QualityLand 2.0: Kikis Geheimnis

Erschienen: Oktober 2020

Bibliographische Angaben

- HC, 432 Seiten

Couch-Wertung:

80
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Lisa Reim-Benke
Mit einem lachenden und einem weinenden Auge

Buch-Rezension von Lisa Reim-Benke Nov 2020

Es geht zurück nach Qualityland - dem Land, wo das eigene Leben vom erreichten Level abhängt, wo man seinen Partner über eine App findet und wo einem selbstfahrende Autos, Staubsaugroboter (die sich teilweise in einer Existenzkrise befinden) und digitalisierte Toaster das Dasein erleichtern. Bei den Bewohnern handelt es sich um stinkreiche Firmenbosse, die ihr Heil in der Politik suchen, verpeilte Staatsmänner, die sich ohne ihre Assistentin im Wahlkampf blamieren würden, einen ehemals an der Spitze stehenden Bürger, der sich nun im freien Fall befindet, und natürlich Peter Arbeitsloser. Dieser ist mittlerweile ausgebildeter Maschinentherapeut und behandelt die psychischen Leiden liebeskranker Kühlschränke - wenn er nicht gerade entführt wird, was in letzter Zeit öfter passiert. Und dann ist da noch Kiki, die endlich herausfinden will, wer ihre Eltern sind. Hinzu kommen der dritte Weltkrieg, Klimawandel und stalkende Roboter; kurz: Es ist mal wieder ganz schön viel los in der Welt von morgen ...   

Der Wahnsinn geht in die zweite Runde

Wer zu Beginn die allgemeinen Lesebedingungen akzeptiert hat, startet in einen gewohnt witzigen Schmöker von Marc-Uwe Kling: Jede Menge abgefahrene Ideen treffen auf Satire und Gesellschaftskritik, bei der die Digitalisierung unserer Welt durch den Kakao gezogen wird. Anders als im ersten Band ist der Plot jedoch eher mau, wenn nicht sogar vernachlässigbar. Kling knüpft zwar inhaltlich an diesen an, aber es gelingt ihm mit dem eher episodenhaft angelegten Nachfolger nicht, noch einen draufzusetzen. Das magere Erzählkonzept wird mit skurrilen Dialogen und Situationen kompensiert: Auf beinahe jeder Seite wird man davon schier überrollt, sodass sich die ganzen originellen Einfälle irgendwann gegenseitig die Klinke in die Hand drücken. Das wären wohl K.O.-Kriterien, wenn nicht Marc-Uwe Klings einzigartiger Stil alles retten würde: Gewohnt locker-flockig und mit seiner unverwechselbaren Ironie hält er die Leser trotz inhaltlicher Schwächen bei der Stange.

Witzig oder nicht witzig?

Auch wenn Kling sprachlich wieder ein Feuerwerk loslässt, gefriert einem das Grinsen im Gesicht, je weiter man liest - so lustig ist das alles nämlich irgendwann gar nicht mehr. Was Menschen, Maschinen und der Gesellschaft zugemutet wird, ist ganz schön schockierend; zudem geht es auf allen Ebenen ungewöhnlich brutal zu. Marc-Uwe Kling schleudert seinen Lesern mit einem Grinsen eine Dystopie ins Gesicht, die viel düsterer geraten ist als der Vorgänger. Und dass der schalkhafte Stil und der tragische Inhalt so dermaßen konträr angelegt sind, macht das Ganze nur noch gravierender. Nichtsdestotrotz: Es hinterlässt Eindruck.

Fazit

Recht ernst präsentiert sich Marc-Uwe Kling mit seinem neuen Werk QualityLand 2.0. Der Nachfolger kann zwar nicht mit dem ersten Band mithalten, trotzdem wird man wie gewohnt gut unterhalten. In schallendes Gelächter verfällt aber wohl nur derjenige, dem es gelingt, den Wahnsinn zwischen den Zeilen auszublenden.

QualityLand 2.0: Kikis Geheimnis

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