Lehrerin einer neuen Zeit

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

- TB, 368 Seiten

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Monika Wenger
Ihrer Zeit weit voraus

Buch-Rezension von Monika Wenger Sep 2020

Maria Montessori war eindeutig eine Ausnahmeerscheinung: Sie interessierte sich bereits während ihrer Schulzeit für das Gebiet der Naturwissenschaften und ließ sich – gegen den Willen ihres konservativen Vaters – an einer technischen Oberschule ausbilden. Im Jahr 1896 promovierte sie dann zusätzlich als Ärztin an der Universität Rom und ließ sich in späteren Jahren noch im Fachgebiet Pädagogik weiterbilden. In ihren letzten beiden Studienjahren der Medizin arbeitete sie als Assistentin in der psychiatrischen Klinik in Rom; hier begann ihr großes Engagement für die kindgerechte Unterrichtung und Erziehung - die Montessori-Pädagogik entsteht.

Studium und Weichenstellung

  Im Jahr 1894 beginnt für Maria Montessori der letzte Teil ihres Medizinstudiums. Als Frau studiert sie unter erschwerten Bedingungen: So ist es ihr nicht gestattet, neben ihren männlichen Mitstudenten zu sitzen, und sie muss immer als Letzte in den Hörsaal; nicht anders ist es im Sezierraum.

«Wenn die Kommilitonen trödelten, würde die Sonne bereits untergegangen sein, wenn es Maria endlich gestattet war, den Raum zu betreten.»

Doch für Maria sind dies nur unbedeutende Details auf dem Weg zu ihrem Doktortitel. Schon bald erhält sie, da Lehrgangsbeste, eine Assistenzstelle in der psychiatrischen Klinik in Rom. Hier trifft sie zum ersten Mal auf Kinder, welche den ganzen Tag apathisch auf ihren Betten sitzen und keiner Beschäftigung nachgehen. Sie ist entsetzt und überlegt sich nach und nach gemeinsam mit einem Arztkollegen Methoden für deren allgemeine Sinnesentwicklung. Sie befasst sich intensiv mit den Werken von Friedrich Fröbel und Edouard Séguin, beides Koryphäen auf dem Gebiet der Unterrichtung und Erziehung von geistig zurückgebliebenen Kindern. Diese Arbeit wird im Verlauf der Jahre ihr Steckenpferd, dem sie alles opfert.

«’Ich bin davon überzeugt, dass die wenigsten Kinder, von denen behauptet wird, sie seien schwachsinnig, das auch tatsächlich sind’, sagte sie ernst. ‘Die meisten von ihnen werden dazu gemacht. Sie erhalten nie die Möglichkeit, ihre Sinne entsprechend zu entfalten.’»

Laura Baldini ist ein unterhaltsamer, eindrücklicher und leicht lesbarer biographischer Roman gelungen. Die Eingrenzung auf die Jahre 1896-1902 ermöglichen dem Leser einen kurzen, aber intensiven Einblick in eine längst vergangene Epoche. Nicht nur die Themen Medizin und Pädagogik und die dafür angewendeten Methoden sind gut verständlich beschrieben, sondern auch das Thema Frauenbewegung und die Stellung der Frau in der Gesellschaft finden Platz: «Sie hatte keinem der beiden etwas getan. Allein die Tatsache, dass sie eine Frau war, genügte, dass die Männer sich in ihrer Ehre gekränkt fühlten.»

Fazit

Der biographische Roman von Laura Baldini erzählt in unterhaltsamer Art und Weise vom Werdegang Maria Montessoris in der Zeit von 1894 bis 1902, von ihrem ständigen Kampf, als Frau einen Platz in einer männerdominierten Gesellschaft zu finden, und von den Mühen um Anerkennung als Lehrerin ihrer Zeit mit dem Ziel, den Kindern zu helfen und ihre Entwicklung zu fördern.

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