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Carola Krauße-Reim
Ein Haus bestimmt das Schicksal von drei Familien

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Aug 2020

2001 erwirbt Familie Lekebusch die Villa Rosen im Grunewald. Das Haus ist in mehrfacher Hinsicht etwas ganz Besonderes: vom später zu Ruhm gelangten Architekten Max Taubert erbaut, ist es das einzige von ihm entworfene Wohnhaus, das zudem in seiner Konzeption und Ausführung seiner Zeit weit voraus war. Doch hängt es wie eine Wolke über den Familien Rosen, Taubert und Lekebusch und birgt zudem ein gut gehütetes Geheimnis, das in Zusammenhang mit der Zeit des Dritten Reiches steht und jetzt ans Licht zu kommen droht…

Zwei Handlungsstränge bilden die Geschichte

Andreas Schäfer verknüpft das Schicksal der Familien Taubert, Rosen und Lekebusch mit der Geschichte des Hauses. Er spannt einen zeitlichen Bogen von 1909 bis 2013, wobei er nicht linear erzählt, sondern immer wieder die Zeitebenen wechselt. Der Leser erfährt so rückblickend, wie Haus und Bewohner sich aneinander gewöhnen, welches Verhältnis Architekt und Bauherr pflegen und wie die schicksalhaften Jahre der Naziherrschaft in das Leben von Max Taubert und Elsa Rosen eingreifen. Die zweite Zeitebene ist die Gegenwart: 2001 beziehen Hannah und Frieder Lekebusch mit ihrem Sohn Luis die Villa. Wieder steht die Beziehung von Haus und Bewohnern im Vordergrund. Das Familienleben der Lekebuschs wird durch Hannahs übergroße Faszination für das Haus beeinflusst und stellt ihre Ehe und ihr Verhältnis zu ihrem Sohn auf eine harte Probe. Rückblicke in die Vergangenheit zeigen, dass sich Abhängigkeitsverhältnisse wiederholen, dass das Geheimnis des Gartenzimmers damals und heute Einfluss auf das Leben der Bewohner hat und dass das Haus eine Art Eigenleben zu haben scheint. Durch den ständigen Wechsel der Zeitebenen wird die Geschichte nicht nur einfach heruntererzählt; sie offenbart sich dem Leser nach und nach und bleibt so durchweg spannend.

Der wichtigste Protagonist ist die Villa Rosen

So gut die Geschichte auch aufgebaut und strukturiert ist, krankt sie an der Darstellung der Charaktere. Es gibt keine unwichtigen Personen; alle Beteiligten sind Protagonisten und dennoch werden sie nur oberflächlich abgehandelt. Auch wenn man Einblicke in ihre Gefühlswelt erhält, erscheinen sie als Individuen doch nur angerissen und erlauben damit keinen emotionalen Zugang. Das macht sie durchweg unsympathisch, was wiederum - wenn überhaupt - nur wenig Empathie beim Leser hervorruft, auch wenn das Schicksal zuschlägt. Die Reaktionen der Agierenden sind dann auch manchmal so übertrieben, dass der Gedanke aufkommt, sie müssten so unglaubwürdig handeln, damit es in die Handlung passt. Das nimmt nicht nur dem Roman viel Authentizität, sondern auch den Charakteren an sich. Lediglich der Villa selbst erlaubt der Autor einen starken Auftritt: Die Atmosphäre im Haus ist greifbar, es scheint die Ereignisse im Laufe der Jahre regelrecht in seine Mauern gesogen zu haben, was zu einer Art architektonischem Gedächtnis führt, das nie vergisst. Schäfer beschreibt die Villa als steinernen Organismus, der Schicksal spielt und allein durch seine Existenz Einfluss auf das Leben seiner Bewohner hat, die ihm alle, ohne dass sie es sich bewusst machen, unterliegen. Dadurch wird das Haus zum wichtigsten und gleichzeitig am besten charakterisierten Protagonisten, der zudem ein Geheimnis birgt. Dieses wird allerdings als so signifikant und grauenvoll eingeführt, dass man bei Auflösung zwar angewidert, aber nicht sonderlich überrascht ist.

Wer war Max Taubert?

Auch wenn der Autor betont, dass Figuren und Ereignisse rein fiktiv sind, muss man sich über die Person Max Taubert doch wundern. Allein schon der Name führt nach der Versicherung des Autors zu Irritation, denn einen Architekten dieses Namens hat es tatsächlich gegeben; er war Anfang des 20. Jahrhunderts in Breslau tätig. Schlechte Recherche von Andreas Schäfer oder doch gewollte Ähnlichkeit? Überhaupt kommen bei der Lektüre immer wieder Gedanken an das Bauhaus auf. Diese Schule hat mit ihrer Auslegung von Architektur doch viel mit dem Entwurf der Villa Rosen gemein und außerdem eine starke Verbindung nach Breslau. Mancher Leser könnte in Max Taubert den Bauhaus-Lehrer Mies van der Rohe sehen, oder zumindest einen Vertreter des Bauhaus-Stils. Es ist eigentlich unerheblich, ob wirklich alle Personen erdacht sind oder nicht, nur sollte man als Autor nach einer solchen Versicherung dann wirklich auf allen Ebenen frei Erfundenes wiedergeben, damit solche Assoziationen erst gar nicht aufkommen und eventuell historische Personen ins Blickfeld geraten, denen dann schnell fiktive Ereignisse angedichtet werden könnten.

Fazit:

Andreas Schäfer erzählt die Geschichte der Villa Rosen, die verbunden ist mit dem Schicksal ihrer Bewohner. Dabei schreibt er flüssig, aber ohne großen Anspruch an den Leser, was das Lesevergnügen aber nicht schmälert. Das Gartenzimmer ist eine Lektüre für Architektur-Liebhaber, aber auch für Leser, die Interesse an Familiengeschichten haben, die Vergangenheit und Gegenwart miteinander verbinden.

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