Orangen für Dostojewskij

Erschienen: Januar 2021

Bibliographische Angaben

- HC, 480 Seiten

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Als Fjodor M. Dostojewskij zum ersten Mal Venedig besucht, ist das die Erfüllung eines Kindheitstraums. Doch ist er bereits 40, im Westen unbekannt und in einer beruflichen wie privaten Krise. Die Schönheit und Lebendigkeit Venedigs erreichen ihn nicht. Da widerfährt ihm eine phantastische Begegnung: mit dem Komponisten Gioachino Rossini, 70, weltberühmt, eine Legende. Der barocke Genussmensch, Inbegriff mediterraner Leichtigkeit und Allegria, verzaubert ihn mit Lebensfreude und stellt den grüblerischen, schwermütigen Asketen in drei Tagen sozusagen vom Kopf auf die Beine. Die Gegensätze sind die größten - und doch erleben wir die Annäherung zweier hochsensibler Künstlerseelen, in teils grotesken, komischen und an die Grundfragen des Menschlichen rührenden Situationen und Gesprächen. "Ich habe Venedig noch mehr geliebt als Russland", findet sich in privaten Notizen Dostojewskijs. Der Roman spürt möglichen Ursachen dieser Liebe nach.

Orangen für Dostojewskij

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17.02.2021 13:46:10
Buchbesprechung

REZENSION – Was wäre wenn? Diese Frage stellt sich Michael Dangl (53) in seinem im Januar beim Braumüller Verlag veröffentlichten Roman „Orangen für Dostojewskij“. Der österreichische Schriftsteller erzählt von einer fiktiven Begegnung des noch unbekannten russischen Schriftstellers Fjodor Dostojewskij (1821-1881) mit dem weltberühmten italienischen Komponisten Gioachino Rossini (1792-1868). Hatte Dangl uns Leser vor sechs Jahren mit seinem Bestseller „Grado abseits der Pfade“ an das äußerste Ende des Golfs von Venedig entführt, wandelt er diesmal mit uns und dem 40-jährigen Dostojewskij, der tatsächlich im Jahr 1862 seine zweimonatige Europa-Reise mit einem fünftägigen Aufenthalt in Venedig abschloss, durch die Straßen, Restaurants und Sehenswürdigkeiten der Lagunenstadt.
In einem dieser Restaurants wird er eines Abends unversehens von einem schwergewichtigen, älteren Mann zu dessen Festgesellschaft eingeladen, der sich ihm bald als Gioachino Rossini, der von ihm verehrte „Held seiner Jugend“, zu erkennen gibt. Dostojewskij, nach zehnjähriger Haft und Verbannung in Sibirien zur Erholung und literarischer Anregung im westlichen Europa, leidet unter Schwermut und kann sich der Faszination der Lagunenstadt, von deren Besuch er seit Kindheitsjahren träumte, und ihrer Leichtigkeit nicht recht erschließen. Doch dem 30 Jahre älteren „barocken Genussmenschen“ Rossini gelingt es, in den folgenden Tagen den zudem von beruflicher und privater Krise geplagten Russen mit mediterraner Lebensfreude zu verzaubern.
„Begegnen hätten sich die beiden in Venedig können und ihrer jeweiligen Natur gemäß hätte sich dann ihre Beziehung ... so entwickelt“, schreibt der Autor im Klappentext seines auf vielerlei Art faszinierenden Romans. In formvollendeter Sprache, wie man sie in modernen Texten heute nur selten findet, entwickelt Dangl atmosphärische Szenen, die je nach Protagonist zwischen Rausch und Nüchternheit schwanken. Zugleich lässt er seine beiden charakterlich so gegensätzlichen Künstler förmlich aufeinander prallen, und es fasziniert, als Leser mitzuerleben, wie sie sich erst langsam in ihren Gesprächen einander öffnen.
Der sonst so verschlossene Dostojewskij erzählt seine tragische Lebensgeschichte, lässt sich aber durch Rossini allmählich zur Leichtigkeit verführen, verliebt sich sogar in eine junge Schauspielerin - und doch alles nur mit schlechtem Gewissen: „Wie leicht es sich hier leben ließe. Aber waren das nicht unvereinbare Begriffe, 'leben' und 'leicht'? Ein Paradox?“ Auch Rossini zeigt sein wahres Ich. Der von der Öffentlichkeit umjubelte Weltstar lässt erkennen, dass seine Fröhlichkeit nur aufgesetzt ist. Der vermeintliche „Lebemann“ leidet unter Einsamkeit, an Gonorrhoe und manischer Depression. Mitten in seinen Klavierkonzerten habe er begonnen zu weinen. „Ich habe daran gedacht, mich selbst zu töten.“ So ist es am Ende der ernsthafte, 30 Jahre jüngere Russe, der dem lebensfroh scheinenden Italiener empfiehlt, statt der leichten Opera buffa als letztes Werk seines Künstlerlebens doch ein geistliches Musikstück zu schreiben.
Diese intimen, intellektuell und philosophisch großartigen Gespräche zwischen dem Schriftsteller, der vor dem Beginn seiner Weltkarriere steht, und dem weltberühmten Komponisten, der seines Weltruhms leid ist, sind es vor allem, die, in Dangls wohlklingendem Sprachstil formuliert, seinen neuen Roman zu etwas Besonderem machen. „Orangen für Dostojewskij“ wird nicht nur die Liebhaber klassischer Literatur oder Musik erfreuen, sondern ist als preiswürdiger Roman allen Freunden anspruchsvollerer Belletristik zur Lektüre empfohlen.

