Milena und die Briefe der Liebe

Erschienen: November 2020

Bibliographische Angaben

- TB, 468 Seiten

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Monika Wenger
Krise der Freigeister

Buch-Rezension von Monika Wenger Jan 2021

Prag, 1916: Milena Jesenská ist neunzehn Jahre alt und eine selbstbewusste und unternehmenslustige Person. Als Tochter eines Kieferchirurgen wächst sie in einer wohlhabenden Umgebung auf. Sie liebt es, mit ihren Freudinnen Zeit in den Kaffeehäusern zu verbringen und findet Gefallen an den dort verkehrenden Künstlern. Die Beziehung zum viel älteren Wiener Literaturkritiker Ernst Pollak verhilft ihr zur Bekanntschaft mit Franz Kafka - stürzt sie aber auch in eine tiefe Lebenskrise …

Der Schein trügt

Obwohl Milena studieren darf, ist ihr Vater ein Kind seiner Zeit. Auf seine Ehre bedacht, ist er in der Lage, seine Tochter sehr hart zu bestrafen, wenn es ihm nötig erscheint: «Die Ehre, da war sie wieder. Immer ging es um die Ehre in der Familie Jesensky.»

Der Besuch des Gymnasiums war nur mit Hilfe von Agneta, der Geliebten ihres Vaters, und deren Überredungskünsten möglich. Das Studium der Medizin bricht Milena dann aber ab und beginnt am Prager Konservatorium zu arbeiten. Traumatische Erlebnisse in der Kindheit haben in ihr Spuren hinterlassen und veranlassen sie immer wieder, ihre Grenzen auszuloten - so auch, als sie sich auf eine Beziehung mit dem wesentlich älteren Wiener Literaturkritiker Ernst Pollack einlässt. Als ihr Vater davon erfährt und feststellen muss, dass seine Tochter schwanger ist, lässt er eine Abtreibung durchführen und steckt die junge, rebellische Frau bis zu ihrer Volljährigkeit in eine psychiatrische Anstalt.

In Wien

Nach der Entlassung aus der Anstalt heiratet Milena Ernst Pollack und zieht mit ihm nach Wien. Die erhoffte Freiheit erweist sich jedoch als Trugschluss: «Ernst bezahlte seinen Anteil, verweigerte ihr aber sonst, kaum dass sie sich in Wien eingerichtet hatte, die finanzielle Hilfe, jeder sollte in allen Bereichen frei sein und für sich selbst sorgen, erinnerte er sie, als sie ihn um Unterstützung bat.»

Als Tschechisch-Lehrerin und Gepäckträgerin am Westbahnhof schlägt sie sich durch. Am Tiefpunkt angelangt, besinnt sie sich auf ihr Schreibtalent und verfasst kleinere Texte, welche sie an Prager Zeitungen schickt. Sie beginnt mit Franz Kafka einen Briefwechsel und erfährt durch ihn endlich Anteilnahme, Anerkennung und moralische Unterstützung. Kafka ist es auch, der sie im Schreiben bestärkt und sie ihre wahre Berufung als Journalistin finden lässt. Schon bald werden ihre Texte in namhaften Zeitungen in Prag veröffentlicht, und sie übersetzt später Kafkas Texte ins Tschechische. Mit den Einnahmen aus diesen Arbeiten verbessert sich nun endlich auch Milenas finanzielle Situation.

Eine Liebe ohne Zukunft

Milena Jesenská und Franz Kafka vertiefen nach und nach ihren Briefwechsel und teilen ihre Anschauungen und ihre Gefühle. Sie verlieben sich während des Schreibens und sind überzeugt, im jeweils anderen den passenden Lebenspartner gefunden zu haben. Doch diese Liebe ist zum Scheitern verurteilt. Milenas Erwartungen sind riesig und sie interpretiert viel in das geschriebene Wort Kafkas; Kafka selber erweist sich im echten Leben als Zauderer und Zögerer. Er schiebt die ersten Treffen lange vor sich hin und zieht sich von Milena zurück, als ihre Zukunftspläne konkreter werden. Für eine echte Beziehung ist er nicht gemacht, und so hat diese Liebe keinen Bestand: «War sie hier, war er dort, dachte Milena, war sie dort, war er fort.»

Die Autorin fokussiert sich vor allem auf das Leben von Milena Jesenská. Es ist ihr gelungen, die historische Atmosphäre der K.u.K.-Monarchie Österreich-Ungarn einzufangen. Die Kultur der Kaffeehäuser, die Welt der Literaten und das gesellschaftliche Leben in den Städten Prag und Wien sind bildhaft beschrieben.

Vor diesen geschichtlichen und gesellschaftlichen Hintergründen ist das Leben von Milena Jesenská zu verstehen. Aufgewachsen in einem wohlhabenden Elternhaus als Halbwaise mit einem strengen Vater, scheint ihr Freiheitsdrang und ihre Aufmüpfigkeit nicht verwunderlich. Ihr für damalige Verhältnisse modernes Gedankengut brachte sie aber in große Schwierigkeiten, und mit den Folgen hatte sie noch lange zu kämpfen.

Nach der Trennung von Ernst Pollack nimmt ihr Leben immer wieder neue Wendungen: Sie bleibt eine engagierte Person und stirbt im Alter von siebenundvierzig Jahren im KZ Ravensbrück nach einer Nierenoperation.

Fazit

Der Roman gibt einen Einblick in einen bestimmten Zeitabschnitt im Wirken von Milena Jesenská und erzählt von ihrer Liebe zu Franz Kafka. Anschaulich und bildhaft beschreibt die Autorin die Lebensumstände der Protagonistin sowie die gesellschaftlichen Gegebenheiten in diesem Zeitrahmen. Eine unterhaltsame Lektüre über einen ganz besonderen Moment im Leben der vielschichtigen Milena.

Milena und die Briefe der Liebe

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