Wo wir Kinder waren

Erschienen: Januar 2021

Bibliographische Angaben

- HC, 416 Seiten

Couch-Wertung:

78

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

2 x 91-100
0 x 81-90
2 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
0 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:86.75
V:4
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":0,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":1,"76":0,"77":0,"78":0,"79":1,"80":0,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":1,"96":0,"97":0,"98":1,"99":0,"100":0}
Monika Wenger
Die Langbein-Familiensaga

Buch-Rezension von Monika Wenger Mär 2021

Eva, Iris und Jan sind die Urenkel des Puppenherstellers Albert Langbein. Doch die ehemalige Puppenfabrik musste ihre Tore schließen und Konkurs anmelden. Übrig geblieben ist nur das alte Stammhaus der Familie im thüringischen Sonneberg. Dieses soll endlich geräumt und anschließend vermietet werden. Während der Räumungsaktion wandern die Gedanken der drei Nachfahren zurück in die Vergangenheit, und sie lassen ihre Kindheit Revue passieren ...

Gründung

Seit der Firmengründung definiert sich die Familie Langbein über die Puppenfabrik. «Die Fabrik ist das Herz», so der Wahlspruch der Familie. Bereits damals wurde die ganze Familie miteinbezogen in die Puppenherstellung. Nach dem Aufstieg folgte eine Zeit des Wohlstands und des Fortschritts. Später dann überstanden sie zwei Weltkriege, die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik und den Mauerbau. Während all dieser Zeit kämpfte die Familie Langbein für den Fortbestand der Fabrik. Diese gewährleistete nicht nur ihnen ein Auskommen, sondern bot Arbeitsplätze für die ganze Region um Sonneberg. Doch mit den politischen Veränderungen veränderte sich auch das wirtschaftliche Umfeld. Ständige Anpassungen an das Sortiment, die Herstellung und den Vertrieb waren die Folge. Die unumgängliche Verstaatlichung erschwerte die Führung des Betriebes erst recht. Unter Aufbietung aller Kräfte und mit Unterstützung der Familie gelang es, den Betrieb fortzuführen. Alles nützte nichts - der Mauerfall und die daraus resultierenden Umwälzungen brachen schlussendlich der Firma das Genick. Die Rückführung an die Familie endete mit dem Konkurs.

Die Nachfahren

Die Nachfahren, das sind Eva, Iris und Jan, sowie der Nürnberger-Zweig der Familie. Die Nürnberger vertreten eine ganz andere Sichtweise auf die Hinterlassenschaft und möchten so wenig wie möglich mit allem zu tun haben. Sie haben wenig Berührungspunkte mit dem thüringischen Teil der Familie. Doch die drei Urenkel, Eva, Iris und Jan, haben eine tiefe Bindung zum Dorf Sonneberg, zur Fabrik, zum Stammhaus und damit zur Vergangenheit. Während Cousin und Cousinen entsorgen, reinigen und ausbessern, wird wie in alten Zeiten gestänkert, gemotzt - aber zum Glück auch endlich Differenzen bereinigt.

Noch während der Räumung des Stammhauses kristallisiert sich eine Idee für die Zukunft. Daran nicht ganz unschuldig ist eine Internetauktion, auf welcher Eva eine alte Langbein-Puppe ersteigert hat.

Die Autorin Kati Naumann beschreibt vor absolut geschichtsträchtigem Hintergrund das Umfeld rund um die Weltspielwarenregion im thüringischen Sonneberg. Über vier Generationen begleitet der Leser Mitglieder der Familie Langbein und erfährt dabei viel über die Zeit der Weimarer Republik, die Puppenherstellung, die Produktionsbedingungen während den Weltkriegen und die Veränderungen durch die Gründung der DDR bis hin zum Mauerfall. Die Rückblenden, erzählt aus den verschiedenen Sichtweisen der Familienmitglieder, lassen ahnen, wie es damals gewesen ist. Der Erzählstrang wechselt immer wieder in die Gegenwart zurück und verhilft dem Leser, die verschiedenen Wahrnehmungen und Erinnerungen der Urenkel richtig einzuordnen.

Die Autorin verknüpft die während der beschriebenen Aufräumaktion gefundenen, speziellen Gegenstände mit einem Rückblick und einer Erinnerung. Das hält den Spannungsbogen bis zum Schluss und macht den Einblick in ein Stück deutsche Familien- und Firmengeschichte lehrreich und interessant.

Fazit

Die Geschichte der Puppenfabrikantenfamilie Langbein ist eine interessante Rückblende zu den Anfängen des 20. Jahrhunderts und zeigt einen wichtigen Bereich der neuzeitlichen Geschichte. Der Leser erfährt Faszinierendes über die Puppenherstellung, die gesellschaftlichen Umgangsformen und wird an die großen politischen Veränderungen erinnert. Ein interessanter und abwechslungsreicher, historisch geprägter Familienroman.

Wo wir Kinder waren

Wo wir Kinder waren

Deine Meinung zu »Wo wir Kinder waren«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
25.04.2021 12:06:36
Petra Sch.

