Teatime mit Lilibet

Erschienen: November 2020

Bibliographische Angaben

- OT: The Governess

- aus dem Englischen von Elfriede Peschel

- HC, 528 Seiten

Couch-Wertung:

70

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Carola Krauße-Reim
Crawfie – die Gouvernante der Queen

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Nov 2020

Wendy oder Taylor Holden ist eine britische Schriftstellerin, die neben Romanen auch sehr erfolgreich Biografien geschrieben hat. In Teatime mit Lilibet mischt sie beides, denn das Buch erzählt die Geschichte von Marion Crawford, der Gouvernante der Queen ...

Lilibet muss viel lernen

London 1932: Die 6-jährige Prinzessin Elizabeth lebt mit ihren Eltern, dem Herzog und der Herzogin von York, und ihrer kleinen Schwester Margaret in 145 Piccadilly oder in der Royal Lodge im Park von Windsor. Bis jetzt nur von ihrer Nanny Alah erzogen, tritt Marion Crawford in ihr Leben. Als Gouvernante ist „Crawfie“ nun die Lehrerin der zwei kleinen Prinzessinnen, die im Charakter nicht unterschiedlicher sein könnten. Doch nicht nur das ist eine Herausforderung für die junge Frau – die Welt der royalen Familie hat nichts mit der Realität zu tun. Und so sieht sie es auch als ihre Aufgabe an, der zukünftigen Königin das wahre Leben außerhalb der Palastmauern zu zeigen. Was anfangs als Sommerjob beginnt, wird eine 16 Jahre dauernde Anstellung, während der Marion nicht nur großen Einfluss auf Elizabeth hat, sondern auch ihr eigenes Leben anpassen muss ...

Von der Sozialistin zum Mitglied des königlichen Haushalts

In der Zeichnung ihrer Figuren war Holden natürlich stark eingeschränkt, waren oder sind sie doch alle berühmte historische Persönlichkeiten, die allerdings auch niemand wirklich kennt. Die Autorin war so zwangsläufig gezwungen, sich in dem bekannten, oder oft auch nur vermuteten Rahmen zu bewegen. Dennoch gelingt es ihr, die unterschiedlichen Charaktere dem Leser auf anschauliche Weise näherzubringen. Der schüchterne und stotternde Albert, seine resolute und manchmal schon skrupellos hinterhältige Frau Elizabeth, König George V, Queen Mary und natürlich die Prinzessinnen Elizabeth und Margaret. Etwas mehr Spielraum hatte Holden bei den weniger öffentlich auftretenden Personen, wie dem Privatsekretär Lascelles, den Mitford-Schwestern und natürlich Marion Crawford selbst. „Crawfie“, wie sie liebevoll genannt wurde, wird von Holden als Frau mit einem scharfen Verstand, dem Willen, etwas zu erreichen, und als überzeugte Sozialistin geschildert. Ihren Wunsch, Kinder in den Slums ihrer Heimatstadt Edinburgh zu unterrichten, gibt sie nur widerwillig zugunsten der Erziehung von Prinzessin Elizabeth auf. Doch sie merkt, dass diesem kleinen Mädchen der Bezug zur Realität fehlt und dass dieser Mangel dringend wettgemacht werden muss (hier kommt die Sozialistin doch noch einmal hervor). Es ist wunderbar zu lesen, wie die beiden versuchen, mit Tube und Bus zu fahren, im Woolworth herrlich unnötige Weihnachtsgeschenke erstehen oder - mit einer in schwarz gekleideten und mit allem möglichen Rettungsgerät ausgestatteten Nanny - ein öffentliches Schwimmbad besuchen. Holden nimmt den Leser mit in dieses privilegierte und doch so weltfremde Leben, das sich nach dieser Lektüre wohl keiner mehr wünscht. Und sie schafft es, die Veränderung Marions zu zeigen - denn der Umgang mit diesen Menschen und ihrer Welt geht nicht spurlos an ihr vorbei. Crawfie muss auf vieles verzichten, hat keine Freunde und lebt in ständiger Angst, zu viel in der Öffentlichkeit auszuplaudern, was dann mit ihrem Buch The Little Princesses auch geschieht – zwar erst nach ihrem Ausscheiden aus dem Haushalt der Royals, dafür aber mit sehr weitreichenden Folgen für ihre Beziehung zur königlichen Familie.

