Der Teufel in der Schublade

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

- OT: Il diavolo nel cassetto

- aus dem Italienischen von Rita Seuß

- HC, 176 Seiten

Couch-Wertung:

75

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Lisa Reim-Benke
Was nicht alles in eine Schublade passt …

Buch-Rezension von Lisa Reim-Benke Okt 2020

Eines schönen Tages überkommt er wohl jeden: der Drang, mal so richtig aufzuräumen. Bei einem Autor heißt das hauptsächlich, die Zettelwirtschaft in den Griff zu kriegen, die man vor allem in vollgestopften Schubladen findet. Unser namensloser Ich-Erzähler hat es da doppelt schwer: Über die Jahre haben sich einige Manuskripte von Schriftstellern angesammelt, die um seine Beurteilung gebeten haben. Eines davon trägt den Namen „Der Teufel in der Schublade“ und weckt ob des merkwürdigen Titels die Aufmerksamkeit des Erzählers. In dem Text berichtet ein unbekannter Autor von einem angehenden und gleichwohl unbekannten Literaten (ja, namenlose Schreiber gibt es in diesem Buch viele), der auf einer Psychologie-Konferenz auf den Geistlichen Cornelius trifft, welcher ihm eine groteske Geschichte erzählt:

Cornelius war einst Pfarrer in einem kleinen Schweizer Dorf, dessen Bevölkerung überdurchschnittlich viele Hobby-Schriftsteller vorzuweisen hatte - vom Bürgermeister bis hin zum Kind; ein gefundenes Fressen für den schlauen Verleger Doktor Fuchs, der eines Tages das Dorf aufsucht, um dort eine Außenstelle seines Verlages zu eröffnen - selbstverständlich zur Freude der angehenden Autoren, die ihre Werke nun fachkundig vor Ort veröffentlichen wollen. Als auch noch ein Literaturpreis ausgerufen wird, sind alle aus dem Häuschen - alle, außer Cornelius. Denn er weiß ganz genau, mit wem er es in Gestalt des Verlegers zu tun hat: Mit dem Teufel höchstpersönlich ...

Ein ganzes Dorf in Teufels Küche

Der Teufel als Verleger – mit diesem Bild greift Autor Maurensig den Literaturbetrieb an und verteilt durchaus humorvoll seine Spitzen gegen dessen Mechanismen. Die Bücherwelt sei doch geradezu prädestiniert, um als Arbeitsfeld für den gefallenen Engel zu dienen: Nur hier herrschen noch Neid und Missgunst in ihrer reinsten Form, nur hier finden sich noch ambitionierte Persönlichkeiten, die für ihren literarischen Erfolg alles geben würden. Und ist die Literatur nicht zynischerweise gerade der Ort, an dem der Teufel einst das Licht der Welt erblickte?

Genau deshalb hat Doktor Fuchs bei den Dorfbewohnern leichtes Spiel: Zwietracht und Hass sind schnell gesät, der Glaube, nur das eigene Werk sei es wert, unters Volk gebracht zu werden (obwohl alles, was die Dorfgemeinschaft zustande bringt, entsetzlich schlecht ist), bestimmt nun das Gemeinschaftsleben. Eine wahre Literatur-Manie greift immer mehr um sich, die jegliche Menschlichkeit ausradiert. Allein Cornelius kann sich dem entgegenstellen. Doch der Pfarrer hat durchaus selbst Dreck am Stecken; ob man seiner Version der Ereignisse uneingeschränkt glauben kann, bleibt bis zum Schluss offen.

Nicht ganz so „faustisch“ wie angekündigt

Dem Büchlein liegt eine spannende Idee zugrunde, der mehrere Erzählebenen gewidmet werden. Dennoch ist die Geschichte, die rund 130 Seiten umfasst, leichte Kost, die sich gut in einem Rutsch durchlesen lässt. Das liegt besonders an dem witzigen und gleichzeitig sehr präzisen Schreibstil. Für die kurze Unterhaltung ist das Buch also allemal geeignet - doch so richtig mag der Funke nicht überspringen. Das liegt vielleicht daran, dass im Klappentext eine „gewitzte Variation zu Goethes Faust“ versprochen wurde. Tatsächlich orientiert sich Maurensig bei seinem Erzählstil an den Klassikern, aber nur weil in einem Buch der Teufel vorkommt und hier und da Goethe erwähnt wird, hat es noch lange nichts mit Faust zu tun. Hier sollten die Erwartungen nicht zu hochgeschraubt werden.

Maurensigs Geschichte wirkt zudem in mancher Hinsicht etwas veraltet: Geltungssucht unter Autoren und den Drang, Verlage mit unverlangten Manuskripten zu bombardieren, wird es wohl bis in alle Ewigkeiten geben; wenn Pater Cornelius jedoch propagiert, dass der Literatur-Bereich (und hier ganz besonders das Verlagswesen) das einzige Gebiet ist, wo der Teufel sich noch ausleben kann, stellt sich die Frage, was der arme Kerl in unserer Zeit wohl anstellen müsste, um die Menschen ins Verderben zu stürzen. Denn die Geschichte rund um Doktor Fuchs findet irgendwann im 20. Jahrhundert statt; hier hatte er leichtes Spiel, und hier ergibt die Kritik am Literaturbetrieb noch Sinn. Die zunehmende Bedeutung des Selfpublishings dürfte ihm da heutzutage schon längst einen Strich durch die Rechnung gemacht haben. Finden wir den bemitleidenswerten Beelzebub etwa bald auf dem Arbeitsamt wieder?

Fazit

Der Teufel in der Schublade ist eine spannende und kurzweilige Lektüre für zwischendurch. Trotz angestaubtem Eindruck lohnt sich das Buch für alle, die gerne über die listigen Machenschaften des Teufels lesen.

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