Mein Vietnam

Erschienen: September 2020

Bibliographische Angaben

- mit Erzählungen von Tran Minh Tam, Nguyen Thu Hien, Dang Thu Ha, Nguyen Le Kim Yen, An Dai Trang, Le Duc Quang, Nguyen Van Minh und Vu Tung Lam

- Übersetzer*innen: Cu Huy Phan Tao, Rodion Ebbinghausen, Tran Thi Hoa Binh, Xuan Hang Nguyen

- TB, 224 Seiten

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Yannic Niehr
Ein Land mit anderen Augen sehen lernen

Buch-Rezension von Yannic Niehr Nov 2020

Nach dem Tod seiner Frau hilft ein 72 Jahre alter Herr seiner Familie in ihrem Café in der Stadt aus; dort blüht er unerwartet auf und lernt auf seine alten Tage Englisch.

Einem alten Brauchtum folgend ist ein junger Vater gezwungen, sein Neugeborenes gemeinsam mit der bei der Geburt verstorbenen Mutter zu bestatten; er bringt es nicht übers Herz, doch lässt sich der Schatten einer uralten Tradition nicht abschütteln.

Eine Hausfrau vom Lande besucht ihre Familie in der Großstadt, und kann den Kulturschock nur schwer mit ihrer eigenen Lebensführung vereinbaren.

Ein junger Mann philosophiert über seine Leistungen und sein Leben und darüber, ob er dieses für sich selbst oder für seine Eltern gelebt hat; dabei hält er ein besonderes Geheimnis im Kühlschrank versteckt.

In einem Siedlungsgebiet gehen merkwürdige Dinge vor. Hier treffen verschiedene Gesellschaftsschichten aufeinander, und eine unmenschliche Parallelwelt entsteht.

Eine junge Frau ist fest entschlossen, etwas aus ihrem Leben zu machen, kann aber die Sehnsucht nach der alten, einfacheren Heimat nur schwer abstellen.

Ein Zweitgeborener möchte die Narben der Vergangenheit abschütteln und aus dem Schatten seines Bruders treten – dies jedoch geschieht schließlich zu Lasten seines eigenen Seelenheils.

Ein deutscher Austauschstudent schließt eine überraschende Freundschaft mit einer alten Dame vom Lande und macht sich ihre Freude und ihren Schmerz zu eigen.

Ein Hochwasser zwingt die Bewohner eines Dorfes, dieses hinter sich zu lassen. Die Veränderung zu verkraften gelingt jedoch nicht allen.

Ein geheimnisvoller Hotelgast mit einer traurigen Geschichte veranlasst einen jungen Mann dazu, seine Heimatstadt in einem neuen Licht zu betrachten.

„Jeder trägt den Charakter seiner Heimat in sich“

Vietnam – ein Land, das aus hiesiger Perspektive zumeist entweder einen grausigen Krieg versinnbildlicht oder märchenhafte Urlaubsexotik verspricht. Nicht zuletzt aus diesem Grund rief das Goethe-Institut in Hanoi 2017 vietnamesische Autor*innen auf, Kurzgeschichten über ihre Heimat spezifisch für ein deutsches Publikum zu schreiben. Die zehn besten Beiträge wurden ausgewählt, und herausgekommen ist dabei diese interessante Zusammenstellung mit Erzählungen von Schriftsteller*innen verschiedenster Werdegänge, die von einem ähnlich diversen Ensemble an Übersetzer*innen mit viel Fingerspitzengefühl übertragen wurden. Durch diese einzigartigen Perspektiven eröffnet sich ein frischer Blick auf ein vermeintlich bekanntes Fleckchen Erde.

„Jede Generation lebt ihr Leben. Wie kann man es hier jedem recht machen?“

Die vielfältigen Geschichten handeln von Reisen, von Menschen, von Beziehungen, sind mal nüchtern, mal humorvoll, mal lyrisch, mal herzzerreißend, schwanken zwischen Pragmatismus und magical realism. Lassen sich auch durchaus einige thematische Gemeinplätze ausmachen (Dorf vs. Stadt, Moderne vs. Tradition, die Karriere, die Familie, ja sogar die Bedeutung des Kulinarischen für eine Kultur), so ist doch der einzige nennenswerte Kern, der sie alle verbindet, das Land Vietnam – fernab von Tourismuskitsch, Kriegsmelodram oder verklärter Romantik. In vielen Geschichten treffen sich Vergangenheit und Zukunft, und an den Knotenpunkten entstehen tragische, erschreckende oder verblüffende Einsichten in unterschiedlichste Leben.

„Wo etwas Neues entsteht, geht etwas Altes zugrunde. Was aber ist letztlich wichtiger, das Materielle oder der Geist?“

Das erwähnenswerte Vorwort von Nha Thuyen hilft dabei, die Geschichten zu interpretieren und aufzuschlüsseln. Dankenswerterweise ist auch in die Übersetzung viel Herzblut geflossen, denn es finden sich doch einige erhellende Fußnoten, die Begrifflichkeiten, die hier vielleicht nicht geläufig sind, entsprechend einordnen und Kontexte liefern. Im Zusammenspiel der Autor*innen und der Übersetzer*innen ergibt sich eine erfrischende, angemessen simple Sprache, die dem Buch dennoch nicht ausschließlich zum Vorteil gereicht. Denn an die thematische Vielfalt reicht die stilistische Ebene nicht ganz heran.

Fazit

Mein Vietnam setzt eine aufgeschlossene Leserschaft voraus und bringt dieser das Fremde näher, ohne sich ihr anzubiedern. Dass dabei neue literarische Stimmen Gehör finden, ist sehr begrüßenswert. Es bleibt aber zu hoffen, dass weitere ähnlich gelagerte Projekte folgen werden, um die durch dieses Buch angestoßene kulturelle Begegnung zu vertiefen.

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