Alles inklusive

Erschienen: Januar 2011

Bibliographische Angaben

  • Zürich: Diogenes, 2011, Seiten: 5, Übersetzt: Maria Schrader, Maren Kroymann & Petra Zieser

Couch-Wertung:

89

Leser-Wertung

-
Zum Bewerten, einfach Säule klicken.
1 50 100

Zum Bewerten, einfach Säule klicken.

Bitte bestätige - als Deine Wertung.

Gebe bitte nur eine Bewertung pro Buch ab, um die Ergebnisse nicht zu verfälschen. Danke!

0 x 91-100
0 x 81-90
1 x 71-80
0 x 61-70
0 x 51-60
0 x 41-50
0 x 31-40
1 x 21-30
0 x 11-20
0 x 1-10
B:52
V:1
W:{"1":0,"2":0,"3":0,"4":0,"5":0,"6":0,"7":0,"8":0,"9":0,"10":0,"11":0,"12":0,"13":0,"14":0,"15":0,"16":0,"17":0,"18":0,"19":0,"20":0,"21":0,"22":0,"23":0,"24":1,"25":0,"26":0,"27":0,"28":0,"29":0,"30":0,"31":0,"32":0,"33":0,"34":0,"35":0,"36":0,"37":0,"38":0,"39":0,"40":0,"41":0,"42":0,"43":0,"44":0,"45":0,"46":0,"47":0,"48":0,"49":0,"50":0,"51":0,"52":0,"53":0,"54":0,"55":0,"56":0,"57":0,"58":0,"59":0,"60":0,"61":0,"62":0,"63":0,"64":0,"65":0,"66":0,"67":0,"68":0,"69":0,"70":0,"71":0,"72":0,"73":0,"74":0,"75":0,"76":0,"77":0,"78":0,"79":0,"80":1,"81":0,"82":0,"83":0,"84":0,"85":0,"86":0,"87":0,"88":0,"89":0,"90":0,"91":0,"92":0,"93":0,"94":0,"95":0,"96":0,"97":0,"98":0,"99":0,"100":0}
Michaela Sonnabend
Einmal alles wie immer, bitte, nur mit Sonne.

Buch-Rezension von Michaela Sonnabend Aug 2011

Keiner der Charaktere von Dörries neuem Roman Alles inklusive hat diese Bestellung ernsthaft aufgegeben, trotzdem bekommen sie sie, ob sie nun wollen oder nicht. Der Leser lernt die kleine Apple unter der spanischen Sonne kennen und genau dort lässt er sie auch zurück, als sie schon erwachsen ist.

Apple, das ist der Name, den Hippiemutter Ingrid für ihre Tochter ausgesucht hat. Man kann sich denken, dass das Apples Mitmenschen sehr belustigt, dabei ist ihr Leben alles andere als erheiternd. Als Kind verbringt sie die Sommer mit ihrer Mutter in Spanien, wo diese ihren Schmuck verscherbelt, um an Geld zu kommen. In Spanien sein heißt für Apple nicht im Pool planschen, Unmengen von Eis verschlingen und Sandburgen bauen. Nachts schlafen sie in "stinkenden Schlafsäcken" im Zelt. "Ich hasste die spanische Hitze, die mir morgens schon wie ein Hammer auf den Kopf schlug, wenn ich aus dem Zelt kroch, mir den ganzen Tag Durst machte, mir in den Augen stach, mich platt und müde und schwitzig werden ließ." Die meiste Zeit verbringen sie und ihre Mutter am Strand der Nackten, der durch eine Bucht vom Spießerstrand getrennt ist, wo Karl mit Heike und Tim in der Sonne liegt. Apple mag Heike und Karl mag Ingrid, aber anders. Tim vergisst niemals den Anblick seiner blassen Mutter im Pool, als er sie das letzte Mal sah. Später, viel später liegt er Ingrid zu Füßen und als die Tina, die er nun ist, schwört er Ingrid, ihr nicht verzeihen zu können.

Apple will von alle dem am liebsten nichts wissen. Sie will ausbrechen aus ihrem alten Leben, ihre Kindheit hinter sich lassen und nie so werden wie ihre Mutter. Trotzdem laufen ihr die Männer weg und am Ende verliert sie wegen ihrer größten Liebe ihren Job. Das hat Herr Dr. Freud, ihr kleiner, behinderter Mops, sicher nicht gewollt. Susi, Apples beste Freundin, schüttelt über deren Selbstmitleid den Kopf und führt ihr vor, wie man trotz sterbens-krankem, schwulem Mann dennoch nicht den Mut verliert.

