Die Surrealistin

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

- OT: Leonora in the Morning Light

- aus dem Englischen von Silke Jellinghaus und Katharina Naumann

- HC, 512 Seiten

Couch-Wertung:

80

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Carola Krauße-Reim
Die Liebesgeschichte von Leonora Carrington und Max Ernst

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Aug 2020

1937 verliebt sich die junge Malerin Leonora Carrington in den verheirateten Max Ernst. Sie bricht mit ihrer Familie und zieht mit ihm nach Paris, wo sie in die Kreise der Surrealisten eingeführt wird. Dalí, Leonor Fini, aber vor allem Max Ernst beeinflussen ihre Malerei und ihr Schreiben. In Südfrankreich finden sie und Ernst endlich die richtige Umgebung um in Ruhe malen zu können. Doch dann beginnt der Zweite Weltkrieg und ihre heile Welt zerbricht.

Ein Exkurs in die Welt der Surrealisten

Romane über historische Persönlichkeiten sind immer eine heikle Sache - wenn man die Protagonisten kennt, könnte man enttäuscht sein, weil sie im Buch unrealistisch dargestellt wurden; kennt man sie nicht, könnte schnell ein völlig falsches Bild von ihnen entstehen; die Ereignisse sind weitreichend bekannt und geben einen engen Rahmen vor, der nur minimale Kreativität zulässt und das Ende der Geschichte kann auch nicht mehr umgeändert werden, ist es durch die Realität doch schon bestimmt. Doch die Amerikanerin Michaela Carter schafft diesen Spagat. Sie legt eine durchweg ansprechende, wenn auch auf keinem hohen Niveau geschriebene Geschichte vor, die den Leser vor allem durch seine individuellen Figuren fesselt. Dabei dürfte der Surrealist Ernst dem Leser geläufiger sein als Carrington, immerhin auch eine der Hauptvertreterinnen dieser Stilrichtung. Der Leser begleitet die beiden während ihrer ganzen Zeit als Paar, wobei Leonora die eigentliche Protagonistin ist. Aber auch Max nimmt als zweite Hauptfigur einen Teil des Romans ein. Dabei erzählt die Autorin jedoch nicht einfach die Geschichte der beiden herunter: Eingestreut in die Zeit vor dem Krieg werden die Erlebnisse von Ernst während der Internierung, dann folgt man eine Weile Leonora auf ihrer Flucht vor den Deutschen, dann wieder Ernst auf der Suche nach ihr – immer zeitversetzt. Erst als die beiden sich wieder treffen wird es chronologisch, wobei die gealterte Leonora 1997 als Erste im Roman zu Wort kommt und gleich das Hauptthema zur Sprache bringt: Die fehlende Emanzipation der Frauen in der Welt der angeblich so frei denkenden Surrealisten.

Künstler sind selten eindimensionale Persönlichkeiten

Künstler sind Freigeister und als solche schwer zu fassen und noch schwerer als Figuren in einen Roman zu pressen. Doch Michela Carter hat es sehr anschaulich geschafft, die Entwicklung Leonora Carringtons von der verliebten und völlig von Max Ernst abhängigen jungen Frau hin zu einer selbstständigen und emanzipierten Künstlerin aufzuzeigen. Dabei bedient sie sich nicht zuletzt der Werke dieser ungewöhnlichen Frau, indem sie die persönliche Entwicklung mit der künstlerischen verknüpft.

Der Leser taucht ein in Leonoras Gefühlswelt und ist ihr ganz nah, spürt ihre tiefe Liebe zu Max Ernst, nimmt Anteil an ihrem Schmerz und ihrer Verzweiflung, wenn sie merkt, dass sie ausbrechen muss um ihr eigenes Leben zu leben. Das schafft sie aber erst, als eine räumliche Distanz zu dem übermächtigen Ernst entsteht und sie sich trotz einiger Rückschläge auf ihre eigenen Stärken als Malerin besinnt und sich emanzipiert; nur als Frau schafft sie diesen Sprung lange nicht.

Carter zeigt aber auch den schwierigen Charakter von Max Ernst, der eigentlich nie zur Ruhe kommt und, wie seine männlichen Kollegen meint, als Surrealist besonders tolerant und nonkonform zu sein. Dabei hängt er aber dem gleichen Frauenbild an, wie die so verachtete Gesellschaft – Frauen sind nur Künstlerinnen in der 2. Liga, sie haben sich den Männern unterzuordnen und sind für Haushalt, Kinder und Garten zuständig. Doch auch er macht eine erstaunliche Entwicklung durch. Während der Suche nach Leonora, merkt er, wie unterdrückt sie war, wie sehr er sie als Partnerin in allen Belangen seines Seins braucht, doch sie ist eben nicht mehr die willenlos verliebte Hörige, die sich seinen Wünschen unterordnet.

Andere Surrealisten sind mehr oder weniger Randerscheinungen im Roman, wobei es in ihrem Fall ganz gut ist, wenn man sich ein bisschen in der Szene auskennt, denn außer Dalí und Picasso dürften nur wenige Namen allgemein geläufig sein.

Fazit:

Obwohl „Die Surrealistin“ sich in der Welt der Künstler bewegt und mit Leonora Carrington und Max Ernst zwei Hauptvertreter dieser Stilrichtung als Protagonisten hat, ist Michaela Carter zwar eine gut zu lesende und interessante, aber eben nur eine Liebesgeschichte gelungen - aber es ist ja auch ein Roman und kein Sachbuch. Für Kunstliebhaber ist es eine nette Lektüre zur Entspannung, für Nichtkenner der Szene eine Begegnung mit zwei ungewöhnlichen Menschen und vielleicht eine Anregung, sich einmal näher mit dem Surrealismus zu beschäftigen.

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