26.01.2021 20:48:25
annakatharina

Anspruchsvoll und mit Crescendo

Michael Dangl schreibt in seinem Roman „Orangen für Dostojewskij“ über die erfundene Begegnung zweier großer Künstler – Dostojewskij und Rossini – in Venedig. Hierzu hat der Autor die Lebensläufe und Denkweisen der Künstler recherchiert und in die Geschichte eingearbeitet. Diese Idee hat mein Interesse an dem Buch geweckt.
Die ersten rund 100 Seiten waren aus meiner Sicht etwas langatmig und schwerfällig. Andererseits spiegelt dies auch die anfängliche Stimmung Dostojewskijs und seine Enttäuschung über Venedig vor seiner Begegnung mit Rossini wider. Danach wird die Geschichte aus meiner Sicht interessanter und flüssiger. Der Schreibstil ist insgesamt anspruchsvoll, hat mir jedoch gleichzeitig das Eintauchen in die frühere Zeit und das Verständnis für die Charaktere erleichtert.
Mit Rossinis Auftauchen wird die Geschichte schneller und verändert auch Dostojewskijs Blick auf Venedig. Der enthaltsame und religiöse Dostojewskij wird Teil der Gesellschaft rund um den Genießer Rossini, nimmt an ausschweifenden Feiern und Ausflügen teil, entwickelt eine freundschaftliche Beziehung zu ihm und lernt verschiedene Seiten des Komponisten kennen. Bei den beiden Künstlern handelt es sich um zwei grundverschiedene Persönlichkeiten, die jedoch bei näherer Betrachtung auch Gemeinsamkeiten vereinen. Diese Annäherungen in Kombination mit dem Herausarbeiten der verschiedenen Wertvorstellungen, Lebensweisen und Handlungsmuster der beiden Künstler haben mir besonders gut gefallen.

22.01.2021 16:28:37
leseratte1310

Venedig ist der Schauplatz für eine ungewöhnliche Begegnung, die hätte stattfinden können, aber ob es wirklich so gekommen ist, dafür gibt es keinen Beleg. Doch der Autor bringt in der Lagunenstadt zwei sehr unterschiedliche Männer zusammen: Fjodor M. Dostojewskij und Gioachino Rossini.
Dostojewskij ist ein schwermütiger Mensch, der sich anderen gegenüber misstrauisch und mürrisch gibt. Sein Leben war nicht einfach, denn immer wieder ereilen ihn Epilepsie-Schübe und das Geld ist auch knapp. Er hatte zwar immer davon geträumt, Venedig zu besuchen, doch dann – als er endlich dort ist - findet er keinen Zugang zu der lebendigen Stadt und seinen lebensfrohen Bewohnern. Des Reisens ist er überdrüssig und hat Heimweh. Dann begegnet er auf einer Gesellschaft Gioachino Rossini, der das Leben genießt. Es kommt zu intellektuellen, manchmal recht philosophischen Gesprächen zwischen diesen beiden Männern, die grundverschieden sind und sie nähern sich an. Dostojewskij lässt sich von Rossini dazu verführen, auch die schönen Seiten des Lebens zu sehen.
Auch wenn ich den Roman interessant finde, so gibt es auch Stellen, dich ich etwas langatmig finde. Die Handlung verläuft sehr ruhig. Der Schreibstil hat mir gut gefallen.
Nachdem ich den Klappentext zu diesem Buch gelesen hatte, habe ich mir erst einmal Bilder der Protagonisten angesehen und mit diesen Bildern vor Augen konnte ich die Gemütslage der Männer viel besser verstehen. Man sieht einfach schon auf den ersten Blick, was es für Menschen sind.
Es macht Spaß dieses Buch zu lesen, aber man muss sich auch darauf einlassen können. Wie es wohl gewesen wäre, wenn sich die beiden wirklich getroffen hätten?

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