Die Erfindung der Sprache

Erschienen: Februar 2021

Bibliographische Angaben

- HC, 496 Seiten

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Monika Wenger
Eine eingeschworene Gemeinschaft

Buch-Rezension von Monika Wenger Apr 2021

Die fiktive ostfriesische Insel Plateoog ist das Zuhause von Adam Riese. Mit ihm leben auf dieser kleinen Insel noch die tschechische Großmutter, der ostfriesische Großvater, die Mutter Oda und der zugewanderte Vater Hubert, sowie ein paar weitere liebenswerte Mitbewohner. Sie alle bilden eine eingeschworene Gemeinschaft.

Im Alter von dreizehn Jahren verschwindet Hubert auf einer Pilgerreise spurlos. Dieses Ereignis stürzt die Mutter in eine schwere Lebenskrise und lässt sie verstummen ...

Der Besuch in der Buchhandlung

Seit Huberts Verschwinden sind mehrere Jahre vergangen. Adam lebt und doziert unterdessen in Berlin. Obwohl er leichte autistische Züge aufweist, hat er promoviert und lehrt an der Uni Berlin Sprachwissenschaften. Eines Tages erhält er einen Anruf seiner Oma, er möge schnellstens nach Hause kommen; seine Mutter sei während eines Besuchs in der Buchhandlung zusammengebrochen. Der Auslöser scheint ein Buch mit dem Titel Mein Leben in zwei Welten von Zola Hübner zu sein.

Doppelleben

Weitere Abklärungen zum Zusammenbruch der Mutter ergeben, dass Hubert ein Doppelleben geführt haben muss. Auf Drängen der Großmutter versucht Adam, die Autorin des Buches, Zola Hübner, zu finden, und hofft auf weitere Informationen zu seinem Vater. Nachdem Zola überraschend in Berlin auftaucht und Adams Leben auf den Kopf stellt, überwindet er seine Panik und fährt mit ihr nach Bad Kissingen. Hier hoffen sie, eine erste Spur von Hubert zu finden. Doch die Reise ist für Adam noch nicht zu Ende - denn die Spur führt ihn weiter nach Prag und endet schlussendlich in der Bretagne. Dazwischen gibt es so einige brenzlige Situationen zu bewältigen und neue Erkenntnisse zu verdauen.

Menschen und ihre Sprache

Für Adam Riese ist die Welt anstrengend; eigentlich befasst er sich am liebsten mit dem Thema Sprache. Die Sprachwissenschaft gibt ihm Halt – alles Emotionale überfordert ihn grenzenlos. Listen schreiben, Organisieren, Strukturieren – das sind Adams besondere Fähigkeiten, dabei fühlt er sich wohl. Aber Gefühle? Ein schwieriges Thema.

«Bei uns wird Freundlichkeit großgeschrieben […] Ein erstaunlicher Satz. Adam wusste, wie er gemeint war, fragte sich allerdings, warum der Caféinhaber ihn an exponierter Stelle aufgehängt hatte. Freundlichkeit wurde stets großgeschrieben.»

Mit Sprachwitz und viel Menschenkenntnis erzählt Anja Baumheier von Adam Riese und seiner Suche nach dem Vater. Sie schaut genau hin auf die unterschiedlichen menschlichen Eigenarten. Äußerst liebevoll, mit Respekt und einem großen Augenzwinkern legt sie den Finger auf die wesentlichen Punkte im zwischenmenschlichen Zusammenleben. Die Situationskomik ist perfekt gesetzt und es verleitet beim Lesen immer wieder zum Schmunzeln oder gar zu einem herzlichen Lacher. Allein die Ausdrucksweise der Grossmutter ist umwerfend und bringt vieles genau auf den Punkt:«Ist schöne Radiobild, Helge. Ich versuche mich in Positivität bei Gedanken.»

Die einzelnen Längen, vor allem gegen Ende des Romans, beeinträchtigen den Lesegenuss in keiner Weise.

Fazit

Ein ereignisreicher und herzerwärmender Roman. Mit viel Humor und Sprachspielereien erzählt Anja Baumheier von einer ostfriesischen Insel und ihren außergewöhnlichen Bewohnern - eine solide Gemeinschaft, die sich sämtlichen Herausforderungen gemeinsam stellt. Amüsant, witzig und liebevoll, mit viel Gespür für Menschen und ihre Sprache.

Die Erfindung der Sprache

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Letzte Kommentare:
05.04.2021 16:51:54
hiclaire

Die Kurzbeschreibung hat mich nicht auf Anhieb angesprochen, wohl aber (bei mir eher die Ausnahme) das Cover. Einfach schön und mal was anderes, das sich nicht so ohne weiteres in eine Schublade stecken lässt.

Und dann war es die Sprache, die ich, wie erhofft, so sehr genossen habe. Schon die Aufzählung rund um die Zahl sieben, gleich zu Anfang, hat mich fasziniert und nach der so witzig beschriebenen Speed-Dating-Erfahrung, auch wenn sie für Adam nicht wirklich lustig gewesen ist, hab ich mich so richtig auf den Fortgang der Geschichte gefreut.

