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Lena Bräuer
Viva la Frida

Buch-Rezension von Lena Bräuer Nov 2020

Frida Kahlo ist ohne Zweifel eine der schillerndsten und interessantesten Figuren des zwanzigsten Jahrhunderts. Mittlerweile wird sie nicht nur für ihre eindringliche Kunst gefeiert, sondern ist zu einer echten Ikone avanciert, die sowohl im Kulturbereich als auch in der feministischen Bewegung großen Anklang findet. Ihr Konterfeit ist inzwischen so legendär, dass es Tassen, T-Shirts und Poster ziert. Maren Gottschalk hat sich in ihrem Roman eben an genau diese mystifizierte Person herangewagt - doch anders als in ihrer Frida-Kahlo-Biografie erzählt sie die Lebensgeschichte aus der Sicht der Künstlerin selbst, und hat damit ein intimes Porträt einer Frau geschaffen, das sowohl faszinierend als auch menschlich ist. Sie lässt den Leser teilhaben an Fridas Zeit in New York und Paris, ihrer künstlerischen Emanzipation, ihren Freund- sowie Liebschaften, und gewährt dem Rezipienten so einen Einblick in ein spannendes Leben.

Was ich im Wasser sah

Maren Gottschalk versetzt uns in das New York und Paris der 20er und 30er Jahre: Man spürt das Flair einer anderen Ära und bekommt den Eindruck, einen Einblick in verschlossene Welten erhaschen zu können. So diniert man mit Künstlern und Schauspielern und feiert Feste mit Gelehrten und der High Society. Als Leser erschließt man die Städte und ihre Besonderheiten mit Frida und lässt sich von ihr an die geschichtsträchtigsten und für die Künstlerin prägendsten Orte Mexikos führen. Zudem spielt die Politik der Zeit eine immanente Rolle: Kahlos kommunistische Überzeugungen und der sich anbahnenden Zweite Weltkrieg sind allgegenwärtig.

Die zwei Fridas

Die Liebschaften Frida Kahlos nehmen einen großen Teil dieses Buches, ein und besonders hier verschwimmen Wirklichkeit und Fiktion. Das Liebesleben der Künstlerin ist sehr geheimnisvoll und gibt Maren Gottschalk viel Raum zur Interpretation. Auch die körperlichen Gebrechen und persönlichen Laster werden nicht beschönigt. Es gelingt der Autorin, mit ihrer Version von Frida einen dreidimensionalen Charakter mit Tiefgang zu schaffen, fernab von den bereits bestehenden Darstellungen der Künstlerin. Besonders spannend sind zudem die Rückblicke auf Fridas Leben in Mexiko: der tragische Unfall, der sie als junges Mädchen ereilt und die Leiden und Leidenschaften, die dieser zur Folge hat. Fridas Liebe zu ihrer Heimat wird wundervoll dargestellt; die Bedeutung des Landes für Kahlo als Nährboden für ihre Kunst und sich selbst.

Fazit

Besonders für Interessierte, die mehr über Frida Kahlos Leben erfahren möchten, aber vielleicht nicht wissen, wo sie beginnen sollen, ist dieses Buch der perfekte Einstieg. Es verknüpft auf wundervolle Weise die Tragweite eines historischen Romans mit einem eindringlichen und komplexen Künstler- und Frauenporträt. Das Buch macht Lust darauf, selber nachzuforschen, was Wahrheit und Fiktion ist, die erwähnten Gemälde und Fotografien zu finden und sich weiter mit dem Leben Fridas zu beschäftigen. Das Buch ist fesselnd geschrieben und bittersüß. So tragisch eine Lebensgeschichte auch sein kann, Frida Kahlo und dieser Roman sind eine Ode an die Kunst, die Liebe und das Leben. Viva la Vida!

Frida

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