Eine fesselnde Familiengeschichte zur Zeit der Spielzeugmanufakturen

4,5 Sterne

Kurz zum Inhalt:
Spielzeugstadt Sonneberg. Eva, Jan und Iris haben die ehemalige Fabrik des Spielzeugfabrikanten Albert Langbein geerbt. Die Manufaktur hat beide Kriege überlebt und sogar die Verstaatlichung nach der Gründung der DDR. Doch nach der Wiedervereinigung ging das Unternehmen pleite und somit ist nun eigentlich nichts mehr da, das vererbt werden könnte, jedoch eine große, zerstrittene Erbengemeinschaft.
Als Jan beginnt, das Stammhaus zu räumen, hilft ihm seine Cousine Eva. Und auch die andere Cousine Iris kommt aus dem Westen, um zu helfen.
Beim Ausräumen entdecken sie viele Erinnerungsstücke, Erinnerungen an die Vergangenheit kommen hoch, und die drei kommen sich nach und nach wieder näher.

Meine Meinung:
Der Schreibstil von Kati Naumann ist ruhig aber beeindruckend; die Schicksale der Familie, die sich aufgeteilt und zerstritten hat, ist mitreißend.
Die Geschichte erzählt abwechselnd über die Puppenmanufaktur Langbein in den Jahren 1910 bis 1978 und in der Gegenwart, als Eva, Iris und Jan das Stammhaus ausräumen.
In der Vergangenheit erfährt man alles über die Familie, die Schicksale der Personen und natürlich der Puppenmanufaktur. Interessant und lehrreich fand ich, dass man als Leser spannende Einblicke in die damalige Spielzeugherstellung bekommt.
Und natürlich die Geschichte Deutschlands, die großen Einfluss auf die Entwicklung der Fabrik hat. Man ist so erschüttert, als Otto Langbein alles tut, um die Fabrik in Familienbesitz halten zu können, als alles verstaatlicht wurde, nur damit sie nach der Wiedervereinigung dennoch pleite geht.
In der Gegenwart fiebert man mit Iris, Eva und Jan mit, ob sie die Vorlage einer berühmten Puppe, die nach ihrer Großmutter gefertigt wurde, finden und ob si die Streitereien der Erbengemeinschaft beilegen können. Wie es dazu kam, dass Iris im Westen aufwuchs, war auch sehr aufwühlend zu verfolgen.
Auch das Ende und wie sich alles auflöst, hat mir gefallen und mich berührt.

Charmant fand ich den New Yorker Sicherheitsfüllfederhalter, der sich als roter Faden durch die Vergangenheit zieht, und der für die männlichen Langbeins von großer emotionaler Bedeutung war.
Sehr hilfreich ist der Stammbaum der Familie Langbein im Buchdeckel.
Schön fand ich, dass das Hotel Waldeshöh' aus Kati Naumanns vorigem Roman "Was uns erinnern lässt" auch in einer Szene vorkommt. Das ließ mich wieder an ihr anderes bezauberndes Buch erinnern, das ich auch sehr empfehlen kann.

Fazit:
Mitreißende, gefühlvolle und berührende Familiengeschichte und Erinnerungen an ein fast vergessenes Handwerk.

11.03.2021 13:13:10
Orange

Da mein Opa aus der Nähe von Sonneberg stammt und ich dadurch viele Kindheitserinnerungen an Sonneberg, aber auch an mein Sonni- und Plüti-Spielzeug habe, war dieses Buch quasi Pflichtlektüre für mich.
Eva, Jan und Iris sind Mitte fünfzig und Teil einer zerstrittenen Erbengemeinschaft der ehemals prächtigen Spielzeugfabrik Langbein in Sonneberg. Beim Ausräumen des Wohnhauses schwelgen sie in Erinnerungen, stoßen in jedem Raum auf Dinge ihrer Kindheit und Teile der Vergangenheit der Spielzeugfabrik Langbein.
Da Kati Naumann ihren Roman auf zwei Erzählebenen angelegt hat, verfolgt der Leser sowohl die wechselvolle Geschichte der Spielzeugfabrik als auch die der Familie Langbein. Perfekt verwebt sie dabei die familiäre Entwicklung mit der Geschichte der Spielzeugindustrie, bindet historische und gesellschaftliche Aspekte scheinbar spielend ein. Sie beschreibt, wie mühsam es zunächst war Puppen in Handarbeit herzustellen. Hier musste die ganze Familie mit ran, auch die kleinsten Kinder, Schule was hintenangestellt. Später dann die Umstellung auf Maschinen, Änderungen bei den Kundenwünsche, Materialknappheit und Verstaatlichung in der DDR. Aber sie erzählt auch vom Zusammenhalt in der Familie Langbein, von Höhen und Tiefen, Schicksalsschlägen und Liebe. Und immer wieder die Sätze „die Fabrik ist das Herz“ und „Lieber die Zuckerdose als das Leben“. Zusammen mit Eva, Jan und Iris taucht der Leser hier ganz tief in die Geschichte ein und blättert Seite um Seite um. Mir hat dieser fesselnde Familienroman außerordentlich gut gefallen. Er hat mir ganz nebenbei auch viel Wissenswertes über die Spielzeugherstellung und die Tradition, die diese in Sonneberg hat, vermittelt.
Dabei ist der Schreibstil sehr bildhaft und lebendig, so dass ich die ganze Geschichte sehr real miterleben konnte. Die Charaktere sind aus meiner Sicht authentisch beschrieben und detailliert ausgearbeitet, so dass man sich mit ihnen identifizieren kann. Gerade Flora Langbein habe ich ins Herz geschlossen.
Sehr gern vergebe ich daher fünf Sterne und eine Kauf- und Leseempfehlung.

