Die Farbe von Glück

Erschienen: November 2020

Bibliographische Angaben

- HC, 352 Seiten

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Monika Wenger
Verzweifeltes Handeln und Hoffen

Buch-Rezension von Monika Wenger Dez 2020

Antoine ist gerade sechs Jahre alt, als ihn seine Mutter verlässt und nicht wiederkehrt. Charlotte, eine Nachbarin, nimmt sich des kleinen Jungen an und kümmert sich um ihn. Jahre später stellt der verzweifelte Richter Jules Charlotte vor die Entscheidung, zwei Neugeborene zu vertauschen oder Antoine zu verlieren …

Die Tragödie

Jules ist verzweifelt: Seine Frau Louise ist nach etlichen Fehlgeburten moralisch angeschlagen, und nun scheint auch dieses Baby krank und schwach zu sein. Einen weiteren Verlust würde Louise nicht verkraften, und so entschließt sich Jules, Schicksal zu spielen und ein gesundes Baby gegen sein krankes Kind einzutauschen. Er zwingt die Krankenschwester Charlotte, ihm bei diesem Tausch behilflich zu sein. Sollte sie nicht kooperieren, würde er ihr das Pflegekind Antoine, welches sie ohne amtliche Bewilligung zu sich genommen hat, wegnehmen.

Nach dem schicksalhaften Vorfall im Krankenhaus ist Charlotte mit Antoine weggezogen. Sie hat ein komplett anderes Leben begonnen und ihr Augenmerk auf ihr Pflegekind gerichtet. Sie denkt öfters über die verhängnisvolle Nacht nach, verdrängt aber mehr oder weniger erfolgreich die wiederkehrenden Zweifel.

Die Jahre verstreichen und für Jules wird es schwieriger, die Belastung aus der Vergangenheit zu ertragen. Die Gewissensbisse plagen ihn und er steht immer wieder kurz davor, seine Frau in das Geheimnis des Babytausches einzuweihen.

«Die Zeit heilt nicht alle Wunden. Sie trocknet sie nur aus.»

Nachdem Jules seine Schuldgefühle nicht mehr länger aushalten kann, weiht er endlich seine Frau ein. Dieses Eingeständnis offenbart gleichzeitig mit aller Deutlichkeit, dass sie als Eheleute gescheitert sind - vielleicht schon vor langer Zeit. Auf eine gewisse Weise ist Jules erleichtert, muss aber einsehen, dass er weiter mit Schuldgefühlen kämpft. So wächst in ihm die Überzeugung, dass er wiedergutmachen muss, was er an Schaden angerichtet hat. Er begibt sich auf die Suche - nicht nur nach Charlotte und Antoine.

«Beginnen muss man bei sich selbst. Herausfinden, wer man ist und was man sein möchte. Denn erst wenn wir das wissen, sind die vielen Möglichkeiten von Nutzen.»

In ihrem Roman Die Farbe von Glück stellt Clara Maria Bagus die Frage, wie man mit großen Schuldgefühlen leben kann. Wie geht der Mensch mit dem Wissen um, unmoralisch und anmaßend gehandelt und in den Lebenslauf von etlichen Unschuldigen eingegriffen zu haben? Gleichzeitig zeigt sie mit dieser Geschichte auf, dass mit Liebe, Wohlwollen, Verständnis und einer positiven Lebenseinstellung so manche Hürde überwunden werden kann. Allein der Glaube an einen Lebensplan, an Schicksal, lässt die Menschen vieles ertragen und erdulden. Das wirkt in dieser Geschichte manchmal etwas weit hergeholt und stellt stellenweise den Verstand auf eine harte Probe.

Wissen und Gewissen

Es ist eine leise und feine Geschichte, welche beim Lesen immer wieder positive Gefühle auslöst, obwohl so manches verstandesmäßig nicht zu fassen ist. In der zweiten Hälfte der Geschichte verliert der Plot ein wenig an Schwung und wegen der vielen philosophischen Einschübe ist er etwas überladen. Trotzdem ist es eine angenehme Lektüre mit überraschendem Ausgang.

Fazit

Die Geschichte von Antoine, Charlotte und Jules geht zu Herzen, obwohl sie konstruiert wirkt. Die vielen philosophischen Weisheiten mildern die Tragik der Handlung und zeigen den Spagat zwischen Gefühl und Verstand. Die Grundstimmung des Romans ist leicht, fein und mit viel positiver Energie gehalten, sodass beim Lesen trotz der Tragik und der tiefgründigen Lebensthemen ein angenehmes Gefühl aufkommt.

