Queenie

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

- aus dem Englischen von Henriette Zeltner-Shane

- HC, 544 Seiten

Couch-Wertung:

94

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Julian Hübecker
Ein starker Roman, der viele gesellschaftlich aktuelle Themen behandelt

Buch-Rezension von Julian Hübecker Sep 2020

Queenie ist immer eine starke, selbstbewusste Frau gewesen, glücklich mit ihrem Job und in ihrer Beziehung. Doch erst will Tom eine Pause von ihr, dann lässt sie sich von Männern sexuell ausnutzen und geht in ihrem Job unter. Mit der Zeit realisiert Queenie, dass sie auf einen Abgrund zusteuert – doch wie soll sie es schaffen, rechtzeitig auf die Bremse zu drücken ..?

„Gehört das dazu, wenn man eine erwachsene Frau wird? Dass man sexuelle Belästigung einkalkuliert und entsprechende Vorkehrungen trifft?“

Niemals hätte Queenie gedacht, dass sie mal am Boden landen würde. Als Frau mit karibischen Wurzeln hat sie gelernt, stets wieder aufzustehen und weiterzumachen. Aber was ist, wenn sich die Probleme immer weiter anhäufen und irgendwann doch an die Oberfläche brechen? Queenie steht schließlich vor einem Nervenzusammenbruch – aber erklär das mal der eigenen Großmutter, für die Kopfkrankheiten nichts weiter als Hirngespinste sind.

Wie konnte es so weit kommen? Mit ihrem Lebensgefährten Tom malt sie sich eine rosige Zukunft aus, und in ihrem Traumjob in einer Zeitungsredaktion wünscht sie sich, irgendwann einmal über die ganz großen gesellschaftlichen Themen zu schreiben. Mit der Trennung stellt sie sich immer mehr in Frage und beginnt, sich auf Männer einzulassen, die sie nur als Sexualobjekt mit den kurvigen Vorzügen schwarzer Frauen fetischisieren. Als sich dann auch noch Queenies beste Freundin von ihr abwendet und sie den Job verliert, muss sie sich eingestehen, dass sie nicht mehr alleine aus ihrem Loch herauskommt.

„Das ist kein Aufstand, sondern ein Aufstehen. Und wir werden mit dem Aufstehen weitermachen, bis wir die Gerechtigkeit bekommen, die wir verdienen.“

Was im ersten Moment nach der Bewältigung psychischer Probleme einer jungen Frau klingt, ist so viel mehr: Hier geht es um die Me-Too- und Black-Lives-Matter-Bewegungen, um die Trennung gesellschaftlicher Klassen sowie die Akzeptanz von Burnout und Co. All diese Themen können nicht einfach mit Totschlagargumenten zum Schweigen gebracht werden, sondern gehören ins Rampenlicht, wo sie nicht vergessen werden.

Queenie erscheint auf dem ersten Blick nicht als die richtige Kandidatin, um sensible Themen anzusprechen: sie ist vorlaut, halsstarrig und geht schnell an die Decke. Langsam aber sicher verliert sie diese äußere Schale und enthüllt eine traurige Person, mehr Kind als Erwachsene, die Angst vor Ablehnung und Zurückweisung hat. Diese Vielschichtigkeit überrascht und berührt gleichermaßen, weshalb man jede weitere Entwicklung abkauft.

Nun wird man vielleicht glauben, dass es sich bei diesem Buch um ein gesellschaftskritisches Drama handelt. Queenie zeichnet sich jedoch nicht nur durch ihre inneren Verletzungen aus, sondern vor allem durch ihre urkomische und sarkastische Ader sowie ihr loses Mundwerk, das sie oft genug in Schwierigkeiten bringt. Gleich zu Anfang findet sie sich im Stuhl eines Frauenarztes wieder, dem sie mit so viel Witz und Selbstironie begegnet, dass man als Leser nicht weiter von ihr überzeugt werden muss.

Um diese Geschichte dem größten Kritiker zu verkaufen, fehlt schließlich noch folgende letzte Zutat: der unvergleichliche Schreibstil der Autorin und die überaus gelungene Übersetzung von Henriette Zeltner-Shane. Die Wortspiele gelingen hier auch im Deutschen, und das Einbringen verschiedener Slang-Begriffe macht das Leseerlebnis sehr authentisch.

Fazit

Queenie ist eine faszinierende Person, die viele Facetten zeigt und dabei ihren Humor nicht verliert. Ob man nun mit ihr lachen oder in ihren tragischen Momenten mit ihr leiden möchte - man tut es aus ganzem Herzen, weil sie nicht weniger verdient hat.

 

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