Die kleine Puppenklinik

Erschienen: Mai 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 320 Seiten

Couch-Wertung:

72
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Monika Wenger
Nostalgisches Kleinod

Buch-Rezension von Monika Wenger Jun 2021

In München, im Hinterhof eines Gebäudes an bester Lage, betreibt Lena Precht eine kleine Puppenklinik – eine verzauberte Welt und ein Paradies für Kinder. Vor einem Jahr ist die Vermieterin verstorben, und nun hat eine chinesische Investorengruppe die Häuserzeile gekauft. Eines Tages erhalten sämtliche Mieter der kleinen Ladenflächen im Hinterhof das Kündigungsschreiben. Was geschieht nun mit der Puppenklinik?

Hinterhofromantik und Renditedenken

Lena ist als Puppenärztin sehr beliebt und ihr kleiner Laden ein Kleinod. Sie kann den Teddybären und den Puppen wieder helfen, gesund zu werden, und gleichzeitig hat sie ein großes Herz für die Kinder. Öfters ist sie deshalb auch Kummertante. Ganz besonders liegt ihr die achtjährige Emma am Herzen. Sie kommt mindestens einmal die Woche vorbei und lässt sich von Lena bemuttern.

Das Kündigungsschreiben, welches bei Lena eingetroffen ist, versetzt sie in eine Art Schockstarre. Obwohl Matteo, der benachbarte Wirt der kleinen Trattoria, sie bereits vorgewarnt hat, wollte es Lena nicht glauben – doch nun ist es Realität. Nur Ekki, Lenas Mitarbeiterin, scheint noch zuversichtlich zu sein.

     «Begreifst du es denn nicht, Ekki? Wir haben im Grunde jetzt schon verloren. Was der Internethandel nicht geschafft hat, schaffen jetzt die Chinesen. Ein Familienbetrieb in der vierten Generation schließt die Pforten.»

Gemeinsam mit Katja, Lenas Freundin, versucht nun die eingeschworene Gemeinschaft, Ideen zu entwickeln und damit die Puppenklinik zu erhalten.

Ein Problem kommt selten allein

Die kleine Emma hat mitbekommen, dass sich Lena um die Zukunft der Puppenklinik sorgt, und entwendet kurzerhand eine wertvolle Puppe aus dem Vitrinenschrank ihres Vaters, damit Lena sie zu Geld machen und das Gebäude kaufen kann.

     «Aber Papa hatte es ja selbst gesagt: Wenn andere in Not waren, musste man helfen. Wichtig war nicht das, was man selber wollte. Wichtiger war das große Ganze.»

Wie nun Lena die Zusammenhänge erkennt und die Puppe zurückbringen will, wird sie ihr – samt Ekkis Fahrrad – gestohlen. Als ob sie nicht genug Probleme hätte, muss sie Prioritäten setzen und zuerst die gestohlenen Gegenstände finden. Das ist leichter gesagt als getan in einer Großstadt wie München.

Unterdessen organisiert Matteo einen Termin bei der chinesischen Investorengruppe. Lena soll in einer Präsentation von ihrer Puppenklinik erzählen und aufzeigen, dass gerade solche Kleinode ein Viertel lebendig halten und deshalb unbedingt erhalten bleiben sollten. Doch Lena vermasselt den Auftritt, und alles scheint verloren ...

Die Autorin zeichnet ein herrlich altmodisches Bild von dem Hinterhof, wo sich die Puppenklinik befindet. Hier wird Nachbarschaft und Hilfsbereitschaft noch gelebt: Die Menschen nehmen sich Zeit, hören zu und sind zur Stelle, wenn man sie braucht. Diese Solidarität ist auch spürbar, als es um die Unterstützung für Lena und ihre Puppenklinik geht. Gleichzeitig thematisiert die Autorin die Gentrifizierung in den Großstädten. Ausländische Konsortien kaufen Immobilien als Renditeobjekte und kümmern sich wenig und die Schicksale der Menschen dahinter.

Eine unterhaltsame und feinsinnige Geschichte über kleine versteckte Kleinode in Großstädten und die Veränderungsbestrebungen renditegetriebener Investoren.

Fazit

Mit viel Fingerspitzengefühl und einer angenehmen Leichtigkeit erzählt Nelly Lewald die Geschichte der kleinen Puppenklinik in einem Münchner Hinterhof. Unterhaltsam, flüssig und leicht geschrieben, ist es gleichzeitig auch eine romantische Lektüre.

Die kleine Puppenklinik

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