Das Privileg

Erschienen: Januar 2021

Bibliographische Angaben

- OT: Privilege

- aus dem Englischen von Marie Rahn

- HC, 432 Seiten

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Sandra Dickhaus
Der Mut einer jungen Frau, sich nach einem sexuellen Übergriff zu wehren

Buch-Rezension von Sandra Dickhaus Mär 2021

Wann ist eine Vergewaltigung wirklich eine Vergewaltigung? Muss man als Frau ganz konkret „Nein“ gesagt haben oder gilt auch nur die Gegenwehr? Genau mit diesem schwierigen Thema befasst sich der zweite Roman der amerikanischen Autorin Mary Atkins. Dabei geht es um die Lebenswege dreier junger Frauen, die sich zu Beginn der Geschichte noch nicht persönlich kennengelernt haben; zudem entstammen sie unterschiedlichen sozialen und gesellschaftlichen Kontexten. Eines haben die Drei aber von Anfang an gemeinsam: Sie befinden sich auf dem Campus der Carter-University. Zunächst erfährt man im ersten Teil des Romans unter dem Schlagwort „Hoffnung“, wer genau die erste Protagonistin ist: Es handelt sich um die schüchterne, unscheinbare Annie, die sich erst an der Universität einleben muss und ausgerechnet auf den beliebten Tyler trifft. Dies klingt wie das Klischee eines Liebesromans, aber das ist es in keinem Fall - hier geht es weder um Kitsch noch ein unrealistisches Happy End.

Die Studentin Annie wehrt sich, doch ist sie wirklich ein Opfer?

Man begleitet Annie auf die erste Party mit dem beliebten Studenten und glaubt genau wie sie zunächst an die Ernsthaftigkeit seines Interesses. Doch nach dem Genuss von zu viel Alkohol wacht sie bei Tyler auf und bemerkt, dass sie keine Unterwäsche mehr trägt und er gerade sexuelle Handlungen an ihr vornimmt. Nach einiger Bedenkzeit, Zweifeln und auch der Manipulation Tylers entscheidet sich die junge Frau, ihn wegen des Übergriffs anzuzeigen. Erschwerend kommt hinzu, dass Tyler aus einer reichen, an der Universität angesehenen Familie stammt, die dort mit Spenden für finanziellen Ausgleich sorgt. Man denkt sofort, dass eine Verurteilung Tylers unwahrscheinlich sein wird und fiebert mit. All die Ungerechtigkeit der äußeren Begebenheiten und die traditionell in alten Strukturen denkende Gesellschaft werden deutlich. Wem glaubt man eher? Einem schüchternen Mädchen oder einem allseits beliebten, hübschen, wohlhabenden Jungen, der viele mit seiner Art um den Finger zu wickeln scheint? Selbst bei Annie schürt er Zweifel.

Die Jurastudentin Bea verteidigt den Täter und bekommt Zweifel

Die zweite Protagonistin ist die Jurastudentin Bea. Sie wird Tyler als Rechtberatung an die Seite gestellt und verrät ihm Tipps und Kniffe, um einer Verurteilung zu entgehen. Doch irgendwie spürt sie, dass das, was sie macht, gegenüber Annie falsch ist. Was soll sie tun? Ihren Mandanten vertreten oder dem Opfer beistehen? Ein Gewissenskonflikt. Die dritte Figur, die mit Tyler in Kontakt gerät, der der Dreh- und Angelpunkt zwischen der Verbindung der Frauen zu sein scheint, ist Stayja, die in einem Cafe auf dem Campus arbeitet. Tyler scheint sie bei ihrem Traum, eine Ausbildung als Krankenschwester anfangen zu können, zu unterstützen. Er setzt ihr noch den Floh ins Ohr, doch besser Medizin zu studieren; allerdings fehlen Stayja die finanziellen Mittel, weswegen sie jobbt. Sie vertraut ihm, hält zu ihm und will all die Gerüchte, die ihr zu Ohren kommen, nicht glauben.

Dramatisch, intensiv und sehr authentisch

Ein vielschichtiger Roman, der an Intensität nicht zu übertreffen ist: In zwei Teilen wird die dramatische Handlung erzählt und man wechselt in jedem Kapitel zu einer der Hauptfiguren. So hat man scheinbar einen vollständigeren Blick auf das Geschehen rund um den sexuellen Übergriff und kann sowohl die Seite des Opfers als auch die juristische Perspektive erkennen. Dabei muss man sich eingestehen, dass man sich durch Tylers äußerlich wirklich charmante Art gegenüber Frauen, sein Manipulationstalent und seine Geschichten, die er über seine Eltern und seine Probleme mit ihnen erzählt, immer wieder fragt: Kann solch ein erfolgreicher Student ein Mädchen sexuell nötigen? Hat er das wirklich nötig, weil er durch sein Aussehen doch eigentlich scheinbar jede haben könnte? Hat Annie vielleicht doch nicht genug signalisiert, dass sie dies nicht wollte? Damit trifft die Autorin genau den Nagel auf den Kopf: nämlich dass man zweifelt, hin und her überlegt, nicht weiß, wem man glauben soll und gesellschaftlichen Kriterien folgt – genau wie in der Realität. Man bekommt einen guten Einblick in die Ungerechtigkeit der Prozessführung und der Diskussion, ob man als Frau ganz deutlich „Nein“ sagen muss, um zu signalisieren, dass man die sexuelle Aktivität ablehnt.

Fazit

Lesen, lesen, lesen – so eindringlich muss man es formulieren. Es kommt an keiner Stelle Langweile auf, da man sich in drei unterschiedliche Sichtweisen hineinliest. Ein sehr wichtiges Thema über die Selbstbestimmtheit der Frau und den Umgang damit.

Das Privileg

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