Royales Hire and Fire

Der Leser begleitet Prinzessin Elizabeth von York während ihrer Kindheit und Jugend bis zu ihrer Hochzeit 1947 – immer dicht an Marion Crawfords Seite. Wir sind bei Elizabeth und ihrer Familie während des Dramas rund um die Abdankung, der Krönung ihres Vaters, dem 2. Weltkrieg und natürlich auch, wenn sie sich verliebt. Dabei wird ein Lebensstil gezeigt, der zugleich erstaunt und abstößt. Die Autorin schildert atmosphärisch dicht das Leben hinter den königlichen Mauern von Buckingham Palace, Windsor Castle und Balmoral. Es erscheint lächerlich, wenn nur Royals auf der Mitte des Teppichs in den Gängen laufen dürfen, während das Personal sich zur Wand drehen muss, oder wenn Unterricht nicht so wichtig ist wie Tanzstunden oder Anproben; gleichzeitig liest man angewidert von Ratten und Mäusen in den Räumen oder von kalt gewordenen Speisen, die ewig von der Küche bis zum Esstisch unterwegs sind. Holden gelingt es aber auch, die Macht dieser manchmal doch sehr wenig gebildeten Herrschaften zu vermitteln. Nur wer für die königliche Familie von Nutzen ist, wird (mit einem Hungerlohn) bezahlt; wer nicht mehr gebraucht wird, muss sofort gehen und ist manchmal so vergessen wie die arme treusorgende Nanny Alah, zu deren Beerdigung nicht einmal ein Abgesandter der Royals geschickt wurde. Holden zeigt aber auch, wie wenig wirkliche Freiheiten diese Menschen haben, wie auch sie Zwängen unterliegen, die sie einschränken, gerade in ihrem nicht öffentlichen Leben, wenn auch dann alle Augen oder besser Objektive auf sie gerichtet sind. Auch Königs haben es nicht immer leicht! Was sich wie Gesellschaftskritik anhört, ist aber der Plot des Buches und die Welt, in der Marion ihre Arbeit leisten muss. Die Autorin hält den Leser mit der Schilderung dieser kuriosen Lebensumstände auf immerhin mehr als 500 Seiten sehr unterhaltsam bei der Stange, auch wenn der Stil wenig anspruchsvoll ist.

Fazit

Teatime mit Lilibet ist eine Pflichtlektüre für alle Fans der britischen Royals! Wendy Holden führt den Leser kurzweilig durch mehr als ein Jahrzehnt britischer Geschichte, immer an der Seite von Prinzessin Elizabeth und ihrer Lehrerin Crawfie – genau das richtige bei einer Tasse Tee und einem Scone, auch wenn wir auf die Gesellschaft von Lilibet wohl verzichten müssen.

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Letzte Kommentare:
18.01.2021 21:06:52
rotecora

die Royals privat

Ein Blick hinter die Fassade, etwas sehen, was sonst im Verborgenen bleibt...das hat mich an diesem Buch gereizt.
Königin Elizabeth von Großbritannien kennt ja (fast) jeder, ihren Lebenslauf auch.

Die schottische Erzieherin Marion Crawford, die als Lehrerin der jungen Elizabeth und ihrer Schwester Margaret eingestellt wurde hat ein Buch über ihre Arbeit geschrieben, von dem sich Autorin Wendy Holden inspirieren ließ. Sie gewährt ihren Lesern hier einen (teils) fiktivem Einblick in das Leben der beiden jungen Prinzessinen, vermittelt einen Eindruck davon, wie es am Königshof zugegangen ist bzw. sein könnte

Isoliert von der normalen Bevölkerung wachsen beide behütet hinter den Mauern des Palastes auf. Marion lernt die private Seite der Royals kennen, die Menschen die dahinterstecken.
Die Gouvernante ist sehr ambitioniert, versucht den beiden Kindern etwas "Normalität" zu vermitteln, was aber nicht immer gut ankommt.