08.03.2021 00:32:11
TochterAlice

Die Familie Langbein ist als Spielzeughersteller tätig - wie so viele Bewohner der Stadt Sonneberg im schönen Thüringen. Nachdem der Familienbetrieb immer erfolgreicher wird, wagt das Ehepaar Alfred und Miene Langbein den Schritt zur Gründung einer eigenen Firma. Einer Firma, die sie vor dem Ersten Weltkrieg so richtig reich macht, dann jedoch, der Weltschichte geschuldet, wieder abstürzen lässt.

Es folgt die unruhige Zeit der Weimarer Republik, doch mit Unterstützung der Kinder gelingt es, die Firma zu halten, selbst im Nachkriegdeutschland, also in der DDR, sind Sohn Otto und dessen Frau Flora zunächst die Chefs.

Erzählt wird auf zwei Ebenen - aus der Perspektive von Eva, der Urenkelin der Firmengründer erfolgt die Schilderung der Gegenwart, in der sie sich zusammen mit Cousin und Cousine des Familienerbes annimmt.

Der Leser erkennt, dass diese kleine persönliche Welt alles für die Familie. Es ist ihr ureigenes kleines Imperium, mit dem sie aufsteigen und sinken, sich aber nicht unterkriegen lassen!

Ja, die Autorin Kati Naumann hat erneut eine Familiengeschichte der besonderen Art erschaffen; eine, die mich zutiefst berührt und gleichzeitig bestens unterhalten hat - und zwar auf hohem Nivau. Zudem taucht die Autorin so richtig tief in die Geschichte der thüringischen Kleinstadt Sonneberg ein, die eng mit der Entwicklung der deutschen Spielzeugindustrie verknüpft ist. Zudem nimmt Sonneberg eine besondere Stellung in der deutschen Nachkriegsgeschichte ein, da es durch seine unmittelbare Lage an der deutsch-deutschen Grenze im Sperrgebiet lag. Diese Umstände hat die Autorin einfühlsam in ihren Roman eingebaut und damit ein Gesamtwerk, nein: ein Gesamtkunstwerk geschaffen, das runder nicht sein kann. Wer einen richtig, richtig schönen und stimmigen historischen Roman zur neuesten deutschen Geschichte lesen möchte, der ist hier ganz und gar an der richtigen Adresse!

04.03.2021 10:19:35
Isabel (engi)

Nach dem Genuss der Leseprobe bereitete ich mich hier eigentlich auf eine Geschichte auf zwei Ebenen vor, bei der die erste die unmittelbare Gegenwart behandelte und die zweite die lang zurückliegende Vergangenheit. Wie angenehm überrascht war ich doch als ich erkannte, dass die sich die beiden Ebenen auf ganz einfühlsame Weise einander annähern. In der Gegenwart lernen wir Eva, Iris und Jan kennen, die sich nach dem Tod der Großeltern im urgroßväterlichen Haus einfinden um „tabula rasa“ zu machen. Doch so einfach ist das nicht und sie merken bald, wie sie an ihrem Erbe und den Schätzen der Großeltern hängen. Pläne beginnen in ihrem Kopf zu formen und schnell sind sie mittendrin, im Strudel der Vergangenheit. In jedem zweiten Kapitel begeben wir uns zurück zu den Anfängen der Spielzeugfabrik Langbein in Sonnenberg, die der Großvater um die Jahrhundertwende des aufstrebenden 19. Jahrhunderts mit viel Herzblut aufgebaut hat. Für ewig sollte sie im Besitz der Familie bleiben und stets von der nächsten Generation geleitet werden. Doch der Krieg und vor allem die Wende machen ihnen schließlich einen fetten Strich durch die Rechnung …