Die Farbe von Glück

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Letzte Kommentare:
14.01.2021 12:48:57
TochterAlice

Eine Mutter lässt ihr Kind stehen und geht - ja, Sie verstehen richtig, für immer. Das Kind ist gerade mal fünf Jahre alt. Glaubwürdig? Nein. Jedenfalls nicht aus meiner Sicht. Sie hätte es sanft darauf vorbereitet und versucht, ihm den Schrecken dadurch zu nehmen, dass sie ihn keiner vollkommen befremdlichen Situation aussetzt. Das ist hier aber so. Einfach so.

Es findet sich Charlotte, die das Kind zu sich nimmt - ein Glück für beide. Aber das passiert einfach so.

Zwei Jahre später erpresst Richter Jules Charlotte, die rein zufällig Krankenschwester auf einer Geburtsstation ist. Und sie lässt es mit sich machen und vertauscht zwei Neugeborene. Einfach so.

Sowohl Jules als auch Charlotte müssen mit den Folgen leben - wen wundert das? Das Leben geht seine Wege, wirbelt alle Akteure durcheinander und schlussendlich diejenigen, die wirklich zusammengehören zu einander. Einfach so.

Richtig, dies ist eines dieser Glücksbücher, die manche Leute so schätzen. Die aus ihrer Sicht Lebensweisheiten beinhalten, aus der Sicht manch anderer einfach nur Stuss, da die Handlung absolut konstruiert erscheint. Dreimal dürfen Sie raten, zu welchen ich gehöre.

Dann noch zum Schreibstil - er ist viel gelobt worden, man könnte ihn jedoch auch als kitschig bezeichnen. Und das Buch zuklappen und zur Seite legen. Endgültig. Einfach nur so.

10.11.2020 20:17:23
anna-katharina

Ergreifendes Buch

Die Farbe von Glück ist ein ergreifender Roman über die Suche nach Glück, Erfüllung von Wünschen und Träumen, den Umgang mit Verantwortung und Schuld und über Vergebung, Schicksal und Tod.
Die Geschichte beginnt damit, dass der Richter Jules die Krankenschwester Charlotte erpresst und von ihr den Tausch seines sterbenskranken neugeborenen Kindes gegen ein gesundes Kind verlangt. Dies stellt das Leben der Charaktere, das in dem Roman gekonnt miteinander verknüpft ist, grundlegend auf den Kopf.
Clara Maria Bagus erzählt die Geschichte sehr ruhig, stimmungs- und gefühlvoll mit einer wunderbar bildhaften Sprache. Sie zeichnet kein Schwarz-Weiß-Bild von Tätern und Opfern, sondern entwickelt Verständnis für die Entscheidungen und Handlungen und deren Hintergründe. Sie schafft lebendige tiefe Charaktere, in die man sich gut hineinfühlen kann.
Trotz der vielen großen Themen des Lebens wirkt der Roman nicht überfrachtet. Insgesamt ein sehr berührender und lesenswerter Roman!

08.11.2020 19:11:46
reader

Interessantes Buch

Das Buchcover ist optisch wunderschön gestaltet in gold-weiß.

Die Geschichte handelt von drei verschiedenen Familien, deren Schicksale miteinander verwoben sind. Alles beginnt damit dass der Richter Jules der Krankenschwester Charlotte droht ihr ihren Ziehsohn wegzunehmen, falls sie nicht das kränkliche Baby von Jules gegen ein gesundes Baby tauscht. Jules merkt bald, dass ihn seine Tat schwer belastet und daran hindert ein glückliches und erfülltes Leben mit seiner Familie zu führen. Die handelnden Figuren heißen Charlotte, Antoine, Jules, Luise, Florentine, Ni Lou. Es kommt zu einigen Wendungen und auch zu einem meiner Meinung nach unerwartetem Ende.

Mir hat das Buch gut gefallen. Es behandelt große Lebensthemen wie z.B. Können wir im falschen Leben das richtige finden? , Wie öffnet man sich einem neuen?, Wie lässt man los?, Vergebung, Selbstfindung, Liebe etc. Ich konnte viel daraus mitnehmen und war begeistert von der Weisheit und Tiefgründigkeit der enthaltenen Wahrheiten. Das Buch regt sehr dazu an, über sein eigenes Leben zu reflektieren und darüber was man tatsächlich will. Allerdings ist es etwas schwierig sich mit den Protagonisten voll zu identifizieren, die Figuren sind nicht wirklich nahbar. Ein allwissender Erzähler ist der Erzählstil der Autorin.

Die Autorin erzählt mit einer sprachlichen Anmut und Schönheit, wodurch sich die Geschichte leicht lesen lässt.

Ein letzter kleiner Kritikpunkt ist, dass die Geschichte nicht sehr realistisch ist, da sie doch sehr konstruiert ist.

Ich würde das Buch weiterempfehlen.

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