Fanny, oder: Das weiße Land

Erschienen: Oktober 2020

Bibliographische Angaben

- HC, 272 Seiten

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Monika Wenger
Trotz allem Mensch sein

Buch-Rezension von Monika Wenger Nov 2020

Karl und sein Bruder Viktor sind seit 1914 in Sibirien, fast zehntausend Kilometer von Wien entfernt, in einem Lager gefangen. Im Mai 1918 gelingt ihnen die Flucht und sie machen sich auf den langen, ungewissen Weg in die Heimat ...

Seit 1914 in Sibirien gefangen

Die erste Etappe mit dem Zug verläuft wie geplant. Noch sind Karl und Viktor, zusammen mit vier weiteren Gefangenen, auf der Hut vor den Soldaten und in ständiger Angst, entdeckt oder denunziert zu werden. Doch mit jedem Kilometer Richtung Westen wächst ihre Zuversicht, dass sie es nach Hause schaffen werden.

Viele Hürden stellen sich ihnen in den Weg, Hunger wird ihr ständiger Begleiter. An manchen Orten müssen sie länger verweilen, sich den Unterhalt irgendwie verdienen - sei es mit Hilfsarbeiten oder mit Tauschhandel. Doch jede Passage ist ein weiterer Schritt Richtung Heimat. Es ist egal, ob sie mit dem Zug, zu Fuß oder im Eselskarren weiterreisen, egal ob sie an einem Ort etwas länger bleiben müssen - immer geht es wieder ein Stück weiter.

In der Zwischenzeit schreibt man das Jahr 1921. Seit drei Jahren sind die Weggefährten unterwegs und haben es, über tausende von Kilometern, bis nach St. Petersburg geschafft. Ausgerechnet hier scheint ihr Plan nicht mehr aufzugehen ...

Der lange Weg nach Westen

Einen ersten Eindruck von der abgeschiedenen Welt und ihren Bewohnern erhält der Leser bei der Beschreibung des Gefangenenlagers in Sibirien: «Die elektrischen Zäune halten die Gefangenen in Schach; die Zeit jedoch durchdringt sie, drückt Wachen und Bewachten ihren Stempel auf. Sie verletzt unbemerkt.»

Die Monotonie des Lagerlebens wird nur strukturiert durch die Kontrollrufe der Wachen; eintönige und lange Tage, Monate, Jahre. Die Gefangenen verfolgen nach dieser langen Zeit alle dasselbe Ziel: Flucht!

Doch erst muss der richtige Zeitpunkt gefunden werden. Damit die Transsibirische Eisenbahn überhaupt fahren kann, muss der Boden noch gefroren und darf nicht schlammig sein, sonst versinken die Gleise. Jedes Detail ist wichtig.

Diese genauen Beschreibungen der Aussituation und für das Gelingen des Unterfangens, diese bildhaft beschriebenen Veränderungen, während der Frühling in Sibirien einzieht, das ist einfach großartig. Das gute Lesegefühl hält an, auch wenn sich die Lage für die Flüchtenden verschlimmert, sich ihnen immer wieder Hürden in den Weg stellen und das Ziel der Reise weiter weg scheint, als je zuvor.

Der Schreibstil von Beatrix Kramlovsky lässt die tragischen Ereignisse, die schier unmenschlichen Strapazen und die immer wieder sich zerschlagenden Hoffnungen mit einer angemessenen Distanz betrachten. Dennoch ist die Verbundenheit zu den Protagonisten und ihren Schicksalen stark und jedes Zeichen von Menschlichkeit für sie wie auch für den Leser eine Wohltat.

Wie kleine Edelsteine glitzern die Textpassagen aus Fannys Briefen an Karl. Nicht nur ihm geben sie immer wieder Hoffnung und sind Motivation: «Jeder hatte, wenn er Glück wahrnehmen konnte, seinen speziellen Moment der rettenden Erleuchtung, und für jeden war es etwas anderes.»

Fazit

Der Roman erzählt von den vergessenen Kriegsgefangenen im Ersten Weltkrieg. Eine tragisch-schöne Geschichte von Freundschaft, von Menschlichkeit und darüber, was Liebe zu bewirken vermag. Ein wunderbarer Roman, welcher viel mehr ist als die bloße Erzählung von einer Flucht aus einem sibirischen Gefangenenlager.  

Fanny, oder: Das weiße Land

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