Es ist nicht nur eine biografische Erzählung über die zukünftige Königin und deren Familie, es ist auch die Geschichte von Marion. Die viel bewegen wollte, einen großen Teil ihres Lebens dieser Arbeit geopfert hat und letztendlich mit einer kleinen Abfindung entlassen wurde.

Was mich persönlich beschäftigt hat nach der Lektüre, wieviel Fiktion steckt in dieser Geschichte. Aber trotz allem hat es Spaß gemacht einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Es war sehr interesant und aufregend.

06.01.2021 13:41:09
TochterAlice

Rule Britannia!
Das ist nicht einfach, wie man es sich denken kann - unerwartet kommt die junge schottische Lehrerin und Idealistin Marion Crawford zu Beginn der 1930er Jahre dem Thron ganz nahe. Sie wird als Erzieherin für die Töchter des Herzogs von York eingestellt und das sind Elisabeth, genannt Lilibet, keine andere als die jetzige Königin von England und deren jüngere Schwester Margaret, zunächst noch ein Kleinkind. Und das, wo sie eigentlich in die Slums ziehen wollte, um dort vor allem Mädchen Bildung nahezubringen.

Doch einmal in der Herzogsfamilie angekommen, kommt sie auch nicht so leicht weg, man appelliert an ihre Treue und vor allem verfällt sie Lilibets Charme - die ist wirklich ein ganz besonderes Mädchen.

Und bald auch nicht mehr Herzogstochter: aus ihrem schüchternen Vater Bertie wird der englische König Georg VI und aus ihrer plumpen, vorlauten Mutter die Königin. Und das bedeutet auch für sie eine große Veränderung: sie ist es, die ihren Vater auf dem Thron beerben wird.

Wir gehen mit Marion, die von allen nur Crawfie genannt wird, und der Königsfamilie durch schwere Zeiten. Und lernen auch andere Mitglieder des Hofstaats kennen, wobei mir sehr zupass kam, dass ich ein großer Fan der Netflix-Serie "The Crown" bin - sonst wäre ich wohl das eine oder andere mal orientierungsmäßig auf der Strecke geblieben.

War ich zunächst absolut begeistert, trat mehr und mehr die Ernüchterung ein: mir kamen einige Entwicklungen doch mehr als abenteuerlich vor. Ein guter und ausgesprochen vielversprechender Ansatz, bei dem, wie ich finde, vieles hätte eleganter gelöst werden können!

25.11.2020 22:33:41
Sagota

"Teatime mit Lilibet" von Wendy Holden erschien (HC, gebunden) 2020 im List-Verlag. Die Autorin, selbst Journalistin, zeichnet hier den Weg der einstigen Gouvernante Marion Crawford nach und gibt einen kleinen "Einblick" hinter die Kulissen - oder die "Glaswand" der britischen Royals von den 30er bis Ende der 40er Jahre des 20. Jahrhunderts, als Crawford oder von der königlichen Familie Crawfie genannt, als Hauslehrerin die beiden Prinzessinnen Elizabeth (Lilibet) und Margaret unterrichtet.

Eigentlich war das berufliche Ziel von Marion Crawford, einer jungen angehenden Lehrerin aus Edinburgh, die sozial benachteiligten Kinder in den Slums zu unterrichten und somit für mehr Chancengleichheit zu sorgen. Doch ihre Mentorin erkennt (Marion ist ihre beste Schülerin) ihre Fähigkeiten und so begibt sich Marion nach London, um der Bitte der Herzogin von York, der Mutter von Lilibet und Margaret, zu entsprechen und die beiden kleinen Prinzessinnen (Lilibet ist 7 Jahre alt; geboren 1926) in den verschiedensten Fächern zu unterrichten. Was anfangs als ein "Probemonat" bei den Royals angedacht war, sollte viele Jahre andauern, obgleich Marion Crawford einige Male ernsthaft versuchte, ihre (sehr begehrte) Stelle im englischen Königshaus zu beenden (letzteres wurde besonders durch die Mutter der Prinzessinnen immer wieder vereitelt mit dem Hinweis, "man brauche sie").

