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Carola Krauße-Reim
Vielleicht hilft nur noch ein Engel im Nahostkonflikt

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Aug 2020

Joana Osman, Jahrgang 1982, legt mit Am Boden des Himmels ihren Debütroman vor. Als Tochter eines Palästinensers und einer Deutschen hat sie die Problematik des Nahostkonfliktes in der eigenen Familie erlebt. 2012 ist sie Mitbegründerin der Friedensbewegung „The Peace Factory“, die sich um den Dialog zwischen den verfeindeten Gruppen und den unterschiedlichen Kulturen bemüht.

Ein Engel erscheint

Malek Sabateen ist ein junger Palästinenser, der fast ohne Zutun verfeindete Menschen dazu bringt, ihren Hass zu vergessen und sich zu versöhnen. Während die einen ihn als Engel und Heilsbringer sehen, wollen die anderen ihn als Staatsfeind und Terroristen loswerden. Nach Maleks Verhaftung bricht in Jerusalem eine Gewaltwelle los, die für neuen Hass zwischen Moslems und Juden sorgt. Dem 10-jährigen Omar gelingt es, die palästinensische Journalistin Layla zu einer entsprechenden Story zu bewegen. Doch diese braucht die Hilfe eines israelischen Polizisten, damit sie auch die Sichtweise der anderen Seite kennenlernen kann. Aber es braucht viel Mut, Vorurteilen den Rücken zu kehren und sich auf die vermeintlichen Feinde einzulassen – egal, ob man Palästinenser oder Jude ist.

„Frieden ist ein geistiger Zustand...“

Malek ist ein Engel wider Willen: Mit seiner geistigen Sanftmütigkeit schafft er es ohne Absicht, dass sich Feinde plötzlich in den Armen liegen oder sein allabendliches Singen als Gesang eines Engels in einer himmlischen Sprache sehen. Dabei ist es lediglich seine eigene erfundene Sprache, in der er singt, denn er kann kein Englisch und kennt nur die Melodien der Lieder aus dem Radio. Er ist sich nicht bewusst, dass sein Tun Konsequenzen hat. Man hat den Eindruck, dass er geistige Defizite aufweist, denn nichts und niemanden kümmert ihn und auch die Inhaftierung in einem israelischen Gefängnis kann ihm nichts anhaben. Durch seine Gleichgültigkeit dem Konflikt gegenüber lässt er Grenzen hinter sich und veranlasst die Menschen, sich in ihr Gegenüber zu versetzen. Seine Figur erinnert an Jesus, der auch Terrorist und Messias in Personalunion war.

Erst die Journalistin Layla entdeckt die Beweggründe für Maleks unterschiedliche Beurteilung. Er ist natürlich kein Engel, aber was dann? Sie erkennt, dass er nur als „Projektionsfläche“ dient und so jeder seine innersten Wünsche in Maleks sanftem Wesen wiedererkennt. Damit macht er den im Verborgenen versteckten Wunsch nach Frieden und gewaltlosem Zusammenleben offensichtlich, den keiner wirklich auszusprechen mag oder gar danach zu handeln versucht; denn die Angst, in der eigenen Gruppe als Verräter dazustehen, ist groß. Aber Frieden beginnt im Kopf, und so braucht es eben den vermeintlichen Engel als Alibi und Auslöser, damit endlich die Mauern durchbrochen werden und Palästinenser und Juden aufeinander zugehen. Doch kann Layla mit dieser Erkenntnis Malek aus dem Gefängnis holen und dem Waisenkind Omar helfen?

Hier mischen viele Personen mit

Die eigentliche Hauptfigur des Romans ist die junge Journalistin Layla: Sie will sich nicht in die Rolle als Ehefrau und Mutter pressen lassen, verlässt ihr Elternhaus und zieht nach Tel Aviv. Sie wäre eine optimale Protagonistin gewesen, hätte es die Autorin dabei belassen. Doch sie lässt Layla zu einer Art Seherin werden, die sich jede Nacht mit merkwürdigen Träumen quält oder tagsüber schlagartig in eine Art Trance verfällt, in der sie sich Situationen ausgesetzt sieht, die sie so niemals selbst erlebt haben kann - schade, denn dadurch nimmt sie einer Frau, die lange manifestierte Grenzen überschreitet, indem sie Kontakt zu Juden aufnimmt, viel an Glaubwürdigkeit.

Neben Layla gibt es mehrere andere Protagonisten, wie den kleinen Omar, den jüdischen Dozenten Lior oder den israelischen Polizisten Dror. Diese sind gut herausgearbeitet, wobei der liebeskranke Lior so nun wirklich nicht hätte sein müssen. Die Geschichte rund um Malek wäre genug gewesen, die übertriebene Liebesgeschichte nimmt zu viel Platz ein und hätte sich weniger schmalztriefend und umfangreich besser in die Haupthandlung eingefügt. Aber neben den Genannten mischen auch noch zahlreiche weitere Personen mit: Mütter, Väter, Geschwister, Cousinen, Polizisten, Dorfbewohner... da kann man manchmal fast den Überblick verlieren. Aufmerksames Lesen ist angesagt, auch wenn mancher aufgebaute Charakter schlussendlich dann doch keine so große Rolle spielt.

Der Zugang zur Geschichte ist nicht einfach

Schon durch die zahlreichen Handelnden ist der Zugang zum Erzählten nicht einfach. Dazu kommt ein ausschweifender und sehr ausführlicher Stil, der ein bisschen an die blumige Sprache orientalischer Märchen erinnert. Selten kommt die Autorin wirklich auf den Punkt und schafft es dadurch nicht, den Leser selbstvergessen an die Handlung zu fesseln. Doch die Geschichte ist es wert, gelesen zu werden. Der Hass zwischen den Gruppen, die Angst vor Anschlägen und die Auswirkung derselben – das alles ist greifbar. Joana Osman hat es geschafft, die palästinensische und israelische Sichtweise zu schildern, ohne dabei eine Wertung abzugeben. Dazu kommt die ganz persönliche Geschichte von Layla, dem kleine Osman und natürlich dem leidenden Lior; diese ist etwas überfrachtet, aber zeichnet doch anschaulich das Leben in Israel und den Palästinensergebieten. Die Autorin lässt erahnen, welche täglichen Schwierigkeiten zu überwinden sind und wie tief das Misstrauen sitzt.

Fazit

Am Boden des Himmels macht die Probleme zwischen Palästinensern und Juden greifbar. Joana Osman verpackt diesen Konflikt in eine etwas phantastische Geschichte, die bedauerlicherweise nicht in Gänze zu fesseln versteht. So begrenzt sich meine Empfehlung auf Leser, die sich für die Region, die unterschiedlichen Kulturen dort und die politische Lage, die sich daraus ergibt, interessieren.

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