Die Autorin Kati Naumann, mit der ich schon durch das Buch „Was uns erinnern lässt“ Bekanntschaft geschlossen hatte, weiß wovon sie mit ihrem Roman spricht. Ihre eigenen Großeltern lebten im thüringischen Sonneberg an der innerdeutschen Grenze, im Sperrgebiet. Dort betrieben sie eine traditionsreiche Puppenfabrik. Kati schaffte es auch mit dieser Story mich zu begeistern. Selbst im Westen aufgewachsen hatte ich doch wenig Berührungspunkte mit der damaligen DDR und ihren rigorosen Methoden, den Menschen auch das letzte bisschen Eigentum zu nehmen. Besonders hart getroffen hatten es die Bewohner des sogenannten Sperrgebiets, das seit 1954 bestand. Die ca. 200.000 dort lebenden Menschen standen unter ständiger Überwachung und ohne Sonderausweise ging kein Weg hinaus oder hinein. Die Autorin nahm mich mit auf eine Reise in unsere deutsch-deutsche Vergangenheit, die interessanter kaum hätte sein können. Gerne vergebe ich auch für das für mich zweite Buch aus der Feder Kati Naumanns wohlverdiente fünf Sterne und spreche gerne eine überzeugte Lesempfehlung aus.

24.02.2021 14:52:16
leseratte1310

Schon seit der Kaiserzeit gibt es die Spielzeugfabrik der Familie Langbein in Sonneberg. Sie hat die politischen Wirren und die Kriege überstanden, doch die Wiedervereinigung bringt das Ende. In der Familie Langbein gibt es Verbitterung und Streitigkeiten. Das Werk muss leergeräumt werden und Eva, Iris und Jan, die Cousins sind, machen sich ans Werk. Dabei kommen Erinnerungen hoch und sie kommen sich wieder näher. Dann taucht bei einer Internetauktion eine Langbein-Puppe auf, die noch der Großvater bemalt hat. Sie Cousins fassen ein Plan, sie wollen die Tradition ihrer Familie wieder aufleben lassen.
Bereits das Buch „Was uns erinnern lässt“ der Autorin Kati Naumann hat mir gut gefallen und daher wollte ich auch dieses Buch unbedingt lesen. Sie führt uns mit diesem Roman zurück in die Vergangenheit und die deutsch-deutsche Geschichte. Die Firma Langbein hatte oft mit Schwierigkeiten in dieser wechselhaften zeit zu kämpfen. Aber ihnen war immer wichtig, den Betrieb zu erhalten und ihren Arbeitern ein Auskommen zu sichern. Doch als die Mauer fiel, kommt auch das Ende. Die im Westen und die im Osten hatten sich auseinandergelebt und man fand keinen Weg mehr zueinander. Auch die Mauer in den Köpfen wollte nicht so schnell fallen. Eva und ihr Cousin Jan sind in Sonneberg aufgewachsen und Iris kommt aus dem Westen. Sie müssen sich erst zusammenraufen, doch dann erkennen sie, was die Familie geleistet hat und dass es wichtig ist, sich zu vergeben.
Das Buch lässt sich gut und flüssig lesen. Die Charaktere sind lebendig und stimmig dargestellt. Auch die Gegend am Rennsteig im Thüringer Wald ist sehr atmosphärisch beschrieben.
Ein schöner und berührender Roman.

18.02.2021 16:05:23
Internetmaus

Vielleicht bin ich der Kopf, und ihr seid die Hände, aber die Fabrik ist das Herz, das uns alle am Leben erhält.
Das ist der Leitspruch von Albert Langbein, dem Gründer der gleichnamigen Sonneberger Puppenfabrik. Mit der Figurengruppe der thüringisch-fränkischen Kirmes, an der viele Sonneberger Fabrikanten, auch Albert, beteiligt waren, wurde die Spielzeugstadt bekannt. Diese Schaugruppe lebensecht wirkender Figuren, war auf der Weltausstellung 1910 in Brüssel, zu sehen.
Kati Neumann hat die Familiengeschichte auf zwei Zeitebenen angesiedelt. Sie entstand in Anlehnung an die Vergangenheit ihrer Vorfahren. Diese hatten bereits 1879 die Puppenfabrik Peter Scherf in Sonneberg gegründet. Der flüssige Schreibstil der Autorin, mit einfachen, kurzen Sätzen macht das Lesen leicht. Leider fehlt dadurch auch die Tiefe und viele Dinge, vor allem in der Gegenwart, sind recht oberflächlich geblieben. So bin ich von dem Buch hin und her gerissen und ich muss sagen, leider enttäuscht.

Beginnend mit einer Internetauktion, in der eine Langbein Puppe versteigert wird, tauchen wir in die Geschichte ein. Diese kaum noch zu findende sehr alte Puppe ist jetzt in Amerika. Zwei, der anscheinend letzten Nachfahren überbieten sich bei dieser Auktion, ohne es voneinander zu wissen. Sie hatten sich aus den Augen verloren. Nun nehmen sie Kontakt auf und kommen in der alten Fabrik wieder zusammen, die, wie so viele Betriebe jeder Größe und Branche, Opfer der Wiedervereinigung wurden. Eva, ihr Cousin Jan und ihre Cousine Iris, sind die Hauptprotagonisten. Sie wollen gemeinsam die alte Fabrik und die Wohnung leer räumen. So kommt es, dass sie immer tiefer in die Vergangenheit ihrer Eltern, Großeltern und den Urgroßeltern, die die Spielzeugfabrik gründeten, eintauchen.

