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Sebastian Riemann
Liebe und Nationalismus in den Straßen von Heilbronn

Buch-Rezension von Sebastian Riemann Jul 2020

Es sind wahre Hundstage in Heilbronn: Die Temperaturen sind ungewöhnlich hoch und die Bewohner der Stadt leiden unter der Hitze. Die Emotionen schaukeln sich hoch, die Leute sind gereizt und aggressiv. Ärger liegt in der Luft. Mittendrin: Kemal der verunglückte Fußballer, einstiger Hoffnungsträger und jetziger Lebenssinnsucher. Er sieht das Entstehen der Katastrophe und ist doch gleichzeitig blind für die Probleme seiner Umgebung. Denn meistens denkt er nur an Sina, seine Ex und vielleicht die große Liebe seines jungen Lebens. Kemal sucht nach einem Weg und wird von seiner Heimatstadt immer wieder aus der Bahn geworfen...

Eigentlich lief mal alles gut bei ihm. Er lebte den Traum so vieler junger Männer: Profifußballer werden. Er hatte sich gegen die Konkurrenz durchgesetzt und sich nicht verletzt; seiner Karriere stand nichts im Weg. Mit dem ersten Vertrag bei einem türkischen Erstligisten sollte alles seinen Anfang nehmen, sollten sich Kemal alle Türen öffnen. Aber dann, bevor es wirklich losgehen kann mit der großen Karriere, begeht Kemal eine Dummheit, lässt sich auf ein Rennen ein und baut einen Unfall - mit seinem geliebten Jaguar. Der Fuß ist hinüber, Profifußball Ade. Aus Hoffnung und Möglichkeiten werden Frust und Enttäuschung.

Kemal kehrt in die Heimat Heilbronn zurück. Der Vater will, dass er sich einen Job sucht, organisiert sogar ein Vorstellungsgespräch. Aber das interessiert den Sohn nicht sonderlich - denn innerlich sucht er immer noch nach einem Weg, der ihn aus der aktuellen Situation herausführt. Meistens drehen sich seine Gedanken um Sina, seine Ex-Freundin, die er abservierte, als es ihm gut ging, er Tore schoss, Geld verdiente, seinen Jaguar über die Autobahnen jagte und von den weiblichen Fans angehimmelt wurde. Sina ist natürlich sauer auf ihn, will nichts wissen von seiner wiederentdeckten Liebe zu ihr.

Unterdessen braut sich Einiges in Heilbronn zusammen: Zum einen organisieren sich reaktionäre Nationalisten, die sich der Migranten in der Stadt entledigen wollen. Sie sprechen immerzu von Bedrohung und versuchen die Bewohner zu Aktionen anzustacheln. Auf der anderen Seite organisieren sich eben jene Migrantengruppen, die nicht nur von der Gesellschaft benachteiligt, sondern nun auch noch von den Nationalisten bedroht werden. Sie wehren sich und wollen sich ihren Platz in der Stadt erkämpfen.

Die Ereignisse führen recht bald zu einer Eskalation: Bei hohen Temperaturen kochen die Emotionen hoch und es kommt zu Szenen, wie man sie aus einem Bürgerkrieg kennt. Es gehen Fenster zu Bruch, Gebäude und Autos stehen in Flammen, manch einer muss sein Leben lassen…

Persönliche Sinnsuche gepaart mit Gesellschaftskritik

Cihan Acar bringt in seinem Roman eine persönliche Geschichte der Sinnsuche mit einer gesellschaftlichen Entwicklung zusammen. Sein Kemal ist ein junger Mann, der zu früh eine große Enttäuschung hinnehmen musste und nun vor dem Nichts steht. Er will einen alten Zustand, als noch alles in Ordnung war, wiederherstellen. Aber daraus wird nichts, da Sina nicht Teil seiner Pläne sein will. Sein Traum, dass Sina ihn wieder zurücknimmt, ist nicht realistisch. Das Gestern kann nicht das Morgen werden. Kemal sieht das jedoch nicht, da seine Gedanken von Sehnsucht und Frust verdunkelt werden. Zugleich laufen die Heilbronner Nationalisten durch die Straßen und wollen einen Zustand ihrer Stadt herstellen, den es niemals gab. Auch sie streben ein unmögliches Ziel an; darin gleichen sich Kemal und die Ausländerfeindlichen. Sie lassen sich von negativen Gedanken und Emotionen treiben. Die Katastrophe betrifft dann auch beide.

Der Autor greift relevante Themen in seinem Roman auf und macht sie in der Figur des Kemal für den Leser erlebbar. Die Sprache ist dabei am Selbstverständnis von Kemal orientiert: Sie ist direkt und knackig, unnötiger Floskeln entledigt. Dafür glänzt der Autor immer wieder mit markanten Bemerkungen, in denen er die Entwicklungen im Roman gut und unterhaltsam auf den Punkt bringt. Alles ist jung und scheinbar unkompliziert.

An manchen Stellen hätte der Geschichte mehr Tiefe geholfen. Einige Handlungsfäden werden aufgenommen und leider nicht weitergesponnen. Der Leser fragt sich mitunter, wie die Einzelteile zusammenfinden werden und bleibt dann mit Fragen zurück.

Fazit

Junger Roman mit Witz und Verstand. Kemal schlägt sich durch und sucht seinen Weg, während es in Heilbronn um große gesellschaftliche Konflikte geht.

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