"Mit dem Jungen läuft etwas nicht so, wie es soll“, stellt man auf Platteoog, seiner ostfriesischen Heimatinsel fest. Adam ist wohl mit einer Form des Asperger-Syndroms geboren worden - mit Kommunikationsproblemen, dafür aber besonderen Begabungen. Für Romanfiguren wie ihn habe ich schon seit längerem ein Faible und schließe sie stets ebenso schnell wie voll und ganz in mein Herz.

Man merkt rasch, dass die Geschichte auf zwei Zeitebenen erzählt wird, einmal in der Gegenwart mit Adam als erwachsenem Dozent für Sprachwissenschaften. Und in der Vergangenheit, die mit dem Kennenlernen seiner Großeltern beginnt und dann mit Adams Eltern und seinen Jugendjahren ihren Fortgang nimmt. Schaut man dann noch auf die Platteooger Originale, die sich stets um ihn und seine Familie sorgen und kümmern, sind es schon eine ganze Reihe eigenwillig-skurrile, aber äußerst liebenswerte Menschen, unter denen er aufwächst.

Adams Papa umgibt ein Geheimnis, das ist bereit deutlich zu spüren als er noch bei seiner Familie weilt. Immer wieder gibt es Momente, in denen er irgendwie strange wirkt und man ihn nicht so recht einzuordnen weiß. Als großer Fan von Rilke spendiert er der Geschichte eine Fülle von Zitaten aus dem Werk des Dichters. Wie in der Kurzbeschreibung erwähnt, gibt es eines Tages einen verblüffenden neuen Anhaltspunkt, so dass sich Adam ca. zwanzig Jahre nach dessen unerklärlichem Verschwinden auf die Suche nach dem abgängigen Vater macht.

So gibt es definitiv ein Ziel und einen roten Faden, trotzdem verstärkte sich bei mir am Ende der Eindruck, dass in diesem anrührenden Roman eher der Weg das Ziel ist. Und zwar nicht nur für Adam, der eine beeindruckende persönliche Entwicklung erfährt und sich dabei doch stets treu bleibt. Denn die Geschichte mäandert mal hierhin, mal dorthin, verharrt immer wieder bei den Eigenheiten der Figuren, wie z.B. der anteilnehmenden, liebevoll pragmatischen Fürsorge der Platteooger, sowie der unermüdlich in allen Lebenslagen kochenden und backenden Großmutter Leska (die mir ganz besonders ans Herz gewachsen ist). Angefüllt mit Sprachbildern, Sprichwörtern, Aphorismen und Aberglauben, dazu verblüffenden Informationen zu verblüffenden Themen, fand ich es sprachlich wunderbar, jeder Satz ein Genuss. Hervorheben möchte ich einen (von mehreren) Running-Gag um Mr. Miyagi (aus dem Film Karate-Kid), der glücklicherweise nicht überstrapaziert wurde und mir jedes Mal aufs Neue Freude bereitet hat.

Einen kleinen Kritikpunkt gibt es dann doch. Wenngleich die Geschichte und auch die Figuren bis zum Ende nichts von ihrer Liebenswürdigkeit einbüßen, hat mich im letzten Drittel ein Hauch von Ungeduld beschlichen ob der vielen Wiederholungen und der sich im Kreis bewegenden Umschreibungen. So schön und wortgewandt diese auch sind, mit der Zeit fand ich sie ein bisschen ermüdend. Ein paar Seiten und Wiederholungen der Stilmittel weniger, hätten für meinen Geschmack nicht geschadet.

Nichtsdestotrotz war „Die Erfindung der Sprache“ für mich ein großartiges Lesevergnügen, nicht unbedingt realitätsnah, aber liebenswert, unterhaltsam und manchmal auch lehrreich.

03.03.2021 18:17:32
Platteoog

Wortgewandt und federleicht

Adam Riese ist keinesfalls Mathematiker, sondern Sprachwissenschaftler und ein nicht ganz unkomplizierter Mensch. Veränderungen in seinem Tagesablauf, reisen, Kontakt mit anderen Menschen: alles Dinge, mit denen er nicht gut zurecht kommt. Dementsprechend bekommt er es mit all dem im Laufe der Handlung zu tun und muss das Beste daraus machen.
In „Die Erfindung der Sprache“ spielt Baumheier mit der Sprache, ohne dass dies aufdringlich oder ermüdend ist. Die Charaktere sind wunderbar lebendig durch die Erzählung und unglaublich sympathisch. Meine Lieblingsfigur im Roman war Adams Oma aus dem Altvatergebirge, bei der ich mich über jeden Auftritt gefreut habe, allein schon wegen ihrer, zwar fast nie sprachlich korrekten, aber immer sehr lustigen Redebeiträge.
„Die Erfindung der Sprache“ ist zum Teil Heldenreise, zum Teil Roadtrip, zum Teil Familiengeschichte; eine Mischung, die ich hier sehr gelungen finde. Am Anfang hat es mich etwas gestört, dass Farben in dem Roman immer ganz genau beschrieben werden und nicht einfach nur grau oder blau sein dürfen. Aber das ist eine Eigenart des Buches, die mir irgendwann sogar sympathisch wurde. Richtig gut gefallen hat mir auch, dass Adam eine starke, aber absolut glaubwürdige Charakterentwicklung durchläuft.
Der Roman nimmt sich selbst nicht zu Ernst, weswegen er mir auch so sympathisch ist.
Fazit: ein lustiger Roman über einen unfreiwillig Reisenden, die Sprache und das Leben auf einer Nordseeinsel.