Sehr akribisch erzählt die Autorin von der Arbeit der Menschen in Sonneberg zur Kaiserzeit. Diese führt die ganze Familie am Küchentisch zusammen. Jede, noch so kleine Hand, muss mit helfen. Albert Langbein kommt zu dem Entschluss sein Haus um einen Anbau zu erweitern und eine Fabrik zu gründen. Gut dargestellt ist, wie die Puppenherstellung einem ständigen Wandel unterliegt. Die Familiengeschichte von 3 Generationen, 2 Kriege, fast alles ist sehr gut recherchiert und hat mir gefallen. Mit der deutschen Einheit geht diese Ära zu Ende. Das Billiglohnland DDR gibt es nicht mehr.

Das Haus mit Fabrik soll geräumt und dann vermietet werden. Dieser Erzählstrang gefiel mir nicht und ist sehr oberflächlich. Die Handlungen von Cousin und Cousinen sind oft nicht nachvollziehbar. Es sind erwachsene Personen, die ihre Lebensmitte überschritten haben, was ich auf Grund ihrer Handlungen kaum glauben kann. Sie haben keinen greifbaren Charakter, streiten sich, warum auch immer und über ihren persönlichen Hintergrund erfahren wir nichts. Das finde ich sehr schade. Meine Erwartungen lagen höher, zumal ich die Zeiten von Verstaatlichung über die Hoffnungen durch die Wende und dann den Ausverkauf der DDR sehr bewusst erlebt habe.

08.02.2021 13:34:11
MarySophie

Handlung
Langbein-Puppen stehen für Qualität, Einzigartigkeit und Handarbeit: Die Spielzeugfabrik Langbein wurde in der Kaiserzeit gegründet, konnte in der Weimarer Republik große Erfolge erzielen, selbst die Weltkriege konnten ihr nichts anhaben und auch die deutsche Teilung und die folgende Verstaatlichung hat die Firma ausgehalten. Nur nach der Wiedervereinigung konnte nicht an alte Erfolge angeknüpft werden und mittlerweile ist sie nicht mehr existent. Und auch die Familie wurde auseinandergetrieben, Streitereien und Verbitterung beschränken den Kontakt auf das Nötigste.
Zufällig treffen sich Eva, Iris und Jan, drei der Erben der ehemals prächtigen und bekannten Spielzeugfabrik, wieder, nachdem im Internet eine der seltenen Langbein-Puppen versteigert wurde. Die Puppe wurde noch vom Großvater persönlich bemalt und lässt die Drei an die Vergangenheit denken. Dabei kommen zahlreiche Fragen auf und langsam keimt die Hoffnung nach einem Neubeginn...

Meinung
Ich mag das Cover sehr gern, es wirkt nostalgisch und idyllisch, stellt eine wunderschöne Stadtansicht dar, die einfach nur bezaubernd ist. Die obere Hälfte wird vom Himmel, sowie dem Titel und dem Namen der Autorin in Anspruch genommen, dazu sieht man im Hintergrund noch ein wenig Landschaft. In der unteren Hälfte wurde eine alltägliche Szene dargestellt, man sieht Autos und Menschen, die unterwegs sind und dazu noch niedliche Häuser. Alles in allem ein sehr gelungenes und stimmiges Bild, welches mir gefällt und ich denke, es wird auch in einer Buchhandlung auffallen.

Erstmals entdeckt habe ich den Roman bei Vorablesen. Auf den ersten Blick fand ich das Cover zwar schön, aber ich muss ehrlich zugeben, dass ich vom Inhalt noch nicht komplett überzeugt war. Das kam erst, nachdem eine Person in meinem Umfeld gemeint hat, dass das Buch interessant klingt. Ab diesem Moment habe ich gesehen, was sie meint und mich hat es nicht mehr losgelassen, mein Wunsch, es zu lesen wurde immer größer. Deshalb habe ich kurzerhand bei Vorablesen Punkte dafür eingesetzt, um die Geschichte sicher lesen zu können. Ich hatte das starke Gefühl, wenn ich es nicht tue, werde ich etwas verpassen. Ein herzliches Dankeschön also an Vorablesen, sowie den Verlag für das Rezensionsexemplar!

Es liegt eine wunderschöne und zum Inhalt passende Gestaltung der Umschlaginnenseiten vor. Diese wurden jeweils mit dem Stammbaum der Familie Langbein ausgestattet, sodass man direkt auf einen Blick sehen kann, wie die Personen miteinander verwandt sind, wann sie geboren und gestorben sind und teilweise auch, welche Ehepartner sie gewählt haben. Auf einen Blick hat man außerdem die wichtigsten Personen versammelt und im Grunde stellt dieser Stammbaum nicht nur die verwandtschaftlichen Beziehungen dar, sondern dient auch gleichzeitig als Personenverzeichnis. Den die abgedruckten Namen stellen die Hauptprotagonisten dar, es gibt nur wenige weitere Personen, die auftauchen. Der Fokus liegt stets auf der Familie Langbein und man verfolgt im Roman der Werdegang verschiedener Generationen und Personen.

