werden als notwendiger Kollateralschaden angesehen. Häufig kann man den dazugehörigen Protagonisten - hier ist es eine Protagonistin - auch verstehen: Die ekelhaften und abstoßenden Angewohnheiten mancher Menschen (in diesem Fall der Männer) regen schon allein beim Vorlesen auf.

Eine verpeilte, aber herzensgute Protagonistin

Auch wenn die Ich-Erzählerin verpeilt scheint, so hat sie doch alle Sympathien. Von Natur aus herzensgut, immer vom Leben veräppelt und von der Gesellschaft ausgegrenzt, möchte sie sich doch irgendwie integrieren - und dafür müssen auch Opfer gebracht werden, komme was wolle. Selbst die Alltäglichkeit, in der die Protagonistin steckt, wird nicht langweilig. Die Autorin formuliert das Geschehen beiläufig, ohne sich in Schilderungen zu verstricken, und nutzt ihre Gabe der psychologischen Gewitztheit mit makaberen, teils völlig unerwarteten Wendungen. Auch der Einbau altertümlicher Begrifflichkeiten, die so gut in das Gesamtbild der Gediegenheit und der Figuren passt, ohne aufgesetzt zu wirken, mischt sich mit dem raffinierten Satzbau. Es ist schwierig zu beschreiben, warum ihre Geschichten faszinieren, wobei sie immer irgendwie am Alltäglichen kratzen. Vielleicht ist das ja gerade das Geheimnis.

Fazit

Kurzweilig und unterhaltsam präsentiert sich der neue Roman der Autorin Ingrid Noll. Im alten Kleid der Gediegenheit begegnet sie dem Leser und enttäuscht nicht. Ihrer typischen Thematik bleibt sie auch treu: Scheinbar völlig normale Menschen begehen ein Verbrechen, aber man kann ihnen auch nicht böse sein. Skurrile Figuren treffen auf schwarzen Humor - eine passende Mischung!

Kein Feuer kann brennen so heiß

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