Jenseits der Erwartungen

Erschienen: Mai 2020

Bibliographische Angaben

- OT: Chances are ...

- aus dem Englischen von Monika Köpfer

- gelesen von Stefan Kaminski

- 12 Std., 8 Min. (ungekürzte Ausgabe)

Couch-Wertung:

98

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Stefanie Eckmann-Schmechta
Einer für alle, alle für einen

Buch-Rezension von Stefanie Eckmann-Schmechta Jul 2020

Jenseits der Erwartungen erzählt von der Freundschaft zwischen drei jungen Männern und einer jungen Frau.  Alle drei haben sich unsterblich in dieses eine Mädchen verliebt. Das war damals, als sie am Minerva-College an der Ostküste der USA studierten.

Gegen Ende ihres Studiums, 1971, treffen sie sich die vier noch einmal in dem Ferienhaus in Chilmark: Lincoln, Teddy, Mick und Jacy. Danach trennen sich ihre Wege. Mick, der bei der Vietnam-Krieg-Einberufungs-Lotterie das Pech hatte, bald eingezogen zu werden, und heute Musiker ist; Lincoln, der heute Immobilienmakler, sechsfacher Familienvater und mit seiner Anita verheiratet ist; und Teddy, der nie  Glück in der Liebe hatte und der heute einen kleinen Verlag leitet. Nur Jacys Leben ist nicht weitergegangen. Sie ist seit jenem Wochenende am „Memorial Day“ spurlos verschwunden.

Heute sind die drei „Jungs“ 66 Jahre alt und treffen sich erneut in dem Ferienhaus auf Martha´s Vineyard - und Jacys Geist scheint überall zu sein.

„Man muss nur einen Faden des Gewebes, aus dem ein menschliches Schicksal besteht, ziehen und alles löst sich auf…“

In Rücklenden erzählt Richard Russo von den Zweifeln der „Drei Musketiere“, ob sie sich an den Scheidewegen ihres Lebens richtig entschieden haben; ob es einfach Schicksal war und alles sowieso so gekommen wäre, weil sie nun mal sind, wer sie sind.

Lincoln ist glücklich mit seiner Anita verheiratet - doch Jacy steht nach wie vor nicht unbedingt zwischen ihnen, doch für Lincoln noch immer für eine unerfüllte Liebe. Dies ist auch der Grund, warum er, kaum auf Martha´s Vineyard gelandet, sofort Erkundigungen vor Ort anstellt, um Jacys Schicksal endlich aufzuklären. Es sind die Begegnungen mit den Einheimischen - vor allem mit dem pensionierten Polizisten Joe Coffin -, die Lincoln ordentlich durchrütteln; bis er nicht mehr weiß, woran er wirklich glauben soll.

Während Richard Russos Perspektive immer wieder zu der Teddys schwenkt, der auf ein beinahe verlorenes Leben voller Schicksalsschläge und Lieblosigkeit zurückschaut, zeigen sich mehr und mehr Details. In Teddy tobt ein heftiger, aber stiller Sturm: Woran er glaubt, was er fürchtet, was er an Erinnerungen in sich trägt, es wird auf der idyllischen Urlaubsinsel nach oben gespült, genauso wie sein bis heute gehütetes Geheimnis um die letzten Stunden, die er allein mit Jacy, die er über alles liebte, verbracht hat.

„… wobei man vielleicht auch sagen könnte, dass es so oder so die Neigung hat sich aufzulösen.“

Richard Russo zeigt in Jenseits der Erwartungen wieder einmal sein großartiges Talent, aus dem Leben zu erzählen. Geschickt verwebt er die Rückblicke seiner Protagonisten mit Momentaufnahmen aus den 60er und 70er Jahren, um dann den Faden in der Gegenwart wieder aufzunehmen. In diesem immer dichter werdenden Muster wächst die Spannung, denn die vielen Verdachtsmomente, die im Nichts verlaufen, lassen schließlich nur noch einen Schluss zu … oder nicht?

Richard Russo wieder mal in top Form …

Richard Russos Sprache ist brillant und wunderbar mühelos zugleich - voller kleiner Spitzen und eindrücklicher Bilder. Seine filmreifen Dialoge mit ihrem Wortwitz lassen seine eigenen Schöpfungen lebendig werden, egal ob Barkeeper oder verzweifelte Schwiegertochter. Das ist seine Art, sein Publikum immer tiefer in seine amerikanischen Geschichten zu ziehen. Ganz „en passant“ wirft er dabei auch ein Schlaglicht auf die politische Situation und damit auf die wachsende Spaltung der USA.

… und ebenso Stefan Kaminski

Russos „Studie“ der menschlichen Abgründe, dieses Mal in der Figur des Ex-Polizisten Joe Coffin, wird grandios von Stefan Kaminski interpretiert; ebenso das Schluchzen und die unterdrückten Tränen des Ex-Verlobten von Jacy spielt er so authentisch wie kaum ein anderer.

Wie bereits im 2002 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichneten Buch Diese gottverdammten Träume ist Stefan Kaminski fester Sprecher der Russo-Hörbücher – unter anderem auch bei Ein Mann der Tat oder Ein grundzufriedener Mann – und versteht es, den Charakteren - ob junge Frau, alter „Knacker“, schrullige Südstaaten-Lady oder schüchterner Jungspund - eine eigene Persönlichkeit zu verleihen.

Fazit

Der Titel könnte es nicht besser treffen - nicht nur, was meine Erwartungen, sondern auch was den Roman selbst betrifft. Eingebettet im amerikanischen Kleinstadt-Idyll zeigt Richard Russo auf ebenso fesselnde wie eindrückliche Weise: Die Wahrheit liegt meist jenseits unserer Erwartungen – ob wir es uns nun vorstellen möchten oder nicht.

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