Ich empfand den Start in den Roman sehr angenehm, allerdings war mir dieser ja noch aus der Leseprobe bekannt und ich konnte mich noch grob daran erinnern, was auf diesen Seiten beschrieben wurde. Daher war ich sofort in der Handlung drin und habe mich ohne Probleme zurechtgefunden. Viele Orte, aber auch die Personen konnte ich mir nach guter Zeit ganz gut vorstellen, vor allem von den Schauplätzen der Handlung hatte ich häufig Bilder vor Augen.
Ich empfand die Sprache weder als zu einfach, noch als zu anspruchsvoll. Anhand zahlreicher Beschreibungen von der Herstellung von Spielwaren, allen voran von Puppen erhält die Schreibweise der Autorin einen besonderen Charakter und sie stellt diese Prozesse nicht nur haargenau dar, sondern zeigt auch, dass sie sich hervorragend in dieser Thematik auskennt. Über jede der Epochen wurden Details eingebunden, die im Kopf hängen bleiben und die jeweilige Zeit genau darstellen. Diese historischen Punkte tauchten zahlreich auf und geben einen sehr guten Eindruck von den Handlungszeiten, lassen die Geschichte rund wirken und sind sehr genau beschrieben. Dieser Aspekt ist wirklich mein großes Highlight des Buches und zeugt von einer akribischen und umfassenden Recherche.
Zudem ließ sich die Geschichte durchweg flüssig und gut lesen, sie hat immer wieder kleine Hinweise auf Geheimnisse gegeben, die im weiteren Verlauf der Geschichte gelöst werden. Auf diese Weise bleibt die Handlung spannend und der Leser wird dazu angeregt, immer wieder über die Handlung nachzudenken und sich auszumalen, was im weiteren Verlauf noch folgen könnte.

Anhand des Klappentextes hatte ich es mir bereits gedacht: die Handlung findet auf mehreren zeitlichen Ebenen statt. Man begleitet Eva, Iris und Jan in der heutigen Zeit, erfährt von ihren Kindheitserinnerungen und den Erlebnisse, die im Zusammenhang mit der Puppenfabrik stehen, als auch von ihrem Lebensweg. Dazu gibt es noch allerhand Kapitel, die vergangene Zeiten erläutern, wobei diese 1912 starten und sich langsam bis ins Jahr 1978 erstrecken. Man erlebt auf diese Weise zwei Weltkriege mit, die Teilung Deutschlands, sowie die Verstaatlichung der Betriebe. Anhand von lebendigen und authentischen Beschreibungen der Situation, sowie Handlungen der Protagonisten entsteht ein umfassender Einblick in die Zeit und in geschichtliche Ereignisse. Letztendlich folgt man vielen Personen durch die Geschichte, erlebt verschiedene Perspektiven und kann sich daher ein umfangreiches Bild der Figuren, aber auch der geschichtlichen Abschnitte machen.
Ich muss sagen, dass ich die unterschiedlichen Erzählperspektiven gern mochte, es entsteht immer Abwechslung und man konnte beobachten, mit was für Themen sich die Generationen auseinandergesetzt haben und was ihnen auf dem Herzen lag. Dadurch kann man einen Hauch des Zeitgeistes erahnen und die Geschichte der fiktiven Firma Langbein sehr genau verfolgen.
Hier muss ich allerdings sagen, dass mir vor allem die Zeit vor 1960 sehr gefallen hat und ich diese mit großem Interesse verfolgt habe. Nach dem Mauerbau gestaltete sich die Handlung zwar immer noch spannend und informativ, konnte mich aber nicht mehr so fesseln und packen wie zuvor. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Zeit nach 1960 zwar historisch wichtig finde, sie mich aber persönlich nicht so reizt und sie mir vielleicht zu nah an der heutigen Zeit ist. Ich kann es selbst nicht genau benennen, aber ab diesem Zeitpunkt hatte ich nicht mehr so ganz das Verlangen, ganz schnell und flüssig weiterzulesen.

Oft wurden Zeitsprünge eingesetzt, die ein paar Wochen oder Monate, teils gar Jahre übersprungen und die Geschichte setzt einiges später erst wieder ein. Ich fand dieses Stilmittel sehr passend und sinnvoll, so gestaltet sich die Handlung als bündig und nie zu langatmig, für meinen Geschmack konnten dadurch keine Längen entstehen und es gibt außerdem nicht zu viel Drumherum. Man konnte trotzdem bestens nachvollziehen, wie die Personen gelebt haben, wie sich die Politik entwickelt hat, aber auch die Puppenfabrik und die Herstellung verschiedener Objekte wurde immer wieder angesprochen.

