Die Glasperlenmädchen

Erschienen: April 2021

Bibliographische Angaben

- OT: The Book of Lost Friends

- aus dem Englischen von Andrea Brandl

- HC, 528 Seiten

Couch-Wertung:

88

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Monika Wenger
Gegenwart und Vergangenheit – alles gehört zusammen

Buch-Rezension von Monika Wenger Mai 2021

Dieser Roman führt in den tiefen Süden der USA: eine Reise zu einst riesigen Plantagen und schönen Herrenhäusern, zu weißen Besitzern und schwarzen Sklaven. Es ist ein Eintauchen in die Zeit nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkrieges, als die Großgrundbesitzer ihre Sklaven von Louisiana nach Texas brachten, damit sie diesen nicht die Freiheit gewähren mussten.

Augustine, Louisiana, 100 Jahre später: Die junge Lehrerin Benedetta Silva versucht ihre Schüler irgendwie für den Unterricht zu motivieren und startet ein Ahnenforschungsprojekt. Doch das kommt bei den maßgebenden Leuten im Ort nicht gut an ...

Auf der Suche in der Vergangenheit

Louisiana, 1875: Der Krieg ist vorüber und noch immer versuchen Plantagenbesitzer, ihre Sklaven nach Texas zu bringen, damit sie sie nicht in die Freiheit entlassen müssen. Auch Hannie, ein kleines Sklavenmädchen, ist mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern auf dem Weg dorthin. Der für sie verantwortliche Vorarbeiter Jep Loach ist vor allem auf seinen eigenen Vorteil bedacht und scheut sich nicht, seinen Herrn zu hintergehen. Je länger die Reise dauert, desto häufiger verkauft er auf den verschiedenen Märkten einzelne Sklaven; der Ertrag wandert in seine Taschen. So verliert Hannie nach und nach ihre Geschwister und am Ende ihre Mutter; einziges Erkennungsmerkmal und Erinnerungsstück ist ein Jutefaden mit drei blauen Glasperlen.

«Blau ist die Farbe der Treue. Diese Perlen bedeuten, dass die Familie immer zusammenhält, egal, wo wir sind…»

Jahre später - Hannie ist inzwischen 16 Jahre alt - bietet sich ihr unverhofft die Gelegenheit, nach Texas zurückzukehren und auf Spurensuche zu gehen. Es ist ein großes Wagnis und wird ein gewaltiges Abenteuer ...

Auf der Suche in der Gegenwart

Nach ihrem Uni-Abschluss im Jahr 1987 nimmt Benedetta Silva (Benny genannt) eine Stelle in Augustine, Louisiana an. Sie wagt im Süden einen persönlichen Neuanfang. Noch ist vieles neu und unbekannt, doch schon bald wird klar: Die Zeit scheint stehengeblieben zu sein. Die Vergangenheit des Ortes Augustine scheint die Gegenwart zu belasten: Die Schüler gruppieren sich nur um ihresgleichen, sind träge, unmotiviert und abgestumpft. Die weiße und die schwarze Gesellschaft gehen ihre eigenen Wege. Die Hautfarbe ist noch immer ein Thema. Es fehlen Perspektiven und Hoffnung. Für Benny wird dies zur großen Herausforderung.

Eine notwendige Reparatur am gemieteten Haus, ausgeführt von Sarge, einer schwarzen Lady, führt dazu, dass sich Benny mehr und mehr mit der Geschichte des Ortes und ihrer Menschen befasst. Die Begegnung mit Sarge erweist sich nicht nur für Bennys Privatleben als hilfreich, sondern führt auch zur Idee der Ahnenforschung. Benny will damit die Schüler für das Lernen motivieren und gleichzeitig ermuntern, nicht nur nach der Geschichte des Ortes, sondern auch nach der eigenen Herkunft zu recherchieren. Doch diese Nachforschungen scheinen nicht allen Leuten im Ort zu passen: Bennys Engagement für ihre Schüler wird bekämpft …

«Aber ich kann nun mal kein System unterstützen, bei dem die Schüler nicht relevant sind und es auch nie sein werden; ein System, bei dem oberste Priorität ist, dass die Kinder möglichst auf ihren Plätzen sitzen bleiben und keinen Muckser machen.»

Die Autorin beschreibt abwechselnd in Kapiteln über das Leben von Hannie, dem Sklavenmädchen und der Lehrerin Benny. Hundert Jahre trennen die beiden Geschichten - und doch gibt es viele Parallelen: Beide Frauen sind auf der Suche und müssen dabei viele Hindernisse überwinden; da sind gesellschaftliche Umstände, aber auch persönliche Beweggründe, welche immer wieder Überwindung, Mut und Einsatz erfordern.

Im Jahr 1875 machen die sehr eindrücklich beschriebenen Ereignisse rund um die Ausschaffung der Sklaven nach Texas betroffen. Bildhaft und detailreich schildert die Autorin das Leben im Süden, die gesellschaftlichen Gepflogenheiten und die Folgen des Amerikanischen Bürgerkrieges - das raue Leben und der harte Überlebenskampf, Schicksalsschläge ohnegleichen. Die gezielt im Buch eingefügten Zeitungsinserate erzählen von der echten Suche der Menschen nach ihren Angehörigen, ihrem Kummer und ihrem Hoffen - ein Blatt Papier, mit so viel Zuversicht verbunden und damals die einzige Möglichkeit, Informationen zu verbreiten und zu erhalten.

Hundert Jahre später erlebt die Lehrerin Benny noch immer gelebte Rassenunterschiede und eine Ungleichbehandlung der Gesellschaft. Es scheint sich nicht wirklich viel geändert zu haben, und doch versucht sie als Lehrerin mit großer Leidenschaft, eine Verbesserung und eine Wertschätzung gegenüber der eigenen Herkunft herbeizuführen. Nach und nach verbinden sich die Fäden aus der Vergangenheit mit der Gegenwart.

«Man darf nicht von anderen Menschen den eigenen Wert definieren lassen, sondern muss ihn selbst bestimmen.»

Eine spannende, sehr gut recherchierte und eindrückliche Geschichte - ein toller Rückblick in die Vergangenheit und sehr gute Denkanstöße zu Themen der Gegenwart.

Fazit

Lisa Wingate erzählt eine außergewöhnliche Geschichte aus der Zeit nach dem Sezessionskrieg in Amerika. Sie lässt die Zeit der Plantagenbesitzer und ihrer Sklaven auferstehen und spannt einen Bogen bis ins 20. Jahrhundert. Eine äußerst spannend erzählte Geschichte und eine Reise in den tiefen Süden der USA sowie eine Annäherung an ganz besondere Lebensumstände und ihre Auswirkungen: absolut eindrücklich!

Die Glasperlenmädchen

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