Die Buchhändlerin

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 336 Seiten

Couch-Wertung:

67
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Julian Hübecker
Eine starke Frau in einer zerrütteten Zeit

Buch-Rezension von Julian Hübecker Apr 2021

Der Zweite Weltkrieg hat vielen Menschen einen Strich durch die Rechnung gemacht - selbst wenn sie eigentlich „arischer Abstammung“ sind. Denn es ist bereits verboten, gegen Hitlers Regime zu sein; auch jenen droht das Arbeitslager. Christas Onkel muss aus diesem Grund seinen Buchladen aufgeben. Erst nach dem Krieg darf er wieder öffnen - doch die Schrecken der Nazizeit sitzen tief ...

„Dann trinke ich auf dich. Auf diese starke, schöne Frau mit dem großen Herzen. Auf die Frau, die alles vermag!“

Christa ist noch ein Kind als ihr Onkel Martin verhaftet wird, weil er nazifeindliche Bücher in seinem Laden verkaufte. Nun, nach Ende des Krieges, kommt er wieder zurück; geschunden und traumatisiert will er einfach nur wieder ins normale Leben einsteigen und die Vergangenheit vergessen. Doch die Wunden sitzen tief, und alsbald ist es an Christa, den Laden weiterzuführen, obwohl sie andere Pläne hat.

Christa ist schon immer fasziniert gewesen von Büchern und dem Lesen. Als Frau ist ihr aber eine Zukunft als Hausfrau und Mutter vorgesehen - etwas, das sie sich niemals vorstellen kann. Daher versucht sie ein Germanistikstudium, wird aber vom Professor angefeindet. Als Martin sie schließlich bittet, den Laden in seiner Abwesenheit zu führen, ist sie tieftraurig, ihren Wunsch auf ein Studium aufgeben zu müssen.

Lichtblicke sind für sie der kleine Heinz, der als Waisenjunge zu Christas Familie kam, und Jago, ein belesener, weltoffener junger Mann, der durch den Krieg alles verloren hat, Christa aber sehr zugetan ist. Doch Martin und Jago sind zwei Charaktere, die ihre Geheimnisse peinlichst hüten und dadurch einer Zukunft entgegensehen, die Christa in vielerlei Hinsicht verletzen wird ...

Die Zeit nach dem Krieg

Die Buchhändlerin ist ein Nachkriegsroman, der eindrücklich jene gesellschaftlichen Umbrüche vermittelt, die für die Zeit typisch waren. Es waren Menschen darunter, die offen zu Hitler standen und dies auch nach seinem Ende nicht aufgeben wollen; auch solche wie Martin, die sich im Stillen dagegen auflehnten, dadurch aber umso mehr verlieren konnten; oder aber diejenigen, die beinahe alles verloren haben: Familienangehörige, die Heimat oder Jobs. Sie alle sprechen zu lassen, ist notwendig, und wurde hier vollumfänglich ausgenutzt.

Schwierig wurde es jedoch im Gesamtbild: Es ging viel drunter und drüber, eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem einen oder anderen Thema war nicht gegeben. Manches – etwa Martins „Problem“ – wird erst sehr spät erläutert (es soll daher hier auch nicht genannt werden). Zwar wird gerade dies sonst viel zu selten in solchen Büchern thematisiert, aber ein wirklich tiefgreifender, spannender Umgang damit geschieht auch hier nicht.

Vermutlich hätte ein Ausdehnen auf zwei oder drei Bände dem Buch gut getan, um die verschiedenen Handlungsstränge zu entzerren und breitere Möglichkeiten zu bieten. Schade ist nämlich auch, dass Jagos innere Dämonen nicht aufgeklärt werden; stattdessen erfährt der Leser nur, dass es etwas gibt, das ein Annähern an Christa erschwert. Zumindest Christa selbst ist sehr gut gelungen: Ihre Tatkraft, Güte und Nächstenliebe bieten einen willkommenen Kontrast zur zerrütteten Zeit.

Fazit

Dieses Buch hat eine interessante Basis zu bieten, die jedoch in der Tiefe einiges vermissen lässt. Christa begleitet man allerdings sehr gerne durch diese Zeit, die durch ambivalente Züge geprägt ist.

Die Buchhändlerin

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