Ich hatte ja bereits kurz erwähnt, dass die Spannung durchweg auf einem guten Niveau war. Sie war nicht immer zu spüren, oft gab es schlichte Beschreibungen von alltäglichen Abläufen und Verrichtungen, die Einblicke in verschiedene Lebensweisen geben. Aber anhand von Andeutungen und Geheimnissen, die immer wieder auftauchen und nach und nach aufgedeckt werden, erhält die Geschichte ein angenehmes und sehr passendes Maß an Spannung. Letztendlich werden viele offene Fragen beantwortet, was zu einem runden und stimmigen Ende führt.

Als Setting dient durchweg Sonneberg und die Umgebung. Hier lernt man die Stadt auf verschiedene Weisen kennen und kann mitverfolgen, wie sie sich über die Jahre entwickelt. Es gibt außerdem zahlreiche Hinweise auf die Umgebung, auf Wälder und kleine Berge. Dies vermischt mit den Beschreibungen der Stadt ergibt letztendlich ein rundes Bild der Gegend.
Am besten vorstellen konnte ich mir durchweg das Stammhaus der Familie Langbein. Nicht nur von der Fassade und dem Garten, den angrenzenden Gebäuden hatte ich zahlreiche Bilder vor Augen, sondern auch von den einzelnen Räumen des Hauses. Zudem herrschte hier eine besondere Stimmung vor, die einerseits altmodisch war, aber auch irgendwie gemütlich und urig. Sehr ansprechend und das hat viel zum Charme des Hauses und den Szenen, die dort stattgefunden haben, beigetragen!

Vor allem Personen der Familie Langbein tauchen im Buch auf, man merkt deutlich, dass sie im Mittelpunkt stehen. Nur wenig außenstehende Figuren nehmen noch eine Rolle ein, die jedoch recht klein und nur selten für die weitere Handlung bedeutend ist. Viele der Protagonisten mochte ich gern, sie haben besondere und aussagekräftige Wesen erhalten und zeichnen sich in ihrem Auftreten, ihren Handlungen und Aussagen aus. Besonders hat es mir gefallen, dass durchweg Entwicklungen vorhanden sind und die Personen mit kleinen Spleens ausgestattet wurden, die immer wieder auftauchen. Dadurch kommen sie sehr lebendig und realitätsnah daher, bei einigen konnte ich mir gut vorstellen, dass sie tatsächlich gelebt haben.

Fazit
Nachdem ich das Buch nicht mehr aus dem Kopf bekommen hatte, war ich natürlich sehr gespannt darauf und die Leseprobe hatte ihr Übriges getan, dass ich letztendlich mit vielen Hoffnungen und Erwartungen in die Geschichte gestartet bin. Und ganz lange Zeit wurden diese auch vollkommen erfüllt und ich bin flüssig und mit viel Interesse durch die Handlung gekommen, mochte die Darstellungen der verschiedenen Zeiten und die einzigartigen Charaktere. Das Setting war traumhaft und die Schreibweise hat ihr Übriges getan, um mich so angenehm durch die Geschichte zu geleiten.
Ein wenig nachgelassen hat für mich die Spannung, aber auch mein Interesse, je mehr die DDR Zeit fortgeschritten ist. Diese Zeit kann mich in Büchern einfach nicht begeistern und ab hier waren die anderen Aspekte (Schreibweise, historische Details, … ) immer noch sehr angenehm, aber ich wurde von der Handlung nicht mehr ganz gefangen genommen. Sehr schade, ansonsten hätte sich der Roman wirklich zu einem wahren Highlight entwickeln können!
Trotzdem möchte ich eine dicke Empfehlung aussprechen. Allein für die unglaubliche Recherche der Autorin lohnt es sich, in die Story einzutauchen und mehr über die Herstellung von Puppen, aber auch über die Familie Langbein zu erfahren!

30.01.2021 19:54:18
annakatharina

Deutsche Geschichte, Familienstreit und Einblicke in die Spielzeugindustrie

In ihrem Roman „Wo wir Kinder waren“ schreibt Kati Naumann über die Geschichte der Familie Langbein beginnend mit dem Jahr 1910 bis zur deutschen Teilung und Wiedervereinigung. Im Zentrum der Geschichte stehen die Ereignisse rund um die familiengeführte Puppenfabrik und die Streitigkeiten und Zerwürfnisse innerhalb der Familie. Zur leichteren Zuordnung der einzelnen Familienmitglieder ist ein Stammbaum im Buch abgebildet.
Die Autorin wechselt kapitelweise zwischen Gegenwart und Vergangenheit. In der Gegenwart räumen die drei Erben der Puppenfabrik im Rahmen einer Haushaltsauflösung das alte Familienhaus Raum für Raum aus. Dabei stoßen sie immer wieder auf Gegenstände, mit denen sie selbst Erinnerungen verbinden oder die für andere Familienmitglieder bedeutsam waren. In den anschließenden Rückblenden erfährt der Leser oder die Leserin dann die Hintergründe. Nach und nach werden auch die Ursachen für das Verhalten einzelner Familienmitglieder aufgedeckt, die zu Konflikten und Zerwürfnissen geführt haben.
Bei der Recherche hat die Autorin einigen Aufwand betrieben und fügt die individuelle Geschichte der Familie gekonnt in den Kontext rund um die deutsche Geschichte ein. Nebenbei gibt sie Einblicke in die Spielzeugindustrie.
Das Buch war interessant und berührend und hat mir sehr gut gefallen. Auch die Stimmungen in den unterschiedlichen Zeiten und die schmerzlichen und existenzbedrohenden Auswirkungen für die Familie während der Kriege und der deutschen Teilung werden sehr gut herausgearbeitet.