Somit führt uns der Roman in die königlichen Schlösser Balmoral, wohin sich Queen Elizabeth II noch heute im frühen Herbst gerne zurückzieht; auch in den Kensington Palace, nach Piccadilly 145, London - und in den Buckingham Palace. Auch viele einflussreiche Politiker und Adelige sowie reiche Familien kreuzen den Weg des Lesers; die königliche Familie selbst, zwei der Mitford-Schwestern, deren politische Ansichten weit auseinandergingen, die Kennedy's, Chamberlain und Winston Churchill, der eine wichtige Rolle für Großbritannien im 2. Weltkrieg spielen sollte. Es ist - abgesehen von den sehr üppigen Schilderungen der Feste, Bälle und Zeremonien, der Krönung (1937) und der Abdankung von Prinz Eduard, dem Onkel von Lilibet, wodurch ihr Vater König von England wurde, ein interessanter Spaziergang durch die (oftmals für die Völker Europas jedoch auch leidvolle) Geschichte des 20. Jahrhunderts; speziell der von Großbritannien, das gesellschaftliche Umbrüche verkraften musste und der Adelsstand einem gewissen Niedergang folgte.

Wendy Holden beschreibt also das Leben, den Alltag (und auch einige Intrigen) innerhalb "der Glaswand", des Palastes und fängt hierbei die Gefühle von Marion Crawford ein, die aus einfachen Verhältnissen stammt und all der Pracht erst einmal staunend gegenübersteht. Einerseits verfolgte sie andere berufliche Ziele, andererseits schließt sie schon bald besonders die ältere Prinzessin, Lilibet, sehr ins Herz und erhält auch von den Mädchen und der royalen Familie selbst eine gewisse Zuneigung. Diese erschweren es Marion Crawford, nach einigen Jahren die Royals zu verlassen und ihre Tätigkeit als Gouvernante zu beenden - was sich zum Teil als Tragik für sie selbst lesen lässt, denn sie verzichtet auf vieles - und es gibt auch Enttäuschungen, mit denen zu leben muss. Ivy, eine Bedienstete und Freundin von Marion, rät ihr zu einer Beziehung "innerhalb der Glaswand", da alles andere unmöglich ist. So sind ihre Erfahrungen mit Männern eher negativ und sie fühlt sich oftmals einsam. Einzig die Liebe zu den Prinzessinnen, die sie wie eine zweite Mutter beschützt, macht vieles wieder wett....

Sie versucht, den Mädchen einen Bezug zum ganz normalen Leben der BürgerInnen Englands zu geben; die sogenannte "Operation Normal", die sich jedoch als sehr schwierig gestaltet und oft von einem Privatdetektiv begleitet wird. Die Zwänge des Palasts sind durchaus spürbar und auch Marion kann dies nicht grundlegend verhindern. Dennoch fährt sie mit den Prinzessinnen U-Bahn, besucht ein Kino und macht einen Ausflug in einen Park, was die Mädchen sehr erfreut. Mrs. Knight, die alte Nanny der beiden, hat für solcherlei Dinge kaum etwas übrig und verkörpert das restringente Verhalten des alten Hochadels, wo sich bestimmte Dinge (wie z.B. Spielkleider) nicht geziemen. Die Autorin beschreibt auch die andere Seite der sozialen Schichten, die in konträrem Gegensatz zum Leben im Palast stehen: Millionen Arbeitslose, Hungermärsche, Hunger und auch Elend, das im Lande grassiert. Marion Crawford ist lange Zeit hin- und hergerissen, ob es ihre wirkliche Berufung ist; Anfang 20, als sie ihre Stellung bei Hofe antritt - und fast 40, als Lilibet Prinz Philip von Griechenland heiratet (und wie man weiß, noch heute Prinzgemahl von Elizabeth II. ist - sie stolze 94, Prinz Philip 99 Jahre alt). Aber sie ist loyal und - selbst kinderlos geblieben - überwiegt ihre Liebe gegenüber den Prinzessinnen immer wieder in der Entscheidung, zu gehen - oder zu bleiben.

