Typee

Erschienen: Juli 2019

Bibliographische Angaben

- OT: Typee. A Peep at Polynesian Life

- neu aus dem Englischen von Alexander Pechmann

- Sonderausgabe mit Leineneinband

- 448 Seiten

Couch-Wertung:

75
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Sebastian Riemann
Debüt mit Kannibalen

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Dez 2020

Herman Melville gehört zu den großen Namen der Weltliteratur, Jung und Alt kennen ihn. Sein Moby-Dick ist vielerorts Schullektüre und ein zeitloser Klassiker, den jedermann gelesen haben sollte. Doch darüber hinaus sind seine Werke keinem größeren Publikum bekannt. Einige Interessierte der Literaturgeschichte mögen noch Bartleby, the Scrivener und Benito Cereno kennen, aber meist endet dort ihre Neugier für das Schaffen des US-amerikanischen Autors. Sein Debüt aus dem Jahre 1846, mit dem Melville auf sich aufmerksam machte und seine dann erfolgreiche Laufbahn als Schriftsteller initiierte, wird oft übersehen; damals wie heute hält das Buch jedoch spannende Einblicke für den geneigten Leser bereit. Dank der schönen Gestaltung des mare-Verlages überzeugt es nicht nur als Frühwerk des großen Melville, sondern auch als begehrenswertes Sammlerstück.

Typee handelt von einem Matrosen, der auf seinem Schiff über die Behandlung unglücklich ist und die endlosen Strapazen und Quälereien einfach nicht länger ertragen will. Zusammen mit einem zweiten Matrosen beschließt er die Flucht, da das Schiff vor der Insel Nuku Hiva, einer der Marquesas-Inseln im Südpazifik, liegt. Die beiden Männer flüchten sich in den dichten Dschungel, über Berg und Tal. Dabei sind sie stets darauf bedacht, nicht den Typee in die Hände zu fallen - denn die Typee sind berüchtigte Kannibalen, die jedem Eindringling die Haut abziehen und ihn über dem offenen Feuer in eine wohlschmeckende Mahlzeit verwandeln. Sie sind blutrünstige Krieger ohne Moral - so zumindest geht die Sage.

Abenteuer in der Südsee

Da die Flucht der beiden Matrosen nicht wie geplant verläuft und die beiden keinen paradiesischen Tropengarten vorfinden, der sie mit allerlei Früchten versorgt, müssen sie sich schließlich von den hohen Bergkämmen entfernen und hinunter in die bewohnten Täler gehen - auch wenn dort die Gefahr besteht, dass sie den brutalen Typee zum Opfer fallen. Am Ende landen die beiden Matrosen genau dort, wo sie nicht landen wollten, müssen aber feststellen, dass die Geschichten um die kannibalistischen Typee nicht der Wahrheit entsprechen - denn die beiden werden herzlich willkommen geheißen und mit viel Vergnügen versorgt. Die Bewohner des Tals behandeln sie wie Ehrengäste und kümmern sich um ihr Wohlergehen. Im Laufe der Wochen und Monate, die der Erzähler bei den Typee verbringt, wird er mit der lokalen Kultur vertraut und nimmt allmählich am gesellschaftlichen Leben teil. Dabei sinniert er regelmäßig über die Unterschiede zwischen den Südseebewohnern, die als Kannibalen verschrien sind, und den Europäern, die sich selbst als höchste Vertreter von Zivilisation und Moral verstehen.

Der Roman war das literarische Debüt von Herman Melville, es erschien fünf Jahre vor Moby Dick. Darin verarbeitete der Autor seine persönlichen Erfahrungen: Er selbst hatte auf einem Schiff angeheuert und war 1842 vor der schlechten Behandlung an Bord geflohen, indem er sich auf der Insel Nuku Hiva versteckte. Dort verbrachte er mehrere Wochen bei den Typee und lernte ihre Kultur kennen. Das Buch ist eine Mischung aus Abenteuerroman, Reisebericht und Zivilisationskritik.

Fazit

Der Erstling von Melville besticht durch die exotische Szenerie und die konstante Spannung, die aus dem vermeintlichen Kannibalismus der Inselbewohner resultiert - eine besondere Reise, die auch heute noch begeistern kann.

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