Hündin

Erschienen: September 2020

Bibliographische Angaben

- OT: La perra

- aus dem Spanischen von Mayela Gerhardt

- HC, 151 Seiten

Couch-Wertung:

75

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Yannic Niehr
Monsun der Erinnerungen und Dürre der Seele

Buch-Rezension von Yannic Niehr Okt 2020

Ein unscheinbares Dorf mitten im kolumbianischen Regenwald. Ebbe und Sturmflut, Blitz und Donner, Hitze und Dickicht. Hier, im zerklüfteten Herzen des Landes, lebt Damaris mit ihrem Mann Rogelio in den Tag hinein. Während er hinausgeht zum Fischen und zum Jagen, hält Damaris das nahegelegene Anwesen der Familie Reyes in Ordnung. Ansonsten gibt es nicht viel zu tun außer einem gelegentlichen Plausch mit Cousine Luzmila.

Einst war Damaris‘ Familie selbst wohlhabend, sie lebte in einem großen Haus und ihr ging es gut. Doch mehr als einmal schlug das Schicksal zu. Nun hat sie nichts mehr und bewohnt mit ihrem Mann eine ärmliche Hütte; die Reyes sind fort, und die Reinigung der Räumlichkeiten erledigt sie unentgeltlich - hauptsächlich aus einem Schuldgefühl heraus, dessen Wurzeln lange zurückliegen. Zu allem Überfluss ist es Rogelio und Damaris einfach nicht vergönnt, ein Kind zu bekommen – obwohl letztere längst im mittleren Alter ist.

Doch dann wird das Haustier der alten Doña Elodia aus dem Dorf vergiftet (wie es nicht allzu selten vorkommt), und nun hat sie einen Wurf frischer Welpen an der Hand, die sie unmöglich alle durchbringen kann. Kurzerhand entschließt sich Damaris, eines der Tiere bei sich aufzunehmen. Wird die Hündin eine Veränderung in Damaris‘ Leben bedeuten? Oder ist so etwas wie Veränderung an diesem Fleckchen Erde gar nicht möglich?

„Aber mit der Hündin würde alles anders sein …“

Pilar Quintana hat sich unter den zeitgenössischen lateinamerikanischen Autor*innen längst einen Namen gemacht. Mit Hündin legt sie ein kleines, aber feines Werk vor, das in Kolumbien bereits zum Bestseller avancierte. Es besticht unter anderem durch seine lebendige Bildhaftigkeit: Die feucht-schwüle Luft, das Rauschen der Gezeiten, das Grollen der gewaltigen Unwetter, die ehrfurchtgebietende Steilküste, das satte Grün das Waldes – hier wird das Leben unter der Herrschaft von grausamen Naturgewalten ebenso anschaulich beschrieben wie das simple, aber bedrückende soziale Gefüge, in welchem die Figuren sich befinden. Die Erzählperspektive bleibt stets ganz nah bei Damaris; dabei ist die Sprache sehr einfach gehalten, um ihre eingeengte Realität und pragmatische Denkweise einzufangen. So gelingt Quintana eine erstaunliche Gratwanderung zwischen stilistischer Reduktion und sinnlicher Poetik.

„Ich war schon immer vertrocknet …“

Ein Schuss Sozialkritik findet sich zwischen den Zeilen. Zwar erfährt man nur wenig über Rogelios und Damaris‘ Umfeld, dennoch zeichnet sich schnell ein klares Bild: An diesem Ort ist soziale Mobilität höchstens nach unten möglich, jeder hat seinen festen Platz, und der gesellschaftliche Erwartungsdruck ist hoch. Ihre Kinderlosigkeit verfolgt Damaris auf Schritt und Tritt, ist jedoch nur einer der Gründe für ihre Gefühle der Wertlosigkeit; das Buch lässt uns nämlich auch teilhaben an Ereignissen aus der Vergangenheit, die tiefe Narben hinterlassen haben. Fast wünscht man sich beim Lesen, dass die titelgebende Hündin das Loch in Damaris‘ Leben wird füllen können und ihr das Kind wird, das sie nie hatte. Doch so berechenbar funktioniert das Leben an diesem Ort nicht, und es offenbart sich, das Verbitterung manchmal so tief und finster sein kann wie die unwirtlichsten Winkel des Urwalds.

Leider ist das Buch mehr als kurze Erzählung denn als Roman zu bezeichnen, und eine große Pointe (ob nun als hoffnungsvolles „Happy End“ - was sicher nicht funktionieren würde – oder als zynischer Schlag in die Magengrube – was vielleicht gepasst hätte) bleibt eher aus. Diese Kargheit ist dem Inhalt zwar angemessen, aber sie hinterlässt bei der Leserschaft ein Gefühl der Leere. Es ist gut möglich, dass dieses Gefühl von Quintana beabsichtigt ist. Und doch kommt man nicht umhin, sich zu fragen, was die Autorin mit einer epischeren Bandbreite noch hätte vollbringen können.

Fazit

Hündin ist zwar nicht direkt leichte Kost, aber dennoch eher etwas für zwischendurch. Empfehlenswert ist die Lektüre trotzdem - vor allem aufgrund von Pilar Quintanas literarischem Können!

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