Der Junge, der mit Jimi Hendrix tanzte

Erschienen: März 2021

Bibliographische Angaben

- TB, 388 Seiten

Couch-Wertung:

80
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Sandra Dickhaus
Zwei beste Freunde auf dem Weg zum Abitreffen – nach 33 Jahren

Buch-Rezension von Sandra Dickhaus Mai 2021

Dies ist die Neuauflage des 2009 veröffentlichten Werks Klassentreffen unter einem anderen, für den Autor passenderen Titel. Humorig beginnt Hänel den Leser zu Beginn darauf aufmerksam zu machen, dass alle Figuren und Begebenheiten rein fiktiv seien und nichts mit der Wirklichkeit gemein haben. Zudem sei er weder auf einem Abiturnachtreffen gewesen, noch habe er seinen damaligen Klassenlehrer wiedergetroffen. Allein dieses kleine, aber feine Vorwörtchen deutet schon an, dass man in den Genuss einer auf keinen Fall langweiligen Geschichte kommen wird.

Es geht augenscheinlich um die Freunde Kurt Appaz und Uwe Kerschkamp, die 33 Jahre nach dem nicht bestandenen Abitur zum ersten Mal zu einem Klassentreffen ins Landheim des Gymnasiums in Hannover fahren wollen. Sie sind gespannt, wie sich die Mitschüler seit den 70ern, ihrer gemeinsamen Schulzeit, verändert haben. Beide haben keine allzu guten Erinnerungen an diese Zeit. In unzähligen Rückblenden erfährt der Leser die ein oder andere schöne oder weniger schöne Anekdote, und davon gibt es viele. Während sich die Mitschüler (ja, es handelte sich um eine reine Jungenschule) beim Abitreffen hinter angeberischen Posen und dämlichen Geschichten verstecken, bleiben Appaz und Kerschkamp authentisch. Doch dann gibt sich jemand zu erkennen, mit dem sie nicht gerechnet haben, und wühlt Erinnerungen an die Vergangenheit auf, die wirklich einschneidend sind ...

Eine Generation kommt zu Wort und räumt auf

Hänel gelingt hier die Schilderung einer Generation, die aus dem häuslichen Leben ihrer Eltern ausbrechen will, die unter den gewaltgeprägten Erziehungsmethoden der Lehrer leidet und die Sinnhaftigkeit darin nicht mehr erkennen kann. Deutlich werden scheinbar autobiographisch angehauchte Schilderungen, die der Autor in seinem Nachwort erwähnt. Wichtig ist ihm, dass er (wie so viele seiner Leidensgenossen) keine guten Erinnerungen an seine Schulzeit hat und er genau dies unbedingt erzählen möchte. Hier wird ein Bild der 70er Jahre gezeichnet, zu dem das erste Moped, die Musik, der erste Sex, der erste Joint, lange Haare, ein Parka und das Hervorrufen von Entsetzen bei Erwachsenen gehören.

Fazit

Ein unterhaltsamer Roman, der autobiografische Züge aufweist und eine Generation voller Stärke und Rebellion zeigt. Aufgearbeitet wird die Schulzeit zwischen 1966 und 1975  anhand der anschaulichen Geschichte zweier Freunde auf dem Weg zum Abitreffen.

Der Junge, der mit Jimi Hendrix tanzte

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