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Monika Wenger
Was ist Heimat?

Buch-Rezension von Monika Wenger Sep 2020

Als Dreizehnjährige muss Leonore Klimkeit aus ihrer Heimat Ostpreußen fliehen. Nach langer Flucht findet sie eine Bleibe beim Bäcker Hannes Immerath in Lich-Steinstraß in der Nähe von Jülich. Jahre später muss sie jedoch auch diese neue Heimat verlassen: Das Dorf und seine Bewohner müssen wegen des Braunkohleabbaus weichen…

Flucht und Neuanfang

Mit nichts als ihren Kleidern am Leib kommt Leonore in dem kleinen Dorf Lich-Steinstraß an. Dort trifft sie auf den Bäcker Hannes Immerath, welcher zu dieser Zeit mit seinem Handwagen von seiner Auslieferungsrunde zurückkommt. Er ist ein liebenswerter Mensch mit einem großen Herzen. Hannes nimmt das Kind Leonore bei sich auf, gibt ihr ein Dach über dem Kopf und bringt ihr im Laufe der Jahre das Bäckerhandwerk bei.

Stets fremd

Die Bewohner des Dorfes jedoch behandeln sie noch nach Jahrzehnten als Fremde und nennen sie «die Evangelische aus dem Osten». Nur der Harbinger Arnold wird ihr Vertrauter, ihr Freund. Auch er ist ein Außenseiter.

«Leonore begriff auch ohne ein weiteres Wort, warum sich Arnold heute noch versteckte. Es hatten sich nur die Zeiten geändert. Die Menschen waren noch immer dieselben.»

Als Leonore als unverheiratete Frau ein Kind bekommt, hält Hannes trotz der Anfeindungen der Dorfbewohner zu ihr und unterstützt sie. Als er stirbt, übernimmt Leonore die Bäckerei und kann so weiterhin für ihren Sohn sorgen. Nun ist sie definitiv in der neuen Heimat angekommen, obwohl die ablehnende Haltung der Einwohner von Lich-Steinstraß keineswegs nachgelassen hat.

Doch schon bald ist die Evangelische aus dem Osten kein Thema mehr - es gibt Ungemach von ganz anderer Seite: Das Dorf soll wegen des großen Braunkohlevorkommens im Boden umgesiedelt, der Wald abgeholzt werden. Leonore verliert erneut ihre Heimat, und sogar in der eigenen Familie bestehen Meinungsverschiedenheiten: Ihr Enkel Jan arbeitet auf einem Großschaufelbagger, ihre Enkelin Sarah engagiert sich als Studentin stark im Umweltschutz - das erzeugt Reibereien ohne Ende…

Von drei Generationen

Andres Wagner erzählt in seinem Roman Jahresringe in verschiedenen Zeitetappen die Geschichte dreier Generationen. Rund um den Braunkohleabbau und die daraus resultierenden, enormen Veränderungen in der Natur wie auch in der Gesellschaft lautet die Frage: Was ist Heimat?

Die erste Zeitebene handelt von der Zeit zwischen 1946 und 1964 und erzählt unaufgeregt, aber ergreifend von der Flucht Leonores aus Ostpreußen. Nur langsam tritt die ganze Tragik im Leben dieses jungen Mädchens zu Tage. Das ist sehr gut und eindrücklich erzählt! Die beiden nächsten Zeitschienen, 1976 bis 1986 sowie 2017 bis 2018, widmen sich vor allem dem Geschehen rund um den Braunkohleabbau im Hambacher Forst; im Vordergrund steht dabei die Geschichte von Leonores Sohn Paul und seinen Kindern Jan und Sarah. Hier verliert der Roman an Fahrt und Tiefe. Trotzdem eine lesenswerte Lektüre über ein noch immer aktuelles Thema!

Fazit

Eine aufwühlende und berührende Geschichte, einfach und unaufgeregt geschildert - die Geschichte dreier Generationen rund um das Thema Heimat, Verlust und Menschlichkeit; aber auch ein Aufruf und eine Erinnerung an den Hambacher Forst und ein Aufzeigen der Auswirkungen des Braunkohleabbaus auf die Natur und die dort lebenden Menschen.

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Letzte Kommentare:
09.09.2020 09:27:10
leseratte1310

Ich lebe selbst am Rande des Braunkohle-Tagebaus und bin zwar nicht von der Umsiedlung wie einige unserer Verwandten, aber dennoch von den Auswirkungen betroffen. Als ich den Klappentext dieses Buches gelesen hatte, wusste ich, dass ich dieses Buch lesen musste. Allerdings hatte ich ein wenig Zweifel, denn wie sollte diese umfassende Geschichte in rund 250 Seiten erzählt sein.
Leonore Klimkeit hatte schon einmal ihre Heimat verloren, als sie aus Ostpreußen flüchten musste. In ihrer neuen Heimat in der Nähe von Jülich, der Wald rund um den kleinen Ort wird ihre Zuflucht. Doch sie wird immer als Fremde betrachtet. Aber sie richtet sich ein und glaubt, bleiben zu können. Wieder aber wird sie vertrieben, als die Bagger kommen und das Dorf weggebaggert wird. Zu der Zeit ist ihr Sohn Paul zwölf Jahre. Eine Neubausiedlung soll die neue Heimat werden für sie und ihre Familie. Doch der Tagebau sorgt auch für einen Graben in der eigenen Familie. Während ihr Enkel Jan auf dem Bagger seinen Job macht, ist Enkelin Sarah gegen den Tagebau und wird zur Besetzerin des Hambacher Forstes.
Das Buch liest sich flüssig und der Schreibstil hat mir gefallen. Dennoch waren auch meine Zweifel berechtigt, denn es ist wirklich viel in diese recht kurze Geschichte hineingepackt worden. Am besten haben mir die eindringlichen und authentischen Schilderungen im ersten Teil gefallen. Dagegen blieben die späteren Jahre recht farblos.
Die Figuren sind lebendig und authentisch dargestellt. Leonore war mir sympathisch. Sie nimmt das Leben wie es kommt. Auch wenn es schwierig wird, lässt sie sich nicht unterkriegen. Für mich ist sie die Hauptperson in diesem Roman.
Trotz kleiner Schwächen hat mir diese ruhige Geschichte über Heimat, Verlust und Familie gut gefallen.

Film & Kino:
The Crown - Staffel 3

Die Queen in ihrer vordergründig repräsentativen Rolle ist eine zeitgeschichtliche Ikone, sodass der Erfolg der seit 2016 bei Netflix laufenden Serie „The Crown“ nicht verwundert. Die dritte Staffel markiert allerdings einen Umbruch: Die Royal Family ist in den 60er-Jahren angekommen und viele Rollen werden neu besetzt, da auch die Blaublüter nicht vor dem Altern gefeit sind. Titel-Motiv: © Des Willie / Netflix

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