English Monsters

Erschienen: Mai 2021

Bibliographische Angaben

- aus dem Englischen von Klaus Timmermann & Ulrike Wasel

- HC, 464 Seiten

Couch-Wertung:

80
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Sandra Dickhaus
Was machen Willkür und Missbrauch mit Kindern?

Buch-Rezension von Sandra Dickhaus Aug 2021

Max ist 10 Jahre alt und seine Eltern entscheiden, dass er ein Internat besuchen soll. Bisher kannte er nur das Leben auf dem Bauernhof mit seinem über alles geliebten Großvater und die häufige berufliche Abwesenheit seiner Eltern. Das Internat soll sehr renommiert sein und die zukünftige Elite formen. Allerdings lernt der Zehnjährige hier, dass seine Freiheit, die er vorher genoss, und die liebevolle Zuwendung seines Großvaters an diesem Ort nichts zu suchen haben. Der Kontakt zu seiner Familie ist ihm weitestgehend verboten, Briefe werden vor dem Verschicken zensiert, Prügel stehen an der Tagesordnung und Mitgefühl braucht keiner der Schüler von den Erziehern oder Lehrern zu erwarten. Obwohl die Schüler untereinander zwar eine Gemeinschaft sind, herrschen erbitterte Machtkämpfe. Doch da ist noch der Lehrer Crimble, der sanft und verständnisvoll scheint, die Schüler mit zum Wandern nimmt, mit ihnen Theater probt …

Jahre später erfährt der nun erwachsene Max aus den Medien, dass ein Lehrer seines ehemaligen Internats wegen Kindesmissbrauchs verurteilt wurde. Er trifft sich mit alten Freunden und sucht den Kontakt zu seinem einstigen besten Freund Simon. Nach und nach kommen so manche Geheimnisse ans Licht und es erklären sich viele Verhaltensweisen so einiger Schüler ...

Brutale Erziehungsmethoden, um den Willen von Kindern zu brechen

Dieser Roman macht deutlich, wie schrecklich Erziehungsmethoden sein können, um den Willen von Kindern zu brechen und die eigene Macht ausübend zu genießen. Der Autor hat hier ein erschreckendes, aber auch wichtiges Thema verarbeitet. Die Fassade des Elite-Internats bröckelt an so mancher Stelle, doch dies wird erst nach vielen Jahren und vielen traumatisierten Kinderseelen öffentlich. Klar wird auch, dass man solche Geschehnisse nicht so einfach vergessen kann, sie einen immer wieder - auch als Erwachsener - noch einholen. Die Zeit im Internat prägt. James Scudamore, der mehrere preisgekrönte Romane geschrieben hat, nutzt hier glücklicherweise keine Klischees, sondern hält sich eher bedeckt. Dabei versucht er, differenziert und aufklärend zu erzählen, ohne aber zu bevormunden. Durch die Beschreibungen des Alltags der Schüler kann sich jeder sein eigenes Bild machen.

Keine Chronologie beim Erzählen, sondern Wechsel der Zeitebenen

Aufmerksamkeit ist beim Lesen allemal geboten, denn der Autor erzählt nicht chronologisch, sondern wechselt immer wieder von der einen in die andere Zeitebene. Deutlich wird so, dass die Vergangenheit untrennbar mit der Welt als Erwachsener in der Gegenwart verbunden ist. Ohne die Darstellung der damaligen Erlebnisse kann keine authentische Schilderung der Gegenwart geschehen. An manchen Stellen zieht sich das Geschehene aber ein wenig, die Erzählung kann den Leser nicht mehr so packen und der Spannungsbogen wird nicht durchgängig gehalten. Das tut der Wichtigkeit und der Ernsthaftigkeit der Thematik aber keinen Abbruch. Das Augenmerk der Figurendarstellung liegt auf den beiden Protagonisten Max und Simon.

Fazit

Was macht Willkür und Missbrauch mit Kindern? Zu welchen Menschen werden sie? Mit diesen wichtigen Fragen beschäftigt sich der Roman rund um die nun erwachsenen Freunde Max und Simon. Doch ob man hinreichend Antwort darauf bekommt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

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