Das Baby ist meins

Erschienen: Januar 2021

Bibliographische Angaben

- OT: The Baby is Mine

- aus dem Englischen von Yasemin Dinçer

- HC, 128 Seiten

Couch-Wertung:

65

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Lisa Reim-Benke
Ein Corona-Kammerspiel

Buch-Rezension von Lisa Reim-Benke Jan 2021

Bambi hat es nicht leicht: Seine Freundin findet heraus, dass er fremdgeht, und schmeißt ihn aus der gemeinsamen Wohnung. Obendrein hat auch noch das Corona-Virus das Leben in Nigerias größter Stadt Lagos fest im Griff. Bambi macht sich deshalb auf die Suche nach einer Bleibe - schließlich herrscht Ausgangssperre und eigentlich darf niemand das Haus verlassen. Bei seiner Tante Bidemi kommt er zwar unter, doch hier erleidet er den nächsten Schock: Im Haus seines kürzlich verstorbenen Onkels wohnen zurzeit nicht nur seine trauernde Tante, sondern auch Esohe, die Geliebte seines Onkels, und – ein Baby. Zunächst geht Bambi davon aus, dass seine Tante die Mutter des Kindes ist, doch Esohe hat eine ganz eigene Version der Geschichte. Der verzweifelte Bambi muss eine Entscheidung treffen: Welcher Frau soll er glauben ..?

Wenn zwei sich streiten, leidet der Dritte

Mit ihrem Debüt Meine Schwester, die Serienmörderin hatte Oyikan Braithwaite im letzten Jahr ins Schwarze getroffen und gleich mal einen Sunday-Times-Bestseller gelandet. Mit Ironie, rasantem Tempo und Scharfsinn lieferte sie einen Einblick in die vom Patriarchat geprägte nigerianische Gesellschaft. Ihr zweites Werk versucht thematisch daran anzuknüpfen, obwohl Handlung und Figuren nichts mit der Geschichte des Vorgängers zu tun haben.

Das Baby ist meins ist eine der ersten Corona-Geschichten, die langsam aber sicher den Buchmarkt erobern. Aber keine Panik: Das Virus steht hier nicht im Fokus. Stattdessen hat sich Braithwaite der landesweiten Ausgangssperre bedient, um ihre Figuren in eine Schmelztiegel-Situation zu bringen, aus der sie nicht so einfach entkommen können. Auf diese Weise werden Bambi, Bidemi und Esohe gezwungen, ihre Konflikte offen auszutragen. Der arme Bambi steht dabei zwischen den Stühlen und kommt mit den zankenden Frauen nicht zurecht. Doch dass hinter dem Zickenkrieg mehr steckt als banale weibische Streitigkeiten wird selbst Bambi bald klar. Seine Tante kämpft mit dem Älterwerden und der Wut auf ihren verstorbenen Mann, der sie mit einer Jüngeren betrogen hat. Esohe wiederum verkörpert genau das, was Bidemi vermisst: Jugend, Kraft und ein Leben voller Möglichkeiten. Aber Esohe treibt eine Rastlosigkeit um, die es ihr schwermacht, ihrem Leben Struktur zu verleihen. Ein Baby würde die Probleme beider Frauen lösen - das denken sie zumindest. Und so entbrennt ein Kampf um ein Kind, dessen sich überraschenderweise gerade Schwerenöter Bambi immer mehr annimmt, während die Frauen einander das Leben schwer machen.

Die Frage nach der Mutterschaft ist auch die treibende Kraft, welche die Leser durch die gerade mal 128 Seiten zieht. Denn obwohl die intrigierenden Frauen großes Spannungspotential versprechen, halten sie sich erstaunlich zurück. Irgendwann plätschert der Konflikt nur noch träge vor sich hin, bis man am Schluss auf eine Pointe stößt, die ziemlich schwach daherkommt. Der Witz, der Braithwaites Debüt ausgemacht hat, kommt hier deutlich zu kurz und die Präzision, mit der die Autorin Konflikte in Szene setzen kann, schwächelt. Die Geschichte, so gut die Idee dazu auch sein mag, wird nicht so dicht erzählt, wie es das Konzept eigentlich verdient hätte. Da stellt sich nur die Frage, ob sich die Anschaffung des Büchleins für 2 - 3 Stunden Lesebeschäftigung tatsächlich lohnt …

Fazit

Oyikan Braithwaites zweites Buch kann mit ihrem Erstlingswerk nicht mithalten. Es ist nicht ganz so schwarzhumorig, nicht ganz so clever und vor allem nicht ganz so spannend. Das kann die Autorin eigentlich besser.