01.03.2021 23:57:11
TochterAlice

Nicht DER Adam Riese
Also nicht der vielzitierte Vater des modernen Rechnens, sondern einer, der einfach denselben Namen trägt, steht im Fokus dieses Romans. Er lebt auf der ostfriesischen Insel Platteoog, die etwas ganz Besonderes ist - der Leser wird sukzessive mit deren Bewohnern, vor allem jedoch mit Adams Familienmitgliedern bekannt gemacht. Wir erhalten ausführlichen Einblick in seine Familiengeschichte, zumindest mütterlicherseits. Väterlicherseits hingegen bleibt vieles nebulös, denn sein Vater Hubert taucht dort eines Tages auf, um sich des Leuchtturms anzunehmen und bleibt vor allem wegen Oda. Einige Jahre später werden die beiden Adams Eltern und weitere Jahre später verschwindet Hubert spurlos.

Während aus Adam, der gewissermaßen ein Sonderling ist - es ist, so denke ich, nicht ganz verkehrt, ihn als eine Art Autisten zu bezeichnen, ein Sprachwissenschaftler wird, verzweifelt seine Mutter am Verschwinden ihrer großen Liebe . Und zwar so sehr, dass sich irgendwann für Adam die Notwendigkeit zu handeln ergibt. Und die führt ihn aus Berlin, wo er mittlerweile lebt und an der Uni arbeitet, fort in die große weite Welt - zuletzt in die Bretagne. Wo er vieles erfahren und manches regeln kann und lernt, dass Familie auch ein Gefühl sein kann.

Ein bisschen hat der Roman etwas von einem Kinderbuch für Erwachsene - die Handlung ist wild, verwegen und frech, ebenso wie Sprache und Stil. Gewissermaßen etwas von einer männlichen Pippi Langstrumpf mit deutlich mehr Nebencharakteren. Meiner Ansicht nach schießt Autorin Anja Baumheier jedoch nicht nur einmal über das Ziel hinaus, denn Romane für Erwachsene dürfen zwar natürlich auch wild und verwegen sein, es sollte aber alles passen, Struktur haben und gewissermaßen zielführend sein. Das ist es aus meiner Sicht hier nur teilweise, wobei auch einige Erzählstränge für mich keinen richtigen Sinn ergeben. Anja Baumheier pflegt zudem einen sehr originellen Sprachstil, der teilweise amüsant, oft aber auch einfach nur anstrengend ist, wie ich finde.

Ein Roman mit spannenden und vielversprechenden Ansätzen, der jedoch deutlich zu viele Purzelbäume schlägt!

17.02.2021 09:15:09
leseratte1310

Adam Riese ist ein besonderes Kind. Er beginnt erst mit zwei Jahren zu sprechen und hat eine Vorliebe für Zahlen, besonders für die 7. Aus der kleinen Nordseeinsel Platteoog wächst er auf und wird von seiner Mutter Oda, dem Vater Hubert und seine Großmutter Leska umsorgt. Sein Vater richtet ihm einen alten Leuchtturm her, wohin er sich zurückziehen kann. Adam ist sehr intelligent, aber im fehlt soziale Kompetenz. Doch dann passiert etwas Schreckliches. Als er dreizehn Jahre alt ist, verschwindet sein Vater spurlos und seine Mutter verstummt.
Viele Jahre später – Adam ist inzwischen Dozent für Sprachwissenschaften an einer Berliner Universität – findet sich in dem Buch „Die Erfindung der Sprache“ ein Hinweis auf seinen Vater, und Adam macht sich auf die Suche nach ihm.
Der Schreibstil der Autorin ist besonders und sehr bildhaft, er lässt sich sehr flüssig lesen.
Die Charaktere sind eigenartig skurril, aber auch liebenswert. Dass "mit dem Jungen etwas nicht so läuft, wie es soll", ist deutlich spürbar, aber Adam ist mit sich und der Welt im Reinen. Interaktionen mit Menschen liegen ihm nicht so sehr. Gerade deshalb ist es schön, dass die Menschen von der Insel ihn nehmen, wie er ist und ihn unterstützen. Auch seine Großmutter ist eine wundervolle Person.
Erst so nach und nach erfahren wir, was Hubert dazu gebracht hat, seine Familie zu verlassen und wie es ihm dann ergangen ist.
Es ist eine Geschichte, auf die man sich einlassen muss, aber wenn man darin eintauchen kann, dann zieht sie einen in den Bann. Ich kann diesen Roman nur empfehlen.

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