Der Dünensommer

Erschienen: Mai 2020

Bibliographische Angaben

- TB, 448 Seiten

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Stefanie Eckmann-Schmechta
Eine emotionale Zeitreise ins Norderney Ende der 50er Jahre

Buch-Rezension von Stefanie Eckmann-Schmechta Jul 2020

Drehbuchautorin Kim kommt 2018 auf Norderney an, um beim alljährlichen Filmfest dabei zu sein. Seit der Trennung von ihrem Partner – auch in geschäftlichen Dingen – versucht sie, neu in der Branche Fuß zu fassen. Doch das Projekt Drehbuch, für das sie den Auftrag bekommen hat, will einfach nicht vorangehen.

Da trifft sie zufällig den Amerikaner Julian, Sohn des berühmten Fotografen Hans J Ehrlich. Durch Zufall entdeckt sie eine Bildserie, die sie sehr an ein Foto (ein Rückenakt in den Dünen) erinnert, das bei ihr zu Hause hing. Die Serie ist Julian Ehrlich bekannt – er leitet seit dem Tod des berühmten Fotografen die Ausstellungen. Julian und Kim machen sich auf die Suche, 60 Jahre zurück: Wer ist diese wunderschöne, geheimnisvolle Frau auf dem Bild?

Zwei Schicksale, die zusammengehör(t)en

In Rückblenden in das Leben von Ulla, die den reichen Verleger Will geheiratet hat, erzählt Sylvia Lott aus einem ganz anderen Leben als das der Enkeltochter Kim. Da Ulla – allem Wohlstand zum Trotz – gar nicht glücklich mit ihren neuen Lebensumständen ist, verschreibt ihr Arzt ihr eine Kur am Meer. Dort soll sie sich erholen und – was Ulla noch viel wichtiger ist – auch ihrem sehnlichen Kinderwunsch näherkommen.

Durch Zufall ist die Idee ihrer besten Freundin aus Kindertagen, Inge, auch gar nicht mal so verkehrt: Sie möchte über den Sommer auf Norderney bei ihren Tanten aushelfen und dabei ihre Bademoden-Kollektion an die moderne Frau bringen.

Der Plan, dass beide nach Norderney gehen, ist schnell gefasst und beschlossen. Ulla erlebt einen wahren Jahrhundertsommer, nicht nur aufgrund der ungewöhnlich hohen Temperaturen auf Norderney, sondern vor allem durch die Begegnung mit Hans J. Ehrlich, dem Fotografen, mit dem sie gemeinsam eine neue Broschüre für die Insel konzipieren soll - ihre „Sternstunden“.

Inge lebt noch heute auf der Insel. Sie erzählt Kim und Julian von der Zeit, als sie und Ulla jung und ausgelassen gefeiert haben, in den vielen Bars und am Strand. Da waren die Freundinnen zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich frei und selbst Ulla begann, manche Dinge anders zu sehen.

Zwei Erzählstränge, zwei sehr unterschiedliche Leben

Sylvia Lott hat umfangreich zur Geschichte Norderneys recherchiert; die Geschichten und Fakten hat sie geschickt durch die Broschüre, die Ulla und Hans erstellen, eingestreut. Die vielen Norderney-Fans bekommen neben der Unterhaltung somit auch viel Infotainment, gewürzt mit schöner Nostalgie. Auch die damalige Naivität der Frauen, die wir aus heutiger Sicht etwas komisch finden, gehört dazu. Zu dem anderen Erzählstrang über Ullas Enkelin Kim im Jahr 2018 will das aber gar nicht passen. Und so ist dies auch der sehr viel schwächere, da oberflächlichere Erzählstrang.

Aber zum Glück dreht es sich hier hauptsächlich um den Jahrhundertsommer 1959 und das Erwachsenwerden einer jungen Frau, die am Ende sehr genau weiß, wer sie ist und was sie will. Wenn Inge, Ullas einstige beste Freundin, erzählt, werden wir 60 Jahre zurückversetzt. Wirken Ullas Ansichten und Schilderungen zu Anfang auch recht flach und - wie schon erwähnt - ein wenig naiv, sollte man nicht zu früh das Handtuch werfen, denn im Fortgang, etwa ab der Mitte des Romans, finden sich sehr berührende Schilderungen zu Ullas und Hans‘ Kriegserlebnissen - die stärkste Passage in den Rückblicken auf Ullas Leben. Sie zeigt uns Nachkriegskindern, wie diese Generation in ihrer eigenen Jugend getickt hat.

Das ungeschriebene Gesetz war, dass das schwer erträgliche nicht erwähnt werden durfte. Heute wäre das ein „No-Go“. Es ist zum Schweigen einer ganzen Generation geworden. Doch war es ihr Weg, um mit all den schrecklichen Erlebnissen fertig zu werden. Es galt, nach vorne zu schauen, wieder glücklich zu sein, das Leben zu genießen. Das spürt man in Ullas Momenten des Glücks, der Geborgenheit und des Überflusses, aber auch im ängstlichen Zurückblicken oder in ihren Panikattacken. Die Kehrseite der Medaille, die Scheinheiligkeit und Bigotterie der „besseren Gesellschaft“, wird dagegen ebenso treffsicher von Lott aufs Korn genommen.

Fazit

Dünensommer ist eine federleichte Sommerlektüre mit einigen Überraschungen, die sich im Strandkorb auf Norderney natürlich am besten liest. Doch auch woanders punktet Sylvia Lotts heile Welt der 50er-Jahre mit einer für die damalige Zeit sehr ungewöhnlichen, aber sympathischen Lovestory.

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Letzte Kommentare:
16.07.2020 14:10:04
DieterKipp/Bibergockel

Die Rezension von Stefanie Eckmann-Schmechta zum Roman "Der Dünensommer"von Sylvia Lott teile ich im Großen und Ganzen,dem Fazit kann ich mich vollumfänglich anschliessen,nur in einem Punkt sehe ich die Sache ganz anders,ich bin nämlich,anders als die Rezensentin nicht der Meinung,dass der 2,Erzählstrang mit Julian und Kim in der Hauptrolle ,der im Jahre 2018 spielt,viel schwächer und oberflächlicher sei als der 1.Erzählstrang aus dem Jahrhundertsommer 1959 mit Ulla und Hans in der Hauptrolle!Es stimmt zwar,dass der 1.Erzählstrang viel umfänglicher war als der 2.,aber ich fand den 2.Erzählstrang qualitativ nicht zurückgeblieben,ich habe mich beim lesen viel mehr gefreut,wenn es mal wieder in 2018 weiter ging!Spannend war ja,für welchen Mann sich die Ulla in 1959 ,aber genauso spannend fand ich es,ob Julian und Kim ein Paar werden?Fazit:Für mich gab es zwischen dem 1.und2.Erzählstrang nur quantitativ,aber nicht qualitativ einen Unterschied,ansonsten stimme ich mit der Rezensentin Stefanie Eckmann-Schmechla überein,dass dieser Roman informativ,spannend und sehr lesenswert ist,nicht nur iin einem Strandkorb auf Norderney!

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