Die Reise nach Ordesa

Erschienen: August 2020

Bibliographische Angaben

- OT: Ordesa

- aus dem Spanischen von Astrid Roth

- HC, 416 Seiten

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»Wir sollten über unsere Familien schreiben, ohne jede Beschönigung, ohne dabei zu erfinden. Wir sollten nur von dem erzählen, was passiert ist, oder von dem wir glauben, dass es passiert sei.« Aus dieser Überzeugung heraus schrieb Manuel Vilas ein Buch über sich, seine Mutter, seine Kinder, vor allem aber über seinen Vater, den stets soignierten Handlungsreisenden, der vom sozialen Aufstieg träumte - und von Ferien in Ordesa ... Illusionslos und poetisch, in einer Sprache, die Realismus mit visionären Bildern verbindet, entsteht ein Lebensbild der letzten fünf Jahrzehnte Spaniens. Manuel Vilas, der als einer der großen Lyriker seiner Generation gefeiert wird, gelingt auch mit diesem kulturkritischen, feinfühligen ersten Roman ein wahrer Coup

Die Reise nach Ordesa

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30.08.2020 12:12:51
Buchbesprechung

REZENSION – Mit seiner ungewöhnlichen und faszinierenden Autobiographie „Die Reise nach Ordesa“, erst kürzlich in deutscher Übersetzung von Astrid Roth im Piper-Verlag erschienen, wurde der Spanier Manuel Vilas (58) in seiner Heimat zum Bestseller-Autor. Obwohl schon seit 2002 für seine lyrischen Arbeiten in Spanien vielfach ausgezeichnet und von der Fachwelt als einer der großen Lyriker seiner Generation gefeiert, war es ausgerechnet sein Romandebüt, das ihm erst 2018 die Anerkennung der breiten Öffentlichkeit, Lobeshymnen in den wichtigsten Zeitungen seines Landes und 2019 in Frankreich den Prix Femina für den besten ausländischen Roman einbrachte.
Doch ein Roman ist „Die Reise nach Ordesa“ eigentlich nicht, auch keine typische Autobiographie einer namhaften Persönlichkeit. Denn Manuel Vilas, der vor seiner Wandlung zum Lyriker zwei Jahrzehnte lang das aus seiner Sicht eintönige Leben eines Lehrers geführt hatte, hatte sich in der Öffentlichkeit noch keinen „Namen“ gemacht. Auch ist es kein chronologischer Bericht seines persönlichen und beruflichen Werdegangs, sondern eine scheinbar ungeordnete Ansammlung vieler Erinnerungsfetzen an Eltern, Großeltern und andere Verstorbene, die sich erst allmählich von Kapitel zu Kapitel zu einem Bild mit vielen interessanten Facetten voller Lebenserfahrung zusammenfügen.
Der Einstieg ins Buch mag manchen Lesern deshalb vielleicht schwerfallen. Doch es lohnt sich dranzubleiben. Denn gerade die von ihm selbst behauptete Bedeutungslosigkeit des Autors, der 1962 während der Franco-Diktatur in eine ärmliche, unterprivilegierte Familie eines provinziellen Handelsvertreters hineingeboren wurde, und seine Erinnerungen an die Kindheit sind es, die ihn und seine Lebensgeschichte so „menschlich“ und allgemeingültig werden lässt. Vieles scheint uns vertraut.
Man hat während der Lektüre den Autor förmlich vor Augen, wie er als „armer Poet“, der als trockener Alkoholiker auch die Tiefen des Lebens erfahren musste, in seinem nur spärlich möblierten Hochhaus-Appartement sitzt – mit sich selbst und seinen Gedanken allein, verlassen von den verstorbenen Eltern, geschieden von der Ehefrau und kaum noch Kontakt zu seinen zwei erwachsenen Söhnen – und sich seinen Erinnerungen aus fünf Jahrzehnten hingibt. In kurzen Kapiteln, von einer Einzelheit, einem Gedanken oder Kindheitserlebnis ausgehend, entwickelt Vilas eine oft überraschende Gedankenkette über den Sinn des Lebens und den Tod, über seine ihm unbekannten Vorfahren („Mein Großvater war eine aufgegebene Grabnische.“), über sich selbst und seine Söhne, über das damals diktatorische und das heute monarchistische Spanien und immer wieder über seine geliebten Eltern. In der Rückbesinnung kommen Fragen auf, die Vilas früher hätte stellen sollen. „Ich fragte nicht, als es noch ging, weil ich dachte, dass ich sie irgendwann einmal fragen würde, als würden sie immer da sein.“ Seine Vorfahren sind vergessen, die Erinnerung an die Eltern schwindet. Der einsame Autor fürchtet, auch selbst in absehbarer Zeit von den eigenen Söhnen vergessen zu werden. Deshalb seine Erkenntnis: „Wir sollten über unsere Familien schreiben, ohne jede Beschönigung, ohne dabei zu erfinden. Wir sollten nur von dem erzählen, was passiert ist, oder von dem wir glauben, dass es passiert sei.“
Die sprachgewaltige, philosophisch wie psychologisch tiefgehende Auseinandersetzung mit seiner Familie macht Manuel Vilas' Prosawerk „Die Reise nach Ordesa“, eine literarische Erkenntnisreise zu sich selbst, zu einem nicht alltäglichen und faszinierenden Leseerlebnis, an dem zweifellos auch Übersetzerin Astrid Roth ihren lobenswerten Anteil hat.

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