Der Stil von Wendy Holden ist eingängig zu lesen; jedoch fand ich viele Beschreibungen sehr langatmig, sich wiederholend und inhaltlich etwas ausufernd, so dass es nach einiger Zeit ermüdete. Auch die Schriftgröße des Romans ist sehr klein, was die Lesefreundlichkeit leider etwas mindert. Ausser einigen Nebensächlich- bis hin zu Nichtigkeiten habe ich zumindest erfahren können, dass "Lilibet" als Kind bereits sehr willensstark war; ein hohes Empathievermögen, besonders gegenüber Tieren hatte; einen fast zwanghaften Ordnungssinn (Sicherheit gebend) und Uniformen mochte.
Es fehlen genauere Angaben über Wahrheit und Fiktion, wobei sich der Roman jedoch an reale historische Begebenheiten weitgehend hält. Auch basiert der Roman auf dem Buch von Marion Crawford selbst ("The Little Princesses"), dessen Inhalt mich noch mehr interessieren würde. Denn die Gouvernante ist eine tragische Figur: Sie hatte eine sehr wichtige Aufgabe im Königshaus der Windsors zu erfüllen - und darüber ihre Lebenswünsche und ihr eigenes Glück hinten angestellt, sich den Wünschen besonders der Königinmutter gebeugt. Zeitgeschichtlich muss man diese Entscheidungen Marions jedoch auch im Beginn der Zeit sehen, zu der es Frauen überhaupt erst möglich war, ihren Unterhalt selbst zu verdienen und sich zu emanzipieren. Letzteres ist Marion Crawford auf jeden Fall gelungen, ich habe nur den betroffenen Eindruck, dass es ihr nicht gedankt wurde.

Für LeserInnen, die sich für Her Majesty, Queen Elizabeth II und der Kindheit der beiden Prinzessinnen im Hause Windsor interessieren und mehr über Marion Crawford, der Gouvernante von Lilibet und Margaret erfahren möchten, kann ich das Buch bedingt empfehlen. Gänzlich überzeugt hat es mich leider nicht, daher von mir 3,5 *

24.11.2020 17:52:36
Leserin

England, 1932.
Die Schottin Marion Crawford möchte als Lehrerin die Welt verbessern, sie begeistert sich für sozialistische Ideen, daher möchte sie vor allem Kindern aus Slums helfen. Doch es kommt anders – sie wird zur Hauslehrerin der englischen Prinzessinnen Margaret und Elizabeth. Die engagierte junge Frau möchte den blaublütigen Mädchen das wahre Leben zeigen, sie besucht mit ihnen ein öffentliches Schwimmbad, sie fährt mit den Mädchen Bahn und sie nimmt sie mit ins Kaufhaus. „Crawfie“ soll insgesamt sechzehn Jahre am englischen Hof verbringen. Dabei bleiben ihre eigenen Wünsche auf der Strecke – sie bleibt unverheiratet und kinderlos …

Wendy Holdens Roman basiert auf Crawfords Publikation „Little Princesses“. Die Autorin vermengt Fakten mit Phantasie, wie es eben im Genre Biographische Fiktion üblich ist. Daher sollte man nicht alles, was in „Teatime mit Lilibet“ überliefert ist, für bare Münze nehmen.
Das Leben von Königin Elizabeth II fasziniert viele Menschen, die Netflix-Serie “The Crown“ umfasst bereits vier Staffeln, der Film “The Queen“ war im Jahr 2006 ein Erfolg, auch der Film „A Royal Night Out – Ein königliches Vergnügen (2015)“ stellt Elizabeth & Margaret in den Mittelpunkt.
Zwar steht in Holdens Roman eine Gouvernante im Fokus, aber man erhascht als Leser dennoch einen Blick hinter die Palastmauern, erfährt vor allem etwas über die Kindheit der britischen Regentin. Manches ist nicht unbedingt neu – Margaret wird natürlich als temperamentvolle Exzentrikerin porträtiert, Queen Mum als willensstarke, gar halsstarrige Matriarchin gezeigt. Die Angestellte Crawford wird quasi von heute auf morgen ausgemustert - der Hof verlangte schon in den 1930er Jahren absolute Loyalität von seinen Angestellten, heute müssen sie wohl NDAs unterzeichnen.
„Teatime mit Lilibet“ dürfte nicht nur Royalisten begeistern; ich muss jedoch anmerken, dass ich Wendy Holdens Stil recht einfach und fast etwas hölzern fand. Formal ist der Roman in vier Teile gegliedert, die Kapitel sind kurz und erleichtern so die Lektüre.

Fazit:
„Teatime mit Lilibet“ ist ein unterhaltsamer Mix aus Fakten & Fiktion.
Eine interessante Zeitreise auf den Spuren des britischen Hochadels. Im Fokus steht jedoch eine Frau aus dem Volk – Marion Crawford. Insofern ist der Originaltitel (“A Royal Governess“) passender.

24.11.2020 13:18:41
leseratte1310

Auch wenn ich nicht unbedingt ein Fan des englischen Königshauses bin, so kann man sich doch kaum der Berichterstattung entziehen und ich fand es interessant, einmal eine andere Perspektive auf die Royals zu sehen als die der Yellow-Press.
Marion Crawford ist erst 22 Jahre alt, als sie die Schwestern Elisabeth und Margaret unterrichten soll. Sie ist recht schockiert, als sie feststellt, dass das Leben bei den Yorks so anders ist als das Leben, wie sie es kennt. Sie möchte, dass die Mädchen das reale Leben kennenlernen. Ihr Einfluss nimmt ständig zu und sie ganz besonders Lilibet ist ihr ans Herz gewachsen. Doch dann wird aus dem Herzog von York der englische König Georg VI. und aus Lilibet die künftige Königin.
Dieses Buch, das Fiktion und Wirklichkeit miteinander verknüpft, hat mir ganz gut gefallen. Allerdings hätte ich am Ende ganz gerne gewusst, was nun wirklich Fiktion war. Es hätte auch einiges etwas gestrafft werden können.
Man hat beim Lesen den Eindruck, als wäre da eine Kamera, die alles aufnimmt, so dass ich es betrachten kann.
Über die Charaktere rund um die königliche Familie braucht man wohl nicht viel zu sagen. Also bleibt die Lehrerin und Gouvernante, die sich um ihre Schützlinge kümmert. Sie steht mit beiden Beinen im Leben und will, dass diese Schützlinge nicht nur das abgeschottete Leben hinter Schlossmauern kennenlernen; sie nimmt sie mit raus ins wahre Leben. Aber auch Crawfords Leben verändert sich gewaltig, denn man erwartet, dass sie der Familie treu ergeben und verschwiegen ist. Allerdings erhält sie dafür nichts zurück, denn Anerkennung und Dankbarkeit bleibt aus. Sie gehört weder zur Familie noch zur Dienerschaft. Ihr Privatleben verläuft auch nicht wirklich gut. Wirklich warm geworden, bin ich mit der Protagonistin nicht.
Insgesamt habe ich nicht unbedingt etwas Neues erfahren, dennoch hat mich das Buch gut unterhalten.

Film & Kino:
The Crown - Staffel 3

Die Queen in ihrer vordergründig repräsentativen Rolle ist eine zeitgeschichtliche Ikone, sodass der Erfolg der seit 2016 bei Netflix laufenden Serie „The Crown“ nicht verwundert. Die dritte Staffel markiert allerdings einen Umbruch: Die Royal Family ist in den 60er-Jahren angekommen und viele Rollen werden neu besetzt, da auch die Blaublüter nicht vor dem Altern gefeit sind. Titel-Motiv: © Des Willie / Netflix

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