All das zu verlieren

Erschienen: Januar 2021

Bibliographische Angaben

- aus dem Französischen von Amelie Thoma

- Broschur, 224 Seiten

Couch-Wertung:

70
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Sandra Dickhaus
Eine ausweglose Suche nach dem extremen Kick

Buch-Rezension von Sandra Dickhaus Jan 2021

Adèle geht es augenscheinlich gut; sie arbeitet als Journalistin, ihr Mann ist Arzt, sie wohnen in einer Villa und haben einen dreijährigen Sohn. Doch so sorglos ist ihr Leben nicht: Sie ist immer auf der Suche nach Abwechslung und langweilt sich in ihrem Alltag. Dabei begehrt sie hauptsächlich eins: Sex mit unterschiedlichen Männern. Den holt sie sich auch! Doch langsam aber sicher gerät ihre Sucht nach dem erotischen Abenteuer aus dem Ruder. Sie kann nicht mehr ordentlich am Alltag teilnehmen, verkriecht sich oder trinkt, konsumiert Drogen und ihr entgleitet die Kontrolle. Innerlich ist sie zerrissen, sie fühlt sich wie benommen; nur der Sex, den sie immer wieder sucht, belebt sie für einen Moment. Ihr Mann Richard scheint nichts von ihrem Doppelleben zu wissen. Doch irgendwann verändert sich das Ganze ins Extreme - jetzt muss etwas geschehen. Die Stimmung ändert sich!

Man wartet immer auf den großen Knall

Der Erzähler lässt uns das Leben der reichen Familie Richardson erleben, ihre Ausflüge, die Besuche bei Freunden. Adèle allerdings erscheint zwar physisch anwesend, ist mit ihren Gedanken aber immer woanders - häufig auch bei der Begutachtung der anwesenden Männer. Man spürt die Ausweglosigkeit der Situation, den Teufelskreis, der nicht verlassen werden kann. Dies führt zu einer gewissen Spannung, da man immer auf den großen Knall, das riesige Desaster wartet. Dabei wird nicht übermäßig emotional geschrieben, sondern schon annähernd sachlich - vor allem ohne dass die Geschehnisse bewertet werden; jeder kann sich sein eigenes Urteil bilden. Abgründe tun sich auf und scheinen die Figuren hineinzuziehen. Die Rückblicke in Adèles Vergangenheit erweisen sich allerdings nicht immer als besonders aufregend oder wissenswert, nehmen aber nur einen sehr geringen Teil der Erzählung ein.

Fazit

Gerade die scheinbare Banalität des Alltags von Adèle macht die Schilderungen ihrer einsamen Sucht-Experimente, die immer mehr ausarten, so tragisch. Mit genau so wenig Emotionen, die sie innerlich spürt, wird diese Geschichte erzählt. Von Anfang an weiß man, dass man auf einen Abgrund zusteuert – ohne Wenn und Aber.

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