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Yannic Niehr
Jemand soll mir die verdammte Anleitung geben, die Anleitung fürs Leben und alles andere…

Buch-Rezension von Yannic Niehr Jul 2020

Job weg, Freundin weg – was nun? In dieser prekären Lage befindet sich der namenlose Protagonist (den alle nur als „Dings“ bezeichnen) zu Beginn seiner Geschichte. Und eigentlich hat er ja noch nichts so richtig gemacht, keinen wirklichen Plan vom Leben. Aus der Vision eines wiedervereinten Deutschlands weht Umbruchstimmung herüber nach Wien – doch Dings‘ Gedanken kreisen hauptsächlich um Bier und Nikotin. Aber zum Glück hat sein engster Freund Jan-Christian (genannt JC) Verbindungen zu einem alternativen Netzwerk linker Aktivisten, die verlassene Gebäude besetzen – mehr als Lippenbekenntnis denn aus echter Überzeugung. Und wie es der Zufall so will, gibt es da diese Bruchbude von ausrangiertem Bezirkskino; kurzerhand wird Dings dort einquartiert. Außer gelegentlich einen alten Film aufzulegen, gibt es dort nicht wirklich viel zu tun. Also darf (soll sogar!) dieser Sommer dazu genutzt werden, sich selbst zu finden – und auf dem Weg begegnet Dings einer Romanze (oder vielleicht irgendetwas in der Art) mit Jo, einer Sowjet-Rostlaube mit kaputter Heizung, einer (sogenannten) Geschäftsreise nach Berlin im Zuge von JCs dubiosen Machenschaften, und noch einigem mehr…

„Als Kind, als Jugendlicher, als Student hatte ich mir das Später immer anders vorgestellt. Aber wie? Und wann?“

Mit seinem Debut Dings oder Morgen zerfallen wir zu Staub hat Roman Markus ein Buch geschaffen, das sich gelegentlich wie ein moderner Schelmenroman ausnimmt. Die meiste Zeit jedoch lässt sich Hauptfigur Dings rat- und ziellos durchs Leben treiben, ist auf der Suche, ohne genau zu wissen wonach. Die Freiheit, zu wählen, und die schiere Fülle an Möglichkeiten – das alles ist so überfordernd, dass Dings lieber in Passivität verharrt. Er versucht sich an einer Bestandsaufnahme: Was hat er denn bislang erreicht? Wo will er hin? Gibt es da einen roten Faden? Muss es überhaupt einen geben? Was soll dieses „Erwachsenwerden“, mit dem einem alle permanent in den Ohren liegen, bitte sein? Ist es am Ende schon passiert? Sollte man vielleicht einfach rebellieren, und wenn ja, gegen was? Ganz bewusst werden eher neue Fragen aufgeworfen statt Antworten gegeben. Eine Figur wie Dings könnte leicht zum Unsympathen geraten – doch aufgrund seiner geistreichen Beobachtungsgabe wird er zu einer Art Projektionsfläche, die einen zur Identifikation einlädt. Dings ist ein abgedrehter und wirklich witziger Roman, der zwischen den Zeilen auch immer wieder Momente lyrischer Tiefe offenbart. Figuren und Situationen sind verrückt – aber nicht so verrückt, dass man sie nicht für echt hält. Und in dieser Zeit um die Wende, in welcher der Roman spielt, scheint sowieso alles möglich.

„Veränderung ist die einzige Konstante im Universum. Außer vier. Die Zahl vier wird immer vier bleiben. Natürlich nicht, wenn Außerirdische angreifen, aber das ist eine andere Geschichte“

Markus‘ Sätze erinnern in ihrer Atemlosigkeit an einen Poetry Slam. Die Gedanken von Dings bringen einen dabei ständig zum Lachen, aber auch zum Nachdenken. Zusätzliche Stimmung entsