Eine Frau in New York

Erschienen: Juni 2020

Bibliographische Angaben

- OT: The Odd Woman and the City

- aus dem Englischen von pociao

- HC, 160 Seiten

Couch-Wertung:

90

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Lena Bräuer
Wir finden uns, indem wir anderen begegnen

Buch-Rezension von Lena Bräuer Jul 2020

Vivian Gornick, US-amerikanische Schriftstellerin und Feministin der alten Schule, nimmt uns in diesem Buch mit auf Ihre Streifzüge durch New York. Wir werden Teil ihrer Begegnungen, ihrer Gedankenwelt und erfahren in Vignetten wie rasant, erschütternd, interessant und erleuchtend das Leben in der Stadt, die niemals schläft, sein kann…

„Ich hatte den Geschmack von Welt, schierer Welt auf der Zunge. Ich musste nur alt genug werden, und New York würde mir zu Füßen liegen“

Gornick ist eine herausragende Beobachterin, die Besonderheiten im Alltäglichen, im scheinbar Banalen findet. Sie schildert die Begegnungen von Menschen, die Fragmente einer Stadt und die Essenz, die beides ausmacht, auf authentische Art und Weise. Sie analysiert ihr eigenes Leben wie das ihrer Mitmenschen, und dabei spielen alle Facetten von Freundschaft, über Trauer oder Liebe bis hin zu Sex eine Rolle. Das Buch ist einnehmend geschrieben, die Worte klar gewählt, präzise und klug. Die Darstellung des Zwischenmenschlichen reicht von einfach bis bewegend. Wie sehr wir manchmal andere Menschen brauchen, um uns selber zu erkennen, den Schmerz und die Freude des Lebens, die dunklen und die hellen Seiten der Großstadt - all die Dinge, die das Leben und die Beziehungen, die wir führen, ausmachen, sind ein Teil dieser bunten Collage.

„Die Bedeutung der Stadt lag darin, dass sie die Einsamkeit erträglich macht“

Es sind stille Beobachtungen, kleine Einblicke in fremde Leben: ob es das Gespräch zwischen zwei Studentinnen in einem Café ist; die Rufe eines Bettlers vor dem Haus der Autorin; ein Mann, der mit seinem Sohn in der Bahn spielt. Es sind nicht immer schöne Begegnungen, aber sie wirken stets echt. Das Buch sagt auf eine Weise nicht viel über New York aus  - und am Ende doch alles, was man wissen muss. Von trivial bis emotional haben all diese Bestandteile ihren Platz in den kleinen Stadtgeschichten. Gornick lässt auch Autobiographisches einfließen: So sinniert die Schriftstellerin immer wieder über das Verhältnis zu Ihrer Mutter, ihre Erfahrungen mit der Liebe, Freundschaften und die Dinge, die sie zu der Person gemacht haben, die sie ist.

„Wir, die ewigen Grundlinge, die durch die schäbigen, schwindelerregenden Straßen wandern, auf der Suche nach einem Ich, das sich im Blick eines fremden spiegelt…“

Es ist nicht ganz einfach, dieses Buch von Vivian Gornick zu rezensieren. Es folgt keiner stringenten Erzählung und ist kein Roman im eigentlichen Sinne; vielmehr ist es eine Collage von Gedanken, Erinnerungen und Begegnungen. Wer hier einen roten Faden sucht, wird ihn nicht finden. Doch wer sich auf die sprunghaften Gedankenflüsse des Buches einlässt, wird belohnt werden. Gornick ist authentisch, kritisch, intelligent und lustig. Ihr Blick ist messerscharf und betrachtet sich und andere ohne Verklärungen. Ihr wird zwar im Laufe des Buches von einer Freundin vorgeworfen, New York zu romantisieren, aber diesen Eindruck teile ich nicht.

Fazit

Man muss sich darüber im Klaren sein, dass dieses Buch kein Reiseführer oder klassischer Roman ist; hier wird ein Lebensgefühl widergespiegelt. Die Vielfältigkeit der Stadt New York, die verschiedenen Charaktere, die durch die Straßen ziehen, und eine Frau, die sich bei ihren Wanderungen durch die Metropole gleichzeitig verliert und findet - ein sehr interessantes Buch einer sehr interessanten Frau!

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