Wo wir Kinder waren

Erschienen: Januar 2021

Bibliographische Angaben

- HC, 416 Seiten

Couch-Wertung:

78
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Monika Wenger
Die Langbein-Familiensaga

Buch-Rezension von Monika Wenger Mär 2021

Eva, Iris und Jan sind die Urenkel des Puppenherstellers Albert Langbein. Doch die ehemalige Puppenfabrik musste ihre Tore schließen und Konkurs anmelden. Übrig geblieben ist nur das alte Stammhaus der Familie im thüringischen Sonneberg. Dieses soll endlich geräumt und anschließend vermietet werden. Während der Räumungsaktion wandern die Gedanken der drei Nachfahren zurück in die Vergangenheit, und sie lassen ihre Kindheit Revue passieren ...

Gründung

Seit der Firmengründung definiert sich die Familie Langbein über die Puppenfabrik. «Die Fabrik ist das Herz», so der Wahlspruch der Familie. Bereits damals wurde die ganze Familie miteinbezogen in die Puppenherstellung. Nach dem Aufstieg folgte eine Zeit des Wohlstands und des Fortschritts. Später dann überstanden sie zwei Weltkriege, die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik und den Mauerbau. Während all dieser Zeit kämpfte die Familie Langbein für den Fortbestand der Fabrik. Diese gewährleistete nicht nur ihnen ein Auskommen, sondern bot Arbeitsplätze für die ganze Region um Sonneberg. Doch mit den politischen Veränderungen veränderte sich auch das wirtschaftliche Umfeld. Ständige Anpassungen an das Sortiment, die Herstellung und den Vertrieb waren die Folge. Die unumgängliche Verstaatlichung erschwerte die Führung des Betriebes erst recht. Unter Aufbietung aller Kräfte und mit Unterstützung der Familie gelang es, den Betrieb fortzuführen. Alles nützte nichts - der Mauerfall und die daraus resultierenden Umwälzungen brachen schlussendlich der Firma das Genick. Die Rückführung an die Familie endete mit dem Konkurs.

Die Nachfahren

Die Nachfahren, das sind Eva, Iris und Jan, sowie der Nürnberger-Zweig der Familie. Die Nürnberger vertreten eine ganz andere Sichtweise auf die Hinterlassenschaft und möchten so wenig wie möglich mit allem zu tun haben. Sie haben wenig Berührungspunkte mit dem thüringischen Teil der Familie. Doch die drei Urenkel, Eva, Iris und Jan, haben eine tiefe Bindung zum Dorf Sonneberg, zur Fabrik, zum Stammhaus und damit zur Vergangenheit. Während Cousin und Cousinen entsorgen, reinigen und ausbessern, wird wie in alten Zeiten gestänkert, gemotzt - aber zum Glück auch endlich Differenzen bereinigt.

Noch während der Räumung des Stammhauses kristallisiert sich eine Idee für die Zukunft. Daran nicht ganz unschuldig ist eine Internetauktion, auf welcher Eva eine alte Langbein-Puppe ersteigert hat.

Die Autorin Kati Naumann beschreibt vor absolut geschichtsträchtigem Hintergrund das Umfeld rund um die Weltspielwarenregion im thüringischen Sonneberg. Über vier Generationen begleitet der Leser Mitglieder der Familie Langbein und erfährt dabei viel über die Zeit der Weimarer Republik, die Puppenherstellung, die Produktionsbedingungen während den Weltkriegen und die Veränderungen durch die Gründung der DDR bis hin zum Mauerfall. Die Rückblenden, erzählt aus den verschiedenen Sichtweisen der Familienmitglieder, lassen ahnen, wie es damals gewesen ist. Der Erzählstrang wechselt immer wieder in die Gegenwart zurück und verhilft dem Leser, die verschiedenen Wahrnehmungen und Erinnerungen der Urenkel richtig einzuordnen.

Die Autorin verknüpft die während der beschriebenen Aufräumaktion gefundenen, speziellen Gegenstände mit einem Rückblick und einer Erinnerung. Das hält den Spannungsbogen bis zum Schluss und macht den Einblick in ein Stück deutsche Familien- und Firmengeschichte lehrreich und interessant.

Fazit

Die Geschichte der Puppenfabrikantenfamilie Langbein ist eine interessante Rückblende zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts und zeigt einen wichtigen Bereich der neuzeitlichen Geschichte. Der Leser erfährt Faszinierendes über die Puppenherstellung, die gesellschaftlichen Umgangsformen und wird an die großen politischen Veränderungen erinnert. Ein interessanter und abwechslungsreicher, historisch geprägter Familienroman.

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