26.01.2021 11:45:22
Kerstin1975

Buchinhalt:

1898 gründete Albert Langbein im thüringischen Sonneberg seine Puppenfabrik – und legt damit den Grundstein für eine vier Generationen umfassende Dynastie der Spielzeugproduktion, die zwei Weltkriege, deutsche Teilung, Brände und Verstaatlichung übersteht. Vier Generationen Langbeins hauchen dem Unternehmen Leben und Seele ein und die Fabrik ist Dreh- und Angelpunkt des Familienlebens.

120 Jahre später ist vom Familienzusammenhalt nichts mehr zu spüren. Streit und Missgunst unter der Erbengemeinschaft vergiften zunehmend die schönen Erinnerungen, die sich die drei Urenkel des Firmengründers, Jan, Iris und Eva, bewahrt haben. Erst, als eine Langbein-Puppe im Internet auftaucht, kehrt die Vergangenheit in Form von Kindheitserinnerungen zurück und mit ihr die längst verloren geglaubte Familientradition....

Persönlicher Eindruck:

„Wo wir Kinder waren“ nimmt den Leser mit in eine facettenreiche, authentische und liebevoll erzählte Familiengeschichte, die sich über vier Generationen erstreckt. Es ist ein Roman, der sich an die Familiengeschichte der Autorin anlehnt und in kapitelweisem Wechsel Vergangenheit und Gegenwart zu einem tiefgründigen, stimmigen Ganzen verwebt. Dabei ist der Stil bildhaft und heimelig, man fühlt sich als Leser sofort zuhause und zugehörig am Langbein‘schen Küchentisch.

Die Autorin vermag gekonnt die fiktionalen Elemente und die historischen Gegebenheiten miteinander zu verbinden und schafft dadurch eine ganz eigene Atmosphäre, der man sich beim Lesen nicht entziehen kann: sie schildert Familienleben, Alltag und die Arbeit in der Fabrik, auch kleinere Anekdoten der jeweiligen Epoche und ruft dem Leser dabei die Erzählungen der eigenen Eltern oder Großeltern in Erinnerung.

Es ist dabei gerade die Beschreibung des täglichen Lebens in den einzelnen Generationen, die mir besonders gefallen hat, seien es nun Kaiserreich, Weimarer Republik, 2. Weltkrieg oder die DDR. Die Figuren haben Tiefgang und sind absolut glaubwürdig, gerade weil sie das Leben unzähliger Menschen der damaligen Zeit so beispielhaft und authentisch beschreiben.

„Die Fabrik ist das Herz“ ist dabei ein Satz, den Mine Langbein bereits zu Beginn aufgreift und der sich über alle vier Langbein-Generationen spannt. Dem Leser wird dadurch plastisch vor Augen geführt, dass es sich beim Puppenmachen in dieser Familie um mehr als nur um einen Beruf handelt. Es ist eine Berufung, der alle Generationen treu bleiben. Auch Krieg und deutsche Teilung, Verstaatlichung und Enteignung ändern nichts daran: es ist auch eben der Familienzusammenhalt, der die Langbeins Höhen und Tiefen überstehen lässt.

Mit dem Gegenwartsteil spannt die Autorin gekonnt einen Bogen, der die offenen und noch losen Fäden der Vorväter gekonnt miteinander verbindet und schließlich auch den Grund für den jahrelangen Familienstreit, der irgendwann nach dem Krieg entstand, aufdeckt.

Ein Familienstammbaum, geschichtlicher Abriss über das Zeitalter der Spielzeugproduktion in Thüringen und ein Interview mit der Autorin in Bezug auf ihre persönliche Familiengeschichte runden dieses absolut empfehlenswerte Buch ab.

„Wo wir Kinder waren“ ist wahrlich nicht nur irgendein historischer Roman unter vielen – das Buch hat mich emotional sehr gefesselt und absolut begeistert. Eine ungetrübte Leseempfehlung – mein Buchhighlight 2021!

Film & Kino:
The Crown - Staffel 3

Die Queen in ihrer vordergründig repräsentativen Rolle ist eine zeitgeschichtliche Ikone, sodass der Erfolg der seit 2016 bei Netflix laufenden Serie „The Crown“ nicht verwundert. Die dritte Staffel markiert allerdings einen Umbruch: Die Royal Family ist in den 60er-Jahren angekommen und viele Rollen werden neu besetzt, da auch die Blaublüter nicht vor dem Altern gefeit sind. Titel-Motiv: © Des Willie / Netflix

zur Film-Kritik