Dörrie schafft es, uns ganz ungewöhnliche Menschen vorzustellen, die trotzdem alle sehr liebenswürdig sind, denen man sich nahe fühlt. Man will ihnen gerne was Schlaues raten, weiß aber dann doch nicht was, weil ihre Leben zeigen, dass es oft so sehr anders kommt, als man denkt. Sicher fühlt man sich ihnen auch deshalb so nah, weil Dörrie sie alle aus ihrem Inneren erzählen lässt, also die Erzählperspektive kapitelweise ändert. Man könnte den Eindruck bekommen, wer nicht selbst erzählen darf, ist ignorant und wird ausgegrenzt. Deshalb darf der Hund reden, aber Karl nicht.
Ein lesenwertes Buch, das einen angenehm oft zum Lachen bringt und die eigenen Probleme beiseiteschiebt. Stimmungsbooster!

Deine Meinung zu »Alles inklusive«

Hier kannst Du einen Kommentar zu diesem Buch schreiben. Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer, respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Danke!

Letzte Kommentare:
15.03.2015 07:34:49
Denise Jeske

Was kommt heraus, wenn eine Kultregisseurin mit viel Humor über das fast depressive Leben von vier total unterschiedlichen Personen schreibt, die doch alle irgendwie miteinander verbunden sind? Das perfekte Sommerbuch!

Alles inklusive ist das erste Buch, das ich von Doris Dörrie gelesen habe. Ich finde ihre Filme wie Der Fischer und seine Frau und Kirschblüten-Hanami toll und als ich den Klappentext durchgelesen hatte, stand für mich fest, dass ich dieses Buch lesen muss. Es handelt von einer Hippie-Mutter, Ingrid, die sich in den 70ern mit ihrer Tochter Apple im spanischen Torremolinos mit dem Verkauf von selbstgemachtem Schmuck durchschlägt. Dabei lernt sie, den verheirateten Karl kennen, der genug von seinem Spießerleben, den perfekt gebügelten Hemden und dem schicken Ferienhaus mit Pool hat. Er verliebt sich in die wilde, feiheitsliebende Ingrid, doch ihre kurze Affäre hat weitreichende Folgen. 30 Jahre später treffen alle wieder aufeinander. Ingrid, die sich nun mit einer neuen Hüfte durchs Leben schlägt, Karl, der in einem spanischen Altersheim lebt, sein Sohn Tim, der nun Tina heißt und in einer Transvestitenbar und als Fußpflegerin seinen Lebensunterhalt bestreitet und Apple, die immer wieder auf die falschen Männer hereingefallen ist und sich nun von ihrem Mops "Freud", benannt nach Sigmund Freud, therapieren lässt.

Durch den lockeren Schreibstil lässt sich das Buch schnell weglesen und Doris Dörrie versteht es hervorragend von den grotesken Erlebnisse der Protagonisten zu erzählen, sodass ich oft nicht wusste, ob ich darüber lachen, oder sie bedauern soll. Was ich toll fand, ist dass die Geschichte aus den unterschiedlichen Perspektiven der Romanfiguren erzählt wird, die am Ende alle in dem selben Ferienhaus vereint, in dem die Geschichte begonnen hat. Alles inklusive ist ein Urlaubsbuch der anderen Art. Es ist kein Roman über Sonne, Meer und das perfekte Glück, sondern erzählt die knallharte Wahrheit. Das spanische Paradies ist einer Betonwüste gewichen, in der afrikanische Flüchtlinge als Prostituierte arbeiten und die Fenster der Villen mit Gitterstäben vor Eindringlingen schützen sollen, dabei aber wie ein Gefängnis aussehen. Das wird jedoch so humorvoll ezählt, dass es mich nicht in schlechte Stimmung versetzt, sondern einen sehr guten Unterhaltungswert bietet.

Fazit:
Tolle Charaktere und viel deutscher Humor. Für mich die ideale Strandlektüre, die mich sehr gut unterhalten hat. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Film & Kino:
The Crown - Staffel 3

Die Queen in ihrer vordergründig repräsentativen Rolle ist eine zeitgeschichtliche Ikone, sodass der Erfolg der seit 2016 bei Netflix laufenden Serie „The Crown“ nicht verwundert. Die dritte Staffel markiert allerdings einen Umbruch: Die Royal Family ist in den 60er-Jahren angekommen und viele Rollen werden neu besetzt, da auch die Blaublüter nicht vor dem Altern gefeit sind. Titel-Motiv: © Des Willie / Netflix

zur Film-Kritik