Das Baby ist meins

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Letzte Kommentare:
18.01.2021 18:02:12
miss.mesmerized

Nachdem seine Freundin in seinem Handy mehr als belastendes Material gefunden hat, wirft sie Bambi kurzerhand raus. Doch wohin am Abend, noch dazu im Lockdown, wo er sich eigentlich gar nicht draußen aufhalten darf? Ihm fällt sein Onkel ein, ein Opfer des Virus, dessen Frau mit dem Baby sicherlich nicht in ihrem Bungalow alleine geblieben ist. Und Bambi weiß, wo sie den Ersatzschlüssel verstecken. Er hatte Recht mit seiner Vermutung: seine Tante Bidemi ist nicht alleine dort, denn bei ihr ist auch Esohe, die Geliebte seines Onkel Folu, und Baby Remi, von dem beide Frauen behaupten, dass es ihres sei. Der Lockdown hat sie gemeinsam eingesperrt, die wiederholten Stromausfälle machen die Situation nicht leichter. Die Stimmung ist aufgeheizt und angespannt. Bambi steht zwischen beiden und weiß nicht, wem er glauben soll. Die einfache Lösung, ein DNS Test, ist wegen der Pandemie und der Überlastung der Krankenhäuser nicht möglich, also ist aushalten angesagt. Und darauf achten, dass die Frauen weder sich noch das Baby umbringen.

„Falls diese beiden Frauen beschließen sollten, aufeinander loszugehen und einander umzubringen, würde ich hinterher saubermachen müssen. Und ich hatte genug Blut für einen Tag gesehen.“

Oyinkan Braithwaite konnte mich mit ihrem skurrilen Debüt „My Sister, the Serial Killer“ 2018 bereits mehr als begeistern, in ihrem aktuellen Roman findet sich derselbe lakonisch-pointierte Erzähstil wieder, der die absurde Situation, in der sich die drei Protagonisten befinden, fabelhaft unterstreicht. Die Autorin hat den aktuellen Lockdown zum Ausgangspunkt genommen, was sich hervorragend eignet, um die durch das zwangsweise Aufeinandersitzen bis an die Grenzen gespannten Nerven darzustellen. Eine Flucht ist ebenfalls unmöglich. Ein Locked-Room-Szenario der ganz besonderen Art.

Der lebenslustige Bambi, der mit seinen 28 Jahren nichts anbrennen lässt und weit davon entfernt ist, das gesetzte Leben eines Erwachsenen zu führen und eine Familie zu gründen, findet sich plötzlich in der Rolle des König Salomo wieder, der entscheiden soll, wer die Mutter des Kindes ist. Es steht Aussage gegen Aussage und beide Versionen sind gleichermaßen glaubhaft. Ein salomonisches Urteil jedoch ist nicht wirklich möglich und so gilt es auszuharren. Während die beiden Furien sich am liebsten die Augen auskratzen würden, versucht Bambi zu schlichten und das Wohl des Kindes im Auge zu behalten. Bidemi wie auch Esohe zeigen sich rücksichtslos und gewaltbereit: ein Hahn muss dran glauben, auch Baby Remi bleibt nicht ganz unverschont, ebenso mehrere Türen, Massen von Blut im Flur – und immer wieder fällt auch noch der Strom aus.

Obwohl die Lage, wie auch in ihrem ersten Roman, dramatisch ist, herrscht doch ein oft humorvoller Ton, denn Erzähler Bambi kann alles nur mit einer gehörigen Portion Galgenhumor ertragen. Die Absurdität dessen, was er in dem Bungalow erlebt, lässt sich nur so in Worte fassen, auch wenn ihm das Lachen mehr als einmal im Halse stecken bleibt. Etliche Aspekte bringt der Roman jedoch brillant auf den Punkt: die Pandemie und vor allem der Lockdown geht an die Substanz. Hinzu der Verlust eines geliebten Menschen und dazu noch die üblichen Stressoren – die Figuren sind im emotionalen Ausnahmezustand und fern davon, rational und großzügig zu agieren. Auch die Verzweiflung von Bidemi ist leicht nachzuvollziehen, lange dauerte es sie, bis sie endlich schwanger wurde und dann das sehnsüchtig erwartete Kind, das ihr eine andere wegnehmen möchte. Letztlich hätte man sich auch nicht gewundert, wenn die Geschichte in einem Gemetzel geendet hätte.

Wieder einmal unterstreicht Braithwaite ihre Gabe, ernste Themen noch weiter zuzuspitzen, der Dramatik jedoch über die Absurdität eine heitere Note zu verpassen, die das Lesen unterhaltsam macht, ohne jedoch den Ernst der Lage herunterzuspielen.

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