Der von den Löwen träumte

Erschienen: November 2020

Bibliographische Angaben

- TB, 352 Seiten

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Carola Krauße-Reim
Ein Genuss für Hemingway-Fans

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Jan 2021

Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete Autor ist Professor für Kreatives Scheiben und Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim - was man seinem Buch anmerkt. Ausgiebige und fundamentierte Recherche, zu der sogar ein Aufenthalt in der Locanda in Torcello gehörte, führten zu diesem atmosphärisch dicht ausgestatteten und in einer ausgefeilten Sprache geschriebenen Roman, der sich ganz um Hemingway dreht.

„Papa“ in Venedig

Im Herbst 1948 besucht Ernest Hemingway zusammen mit seiner vierten Frau Mary Venedig. Durch seine Teilnahme auf Seiten Italiens am 1. Weltkrieg und seine Berichterstattung im 2. Weltkrieg ist er dort bekannt wie ein bunter Hund; ständig erkannt und von einer Traube von Bewunderern umgeben, kann er sich kaum frei bewegen. Doch genau das will er: Hemingway sucht Inspiration für ein dringend benötigtes neues Buch - die Veröffentlichung des letzten liegt schon jahrelang zurück. Doch er tut sich schwer und leidet deshalb an einer Depression, die er mit bedrohlichen Mengen Alkohol zu betäuben sucht. Er will nicht im Mittelpunkt stehen, sondern die einfache Bevölkerung Venedigs kennenlernen, die, so hofft er, ohne Vorurteile und Hintergedanken mit ihm umgeht. Nur die Bekanntschaft mit dem jungen Fischer Paolo hilft Hemingway, Mut zu schöpfen, und in der Ruhe und Abgeschiedenheit der Locanda Capriana in Torcello beginnt er tatsächlich einen neuen Roman. Dann kann er auch endlich die Bekanntschaft der jungen Adeligen Adriana machen, die er schon lange aus der Ferne beobachtet. Obwohl sie für ihn die ausschlaggebende Inspirationsquelle wird, handelt er sich mit der ungewöhnlichen Freundschaft auch jede Menge Ärger ein. Erst Paolo bringt nach langer Zeit die entscheidende Wende, denn er erkennt, dass Hemingway sich nur mit einer Novelle retten kann, die von seiner großen Liebe zum Meer, dem Fischen und einer tiefen, uneigennützigen Freundschaft handelt.

Hemingway ist der Fixstern des Buches

Wer dieses Buch liest, bekommt Lust auf einen Urlaub in Venedig; vielleicht weniger auf die in unserer Zeit doch sehr überlaufene Stadt, sondern mehr auf das Umland in der Lagune. Ortheil entführt den Leser in diese ruhige Natur mit ihren Inseln, den kleinen Ortschaften und den einsamen Kanälen - und natürlich in die Locanda in Torcello. Neben diesen Örtlichkeiten ist Ernest Hemingway die unangefochtene Hauptfigur; um seine Person dreht sich alles. Natürlich hat Ortheil hier auf die überlieferten Klischees und vielleicht auch Halbwahrheiten zurückgreifen müssen – aber was bleibt einem Autor schon übrig, der den großen „Papa“ nicht selbst gekannt hat. Doch seine Charakterisierung ist durchaus glaubwürdig, denn eines war Hemingway ganz sicher: ein Genussmensch, der ohne Rücksicht auf Verluste lebte.

„Dieser Mann war keiner der üblichen Schriftsteller, die ihr Leben am Schreibtisch verbrachten! Im Grunde war ein Abenteurer, der aus seinen abenteuerlichen Erlebnissen Bücher machte!“

Dass man mit „Hem“ auf Jagd geht und Harry‘s Bar besuchen muss ist klar; dass viel von Essen, von Unmengen an Alkohol und von einer neuen Liebe die Rede ist, ebenfalls; doch man lernt auch einen am Abgrund stehenden Menschen kennen, den seine Vergangenheit nicht loslässt und der dringend einen Grund zum Weiterleben braucht – in diesem Fall ein neues Buchprojekt. Etwas überzeichnet ist dagegen die Verbindung zu Paolo und dessen Familie, die von Hemingway zwar wie Freunde behandelt werden, aber nur so lange es ihm angenehm ist, und die sich durch die Bekanntschaft mit ihm allzu nachhaltig verändern. Adriana dagegen ist als verzogene Adelige sehr glaubhaft, obwohl ihre Verbindung zu Paolos Schwester, einer armen Fischertochter, wohl eher der Geschichte geschuldet ist, wie auch die ausgereiften Englischkenntnisse der gesamtem Familie Carini. 

Eine Roman-Biografie vom Feinsten

Der Vendigaufenthalt, die Bekanntschaft mit Adriana und die Entstehung des Romans Über den Fluss und in die Wälder sind die Eckpunkte des vorliegenden Buches. Daraus macht Ortheil einen Roman, der halb-biografisch einen kleinen, aber wichtigen Teil von Hemingways Leben aufarbeitet. Die Person des Schriftstellers wird deutlich gezeichnet, aber auch die oft nervenaufreibende Arbeit an dem neuen Roman, der dann doch mehr Kritik als Lob einbrachte. Dass Paolo aber den Anstoß zu Hemingways wohl bekanntestem Werk gemacht hat, ist reine Fantasie. Scheinbar wollte Ortheil unbedingt auch Der alte Mann und das Meer unterbringen, die Novelle, die den Ausschlag zur Verleihung des Literaturnobelpreises 1954 gab. Der von Löwen träumte ist aber keine Biografie - das sollte man dabei nicht vergessen -, sondern ein Konglomerat aus Fiktion, Überlieferung und auch Tatsachen. Herausgekommen ist jedenfalls ein Roman, der für Hemingway-Fans den Aufenthalt in Venedig näher beleuchtet.

Fazit

Ein Highlight für Hemingway-Fans! Sprachlich ausgefeilt und atmosphärisch dicht wird „Papas“ Zeit in Venedig und die Entstehung von Über den Fluss und in die Wälder erzählt. Wer allerdings nicht zu den Hemingway-Anhängern gehört, könnte von dem Roman enttäuscht sein, denn „Hem“ ist nun mal der Dreh- und Angelpunkt dieser halb-biografischen Geschichte, die kaum Raum für weitere Personen lässt.

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