Geteilte Träume

  • Lübbe
  • Erschienen: Februar 2021

- TB, 448 Seiten

Geteilte Träume
Geteilte Träume
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Alexandra Hopf
71

Belletristik-Couch Rezension von Alexandra Hopf Jan 2022

Fiktive aber dennoch realistische Erzählung

1992 erfährt die junge Abiturientin Ingke überraschend, dass sie adoptiert ist. Diese Eröffnung wirft das Mädchen total aus der Bahn und sie wird von vielen verschiedenen Gefühlen überwältigt. Sie beginnt ihre Geschichte zu erforschen, um herauszufinden, wer sie überhaupt ist und woher sie wirklich stammt. Doch je mehr Informationen sie erhält, desto mehr fühlt sie sich hin und hergerissen. Plötzlich hat sie zwei Familien. Doch zu welcher gehört sie nun? Zu ihrer leiblichen Familie oder zu den Menschen, die sie liebevoll aufgezogen haben? Muss sie sich nun entscheiden oder lässt sich dieser Konflikt anders lösen?

Erschütternde Darstellung der DDR

Die Autorin Ulla Mothes liefert mit "Geteilte Träume" ihren Debütroman ab. Dabei lässt sie auch eigene Erfahrungen einfließen. Die erzählte Geschichte ist zwar fiktiv, hätte aber durchaus so passiert sein können. Sie ist selbst in der DDR aufgewachsen und hat die Führung des Staates kritisch gesehen. Um ihren Kindern ein Leben mit freier Meinungsäußerung zu ermöglichen, konnte sie offiziell nach ihrem Antrag 1986 ausreisen.

Ulla Mothes schildert in ihrem Roman auf welch schonungslose in der DDR mit Widerstand in der Bevölkerung verfahren wurde. Insbesondere der Bereich Kinderbetreuung, Zwangsadoption, Bespitzelung und Verhörmethoden machen den Leser betroffen. Aber auch die Spannungen, die damals zwischen Ost und West herrschten, die viele Schicksale nachhaltig beeinflussten, werden authentisch und nachvollziehbar dargestellt. Mit dieser fiktiven, aber doch glaubwürdigen Familiengeschichte, macht sie die Geschichte auch für spätere Generationen noch begreifbar.

Vorkommen vieler Charaktere sorgt für Verwirrung

Der erste Teil ist aber zunächst einmal schwierig zu durchdringen und man kann die einzelnen Teile nur schwer in Zusammenhang bringen. So ist die Geschichte um die junge Ingke erst einmal sehr undurchsichtig. Die Auflösung scheint wie ein Puzzle.

Ingke führt mit vielen Personen ihrer "beiden" Familien Gespräche. Dabei erzählt jeder "Befragte" eine eigene Geschichte und liefert Ingke damit wieder ein neues Puzzleteil für ihre Fragen nach ihrer Herkunft. Gerade am Anfang sorgt die Anzahl der vorkommenden Charaktere für Verwirrung und selbst mit dem angehängten Stammbaum beider Familien fällt es schwer, den Durchblick zu bekommen.

Dieser ungewöhnliche Erzählstil, alle Informationen aus aneinandergereihten Geschichten zu erhalten, bedarf zunächst einer gewissen Gewöhnung. Wenn es dem Leser dann etwa bei der Hälfte des Buches gelungen ist, alles folgerichtig Zusammenzufügen, baut sich aber doch Spannung auf und man möchte unbedingt die ganze Geschichte kennenlernen.

Ingke selbst ist zwar die Hauptperson des Romans. Sie führt quasi wie ein roter Faden durch das Buch. Dennoch bleibt sie als Person eher farblos. Auch die anderen Charaktere erscheinen distanziert und man fühlt sich keinem Protagonisten besonders verbunden.

Deutsch - deutsche Familiengeschichte

Nach einigen Anlaufschwierigkeiten ist der Roman dennoch informativ und führt uns das Leben in der DDR vor Augen. Sicherlich hat das Leben in der Form wie es hier geschildert wird nicht alle Mitbürger betroffen. Dennoch müssen wir uns klar sein, dass gerade Menschen mit anderen Ansichten genau in dieser Form mit dem Regime der DDR konfrontiert waren und schlimme Erfahrungen machen mussten. Etwas befremdlich bei der Lektüre ist allerdings nach all den geschilderten Problemen, die sich bei den beiden Familien ergeben, das schnelle unkomplizierte Happy End.

Fazit

Erschreckender Einblick in den Umgang der DDR mit „unliebsamen“ Bürgern, das über weite Strecken aufgrund seiner Erzählweise etwas unübersichtlich ist, am Ende seine Leser/innen aber doch mitzureißen vermag.

Geteilte Träume

Ulla Mothes, Lübbe

Geteilte Träume

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