Trümmermädchen: Annas Traum vom Glück

Erschienen: November 2020

Bibliographische Angaben

- TB, 496 Seiten

Couch-Wertung:

75
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Sandra Dickhaus
Annas Geschichte im zertrümmerten Köln

Buch-Rezension von Sandra Dickhaus Dez 2020

In Köln wächst das Mädchen Anna 1941 beim Bäckerehepaar Marie und Matthias auf. Schon wenn sie morgens wach wird, zieht der Duft der Backwerke in ihr Zimmer - und sie liebt es. So könnte es immer bleiben - doch dann beginnt der Krieg und ihr Onkel Matthias wird eingezogen. Das ist aber nicht der einzige Schicksalsschlag: Die Bäckerei wird Opfer eines Luftangriffs. Nun lebt Anna mit ihrer Tante Marie im zertrümmerten Köln und muss um ihr Überleben kämpfen. Vor allem der Hunger macht ihnen zu schaffen, und Anna schließt sich einer Schwarzmarktbande an. Sie wird zu einer guten Kohlediebin in der Not. Irgendwann möchte sie mit ihrer Tante die Bäckerei wieder aufbauen und hofft, der Junge, in den sie verliebt ist, und ihr Onkel kehren bald unversehrt aus dem Krieg heim. Doch die Zeit vergeht …

Eigene Erfahrungen der Autorin spielen eine Rolle

Die Autorin Lilly Bernstein kennt den unverbesserlichen Duft aus der Backstube, denn sie wuchs in einer Bäckerfamilie auf und kennt die Nachkriegszeit aus den Erzählungen ihrer Mutter. Vor allem das Hungern hat sie in lebendiger Erinnerung behalten. So ließ sich die Autorin auch durch eigene Erfahrungen inspirieren. Ihr ist es wichtig, vom Mut und der Zuversicht der Frauen dieser Generation hautnah erzählen zu können. Genau dies merkt man beim Lesen der Geschichte.

Man begleitet Anna und Marie in zwei Romanteilen durch die Jahre 1941 bis 1942 und 1946 bis 1947. Es wird immer deutlich, wie sehr beide kämpfen – um ihre Liebe, ihre Familie, den Bäckerbetrieb und vor allem gegen den Hunger. Der Schreibstil der Autorin ist einfach gehalten und man kann ihren Schilderungen flüssig folgen. Ihre Sprache ist voller Bilder und Emotionen, die beim Lesen berühren und an den meisten Stellen auch fesseln. Manchmal ist die Handlung sehr vorhersehbar, aber das kann nicht die Freude oder den Schock über die Gegebenheiten trüben. Dabei wirkt das Ganze an der einen oder anderen Stelle etwas zu leicht formuliert; insgesamt eine Geschichte, der man ohne zu zögern folgen kann. Auch die Figuren machen Entwicklungen durch: so wird Anna vom kleinen Mädchen zur selbstbewussten, starken Frau, die ihre Tante Marie unterstützen kann - vor allem als diese beginnt, mit ihrem Schicksal zu hadern. Dafür begibt sich Anna in manch heikle Situation. Doch auch Niederlagen lassen sie nicht aufgeben.

Fazit

Eine anrührende Geschichte, der man die Liebe zum Bäckerhandwerk anmerkt und die, eingebettet in eine historisch schwierige Zeit, vor allem das Leben und Schicksal zweier eng miteinander verbundener Frauen schildert. Deutlich wird, dass das Leben im gebeutelten Deutschland der Kriegs- und Nachkriegszeit durch viele Entbehrungen gekennzeichnet war. Doch all dem können diese beiden Frauen trotzen.

Trümmermädchen: Annas Traum vom Glück

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