Und die Welt war jung

Erschienen: September 2020

Bibliographische Angaben

- HC, 576 Seiten

- Bd. 1

Couch-Wertung:

90
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Sandra Dickhaus
Der Beginn einer neuen Familiensaga in der Nachkriegszeit

Buch-Rezension von Sandra Dickhaus Nov 2020

Die Drei-Städte-Saga findet hier ihren Anfang: Wir schreiben das Jahr 1950, in allen Teilen Deutschlands sind die Menschen mit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg beschäftigt. An drei Orten werden die Hauptprotagonisten vorgestellt, die der Leser den ganzen Roman über in allen Lebenslagen begleitet:

Gerda und Heinrich Aldenhoven leben im zerstörten Köln, sie führen momentan eher schlecht als recht eine Kunstgalerie und versuchen ihr Leben – soweit dies in der Nachkriegszeit möglich ist – geordnet und in relativ normalen Bahnen laufen zu lassen. Gerdas Freundin Elisabeth wohnt mit ihrer Familie in Hamburg, als Sparkassenangestellter muss sich ihr Mann Kurt eher weniger Sorgen um Geld und das tägliche Brot machen. Ihre bei ihnen lebende Tochter Nina hat einen kleinen Sohn, der seinen Vater nie kennenlernen konnte, da dieser noch immer als verschollen gilt; seit März 1945 wird er in Russland vermisst. Allerdings lernt Nina fünf Jahre später auf einer Silvesterparty den Engländer Vinton kennen. Jetzt geht es darum, ob sie noch an eine Rückkehr ihres Mannes glauben kann oder nicht. Andere Sorgen hat dagegen die nach San Remo gezogene Schwester Heinrichs, Margarethe: Ihr Mann Bruno entstammt einer wohlhabenden Familie, und auch aus diesem Grund gestaltet sich das Zusammenleben mit seiner Mutter als ziemlich anstrengend. Ihr Sohn Gianni hat ebenfalls eigene Pläne.

Drei Familien, drei verschiedene Orte, viele unterschiedliche Schicksale

Dies ist die Geschichte dreier Familien, die durch freundschaftliche oder auch familiäre Bande miteinander verknüpft sind. Jedes Mitglied der drei Familien hat seine eigenen Sorgen und Nöte, verbunden durch den Fakt, dass sie alle in den nachkriegsgeprägten 50ern leben. Ein Jahrzehnt, gefüllt mit Glück, Leid, Sorgen, Freude und Herausforderungen – die einzelnen Schicksale, Gedanken und Gefühle der Protagonisten werden ansprechend erzählt. Die drei Handlungsorte der drei Familien wechseln sich kapitelweise ab, sodass man beim Lesen manchmal kurz innehalten muss, um die Figuren den richtigen Geschehnissen zuordnen zu können. Dabei geht es um mehrere Jahre, in denen man verfolgen kann, was bei oder mit den einzelnen Familien geschieht. Hierbei geht es vor allem um die Bewältigung der deutschen Vergangenheit, die Schicksale, die dahinter stehen und die Folgen, die sich daraus ergeben. Jeder Einzelne muss sein Leben praktisch wieder neu aufbauen, und dies in einer sehr verletzlichen Zeit.

Die Geschichte rund um die drei Familien lässt sich flüssig, ansprechend und nachvollziehbar lesen, so wie man es schon von Carmen Korn in dem vorherigen Dreiteiler gewohnt war. Dabei erscheint, trotz der Fülle an Ereignissen und Figuren, nie etwas unstimmig oder lässt einen ratlos zurück. Auch wenn die Geschichte teils durch Melancholie geprägt ist (was aber der Epoche zuzuordnen ist), wirkt das Ganze nicht durchgehend traurig; doch ab und an sehnt man sich nach mehr Leichtigkeit, Fröhlichkeit. Auch wenn so manches Mal nicht eindeutig scheint, was in der jeweiligen Situation zu tun ist, es die Figuren zermürbt, ergibt sich immer etwas Neues, wenn man nur die Geduld dazu aufbringt. Dies macht das Ganze so realistisch und auch lesenswert.

Fazit

Die Autorin zeigt in ihrem neuen Roman den Zeitgeist der Nachkriegszeit, wobei sie treffende, absolut nicht platte, sondern vielschichtige Charaktere zeichnet. Die Handlung verlegt sie geschickt an drei unterschiedliche Orte, um ein ganzheitliches Bild schaffen und eine größere Bandbreite an Vergangenheitsbewältigung zeigen zu können. Dabei fühlt man sich als Leser nie außen vor, sondern schon von Beginn an integriert, kann mitfühlen und mitdenken. Zum Glück geht es bald weiter!

Und die Welt war jung

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