Die Topeka Schule

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

- OT: The Topeka School

- aus dem Englischen von Nikolaus Stingl

- HC, 395 Seiten

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Adam Gordon geht auf die Topeka-High-School, er steht kurz vorm Abschluss. Seine Mutter Jane ist eine berühmte feministische Autorin, sein Vater Jonathan ein Experte darin, »verlorene Jungs« wieder zum Sprechen zu bringen. Sie beide sind in einer psychiatrischen Einrichtung tätig, in der Therapeuten und Patienten aus der ganzen Welt zusammenkommen. Adam selbst ist ein bekannter Debattierer, alle rechnen damit, dass er die Landesmeisterschaft gewinnt, bevor er auf die Uni geht. Er ist ein beliebter Typ, cool und ausschreitungsbereit, besonders sprachlich, damit keiner auf die Idee kommt, er könnte auch schwach sein. Adam hat ein Herz für Außenseiter, und so freundet er sich mit Darren an – er weiß nicht, dass der einer der Patienten seines Vaters ist –, und führt ihn in seine Kreise ein. Mit desaströsen Folgen …

Die Topeka Schule ist die Geschichte einer Familie um die Jahrtausendwende. Die Geschichte einer Mutter, die sich von einer Missbrauchsgeschichte befreien will; von einem Vater, der seine Ehe verrät; von einem Sohn, dem die ganzen Rituale von Männlichkeit suspekt werden und der zunehmend verstummt. Eine Geschichte von Konflikten und Kämpfen und versuchten Versöhnungen.

In einer an Wundern reichen Sprache erzählt Ben Lerner vom prekären Zusammenhalt einer Familie, von fraglichen Vorbildern und vom drohenden Zusammenbruch privater und öffentlicher Rede. Die Art, wie dabei das Historische und das Persönliche miteinander verwoben werden, stärkt unseren Glauben daran, was Literatur heute zu leisten vermag.

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Letzte Kommentare:
14.08.2020 17:36:13
Graupapagei

Fordernd, aber lohnend

Ich mag das Buch. Es ist eigenwillig und fordernd, aber es gibt seinen Lesern auch viel zurück.
Seine Eigenwilligkeit zeigt es vor allem in seiner ganz eigenen Art zu erzählen. Die Handlung setzt sich im Wesentlichen aus vielen einzelnen Erzählungen zusammen, die durch Wiederholungen und ein wenig Rahmenhandlung zusammengehalten werden. Überhaupt sind Wiederholungen das Steckenpferd des Buches. Wörter, Anekdoten, Ideen und Überlegungen – sie alle kommen öfters vor, wenn auch häufig in einem neuen Kontext. So zieht das Buch Verbindungen, knüpft Analogien und belohnt den Leser für seine Aufmerksamkeit, indem er einen ganz neuen Gedankengang aus einem alten gewinnt.
Eine dieser unzähligen Wiederholungen ist die Erkenntnis etwas zugleich aus der Ich- und der Er/Sie-Perspektive zu erleben. Dieses Motiv erzählt das Buch immer wieder schwarz auf weiß. Gleichzeitig versteckt es es aber auch in seiner Art zu Erzählen – und damit komme ich schön langsam zu dem Punkt, an dem das Buch fordernd wird:
Der multiperspektivische Erzählstil macht die Geschichte reicher, ist aber auch eine Herausforderung. Damit testet das Buch seine Leser. Ganz grundsätzlich will es, dass der Leser ihm seine volle Aufmerksamkeit schenkt. Komplizierte Sätze voller intelligenter Zitate und anspruchsvoller Wörter machen die Geschichte zu keiner Erzählung, der man sich einfach so mal widmen kann. Der Wechsel zwischen den Erzählenden erschwert es zusätzlich den Überblick zu behalten – wer erzählt gerade, wie steht derjenige mit den anderen Figuren in Beziehung und welches Wissen und welche Erlebnisse gehören zu seiner Person? Um das Verwirrspiel zu perfektionieren, ändern sich die Erzählperspektiven: mal erzählt ein Ich, mal ein Er, mal eine Sie – eben jene Wiederholung der Erste-Dritte-Person-Dualität.
Ich geriet wegen dieser hohen Ansprüche während des Lesens öfter in Streit mit dem Buch. Meine wesentliche Frage dabei: warum tat es mir das an? Warum musste die Geschichte so kompliziert sein? Ich konnte es mir nur so erklären, dass hinter der oberflächlichen Erklärung ein tieferer Sinn steckte. Auf jeden Fall ging es diesem Buch (auch) um Sprache. Ziemlich am Ende kam mir ein Gedanke: während man bei allen anderen Büchern zwischen den Zeilen lesen musste, stand hier schwarz und weiß auf den Zeilen, was zwischen den Zeilen stehen sollte und man musste zwischen den Zeilen lesen, was eigentlich auf den Zeilen stand.
Nur war ich leider überfordert damit herauszufinden, was es denn war, dass nicht auf den Zeilen stand, wo es hingehörte – irgendwie hatte ich das Gefühl, das Buch sei enttäuscht von mir. Ich habe mich dauernd gefragt, was es mir verdammt noch mal sagen will – und dann hat es es mir gesagt, ganz nebenbei in einem klipp und klar zu deutenden Satz – „Du glaubst bestimmt, dass ich spinne. Nein, ich finde, es ist eine wunderschöne Geschichte. Über Familie, Kunst, Erinnerung und Bedeutung, wie das alles entsteht und vergeht“ (Seite 285) – nur um kurz darauf einen plötzlichen Gedankensprung zu Hermann Hesse zu machen, der mich glauben lässt, das Buch hätte mich mit seiner Antwort nur noch mehr für dumm erklärt – gesagt: ‚Komm schon, es ist so offensichtlich‘ und dann: ‚aber dachtest du ernsthaft es ist so einfach?‘ Ich sehe das Buch schadenfreudig ins Fäustchen lachen. „Was geschieht in diesem Moment? Was denken und empfinden die handelnden Figuren? Sag mir, was zu dieser Szene geführt hat.“ (Seite 384) Und ich ärgere mich, aber mag das Buch für seine spitzbübische Art gleichzeitig noch mehr – ein Widerspruch, noch so ein sich immer wiederkehrendes Motiv der Geschichte.
Dazu passt meine Lieblingsstelle im Buch. Sie findet sich am Anfang und am Ende des Buches – da haben wir die Wiederholung wieder – und bringt dabei die besondere, liebenswürdige Eigenart des Buches auf den Punkt, als sie herrlich verwirrt erzählt: „Was Darren ihnen nicht begreiflich machen konnte, war, dass er die Kugel niemals geworfen hätte, nur hatte er es schon immer getan.“ (Seite 10)
Und abschließend noch ein weiteres sich wiederholendes Motiv: das Schnellsen. Der Begriff beschreibt beim Debattieren ein so schnelles Herunterrattern von Belegen, dass das Gegenüber unmöglich Zeit hat auf alle davon einzugehen und somit automatisch das Rededuell verliert. Obwohl das Buch kein Freund vom Schnellsen ist – zumindest lässt es mich das glauben – muss ich am Ende erkennen, dass es sich diese Technik bei mir bedient hat. Das Buch überschüttet mich mit Andeutungen, Analogien, Wiederholungen, Zitaten, Weisheiten und unterschwelligen Botschaften, die sicherlich einen tieferen Sinn haben, aber die ich so schnell und in der Masse gar nicht verarbeiten kann. Am Ende hat sich das Buch so sehr in seiner Sprache verhaspelt, dass die Klimax untergeht. Das nehme ich dem Buch übel. Ebenso wie ich es ihm übel nehme, mich letztendlich ohne Erklärung für das ganze Theater mir nichts dir nichts aus seinem Bann zu katapultieren – wenigstens habe ich stattdessen viel anderes dazugewonnen: neue Wörter, Zitate, einzigartige Gedankengänge, unterhaltsame Geschichten und Analogien zum Schmunzeln.

03.08.2020 09:36:32
elke17

Ben Lerners „Topeka-Schule“ habe ich seit Ende des vergangenen Jahres auf dem Radar, denn damals ist es auf Barack Obamas Highlight-Liste 2019 aufgetaucht, die für mich immer wertvolle Anregungen bietet.

Adam und Darren, das sind die beiden Pole, um die herum sich diese Geschichte des Erwachsenwerdens entfaltet. Der eine bei allen beliebt, Klassenbester des Debattierteams. Der andere ein Außenseiter mit eingeschränkten Fähigkeiten, Patient bei Adams Vater Jonathan, Therapeut in einer psychiatrischen Einrichtung. Und da ist dann noch Adams Mutter Jane, eine berühmte Feministin, die immer wieder Anfeindungen aus der männlichen Ecke ausgesetzt ist. Adam nimmt Darren unter seine Fittiche, führt ihn in seine Kreise ein…mit fatalen Folgen.

Der Roman ist eine äußerst herausfordernde Lektüre, anstrengend zu lesen. Ein Handlungsfaden ist kaum zu erkennen, was an daran liegen mag, dass Lerner die Erzähltechnik des „stream of consciousness“ einsetzt, ungeordnet zwischen Zeiten, Personen und Ereignissen hin und her springt.

„Die Topeka Schule“ ist zum einen ein Buch über Sprache, deren Funktion als Werkzeug und Waffe, zum anderen ein Buch über toxische Männlichkeit. Beides verwoben zu einer kritischen Bestandsaufnahme der amerikanischen Gegenwart im Mittleren Westen, die aufzeigt, was Sprache anrichten und welche Auswirkungen sie auf eine Gesellschaft haben kann.

Sie glauben nicht an einen Zusammenhang? Oh doch, den gibt es. Bestes Beispiel der letzten Zeit sind die Tiraden des amtierenden amerikanischen Präsidenten.

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