In einer Nacht ein ganzes Leben

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

- OT: La Commode Aux Tiroirs de Couleurs

- übersetzt von Corinna Rodewald

- HC, 192 Seiten

Couch-Wertung:

95

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
0 x 81-90
0 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:0
V:0
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Carola Krauße-Reim
Eine Kommode mit zehn Schubladen

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Mär 2021

Abuela Rita ist tot. Ihre Enkelin erbt eine Kommode mit zehn verschlossenen bunten Schubladen. Diese Kommode hat Rita gehütet, niemand durfte sie je öffnen. Nun sitzt die junge Frau in ihrer winzigen Pariser Wohnung und stellt fest, dass jede Schublade eine Art Zeitkapsel ist – vollgestopft mit Erinnerungsstücken und jeweils einem Brief für die Enkelin, in dem Rita ihr Leben erzählt, von der Flucht aus Spanien bis kurz vor ihrem Tod.

Exil bedeutet oft, nie anzukommen

Rita hat zwei Schwestern: die vier Jahre jüngere Carmen und die sechs Jahre ältere Leonor. Als Rita zehn Jahre alt war, mussten die Schwestern ohne ihre Eltern aus dem Spanien unter Francos Herrschaft fliehen. Über die verschneiten Pyrenäen ging es nach Südfrankreich. Ihre Eltern hat Rita nie wieder gesehen. Was dann folgte war die Geschichte vieler Exilanten: von den Einheimischen als Bedrohung angesehen und gemieden, immer in ihren eigenen Kreisen verkehrend, oft ohne Kenntnisse der fremden Sprache blieben die Schwestern anfangs Außenseiter. Erst nachdem sie das Französische beherrschten, tat sich für sie eine andere Welt auf. Gerade Rita ging ihren eigenen Weg - und landete wieder bei einem Exilspanier, dem Revolutionär Rafael. Er war die Liebe ihres Lebens - doch es kam alles ganz anders als sie es erträumt hatte. Rita hat erst spät ein Zuhause gefunden, musste viele Verluste in ihrem Leben verkraften - doch die Gemeinschaft mit den anderen Spaniern, vor allem den Frauen, hat ihr immer Kraft gegeben, die sie nun durch ihre Erinnerungen an ihre Enkelin weiterreichen will.

Ein Roman mit Sogwirkung

Olivia Ruiz beschreibt das Leben von Rita und ihrer Familie atmosphärisch dicht und packend. Man wird in diese Geschichte gesaugt und ist versucht, die knapp 190 Seiten in einem Rutsch zu lesen. Die eigensinnige Abuela zieht den Leser in den Bann; die Autorin hat sie und alle anderen Handelnden so passend beschrieben, dass jeder Charakter wie ein alter Bekannter ist. Die vielen Tiefen und die wenigen Höhen in Ritas Leben sind fesselnd und zeigen die Probleme des Exils und einer Diktatur, die vernichtende Auswirkungen haben kann. Die lebensrettende Gemeinschaft der Exil-Spanier ist laut, voller Humor und vor allem voller Hilfsbereitschaft. Man merkt, dass Ruiz weiß, wovon sie schreibt, denn sie ließ sich durch ihre eigene Familiengeschichte inspirieren. Hauptaugenmerk liegt dabei auf den Frauen der Familie: Rita, ihre Schwestern und ihre Tochter Cali, zu der sie ein nicht immer getrübtes Verhältnis hat. Calis Tochter wiederum erbt die Kommode und durchlebt damit noch einmal ihr eigenes Schicksal: Die Zukunft ist ihre Tochter Nina, die als Nachfahrin dieser starken Frauen auch als eine solche heranwachsen soll. Die Kommode wird dabei zum Symbol der Erinnerung und des Lebens. Ein wunderschöner Gedanke - ein Ort an dem man sein Leben für die Nachwelt in Schrift- und Erinnerungsstücken konserviert, so wie es von Rita begonnen wurde und jetzt von ihrer Enkelin, mit eigenen Preziosen gefüllt, weitergeführt wird.

Ein fast perfekter Roman

Die Lebensgeschichte von Rita ist spannend und emotional zugleich und wird von Olivia Ruiz sprachlich hervorragend umgesetzt. Jedoch stolpert man anfangs etwas in das Geschehen hinein. Eine genauere Beschreibung von dem Öffnen jeder einzelnen Schublade und jedes einzelnen Briefes hätte die Geschichte atmosphärisch aufgewertet und abgerundet. So kann man eigentlich nur erahnen, dass jede Schublade einen Brief der Großmutter enthielt, angereichert mit den dazu passenden Erinnerungsstücken. Einige sind erwähnt, wie das Taufmedaillon oder das blaue Halstuch, aber mehr Details hätten hier nicht geschadet und alles noch anschaulicher gemacht.

Fazit

Olivia Ruiz ist ein ausdrucksstarker Roman gelungen, der verzaubert. Die oft tragische Lebensgeschichte von Abuela Rita ist gleichzeitig die Geschichte von spanischen Frauen im Exil. Wer gerne Romane zu Frauenschicksalen mit politischem Hintergrund liest, ist hier genau richtig.

In einer Nacht ein ganzes Leben

In einer Nacht ein ganzes Leben

Deine Meinung zu »In einer Nacht ein ganzes Leben«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
Schreibe den ersten Kommentar zu diesem Buch.

Film & Kino:
The Crown - Staffel 3

Die Queen in ihrer vordergründig repräsentativen Rolle ist eine zeitgeschichtliche Ikone, sodass der Erfolg der seit 2016 bei Netflix laufenden Serie „The Crown“ nicht verwundert. Die dritte Staffel markiert allerdings einen Umbruch: Die Royal Family ist in den 60er-Jahren angekommen und viele Rollen werden neu besetzt, da auch die Blaublüter nicht vor dem Altern gefeit sind. Titel-Motiv: © Des Willie / Netflix

zur Film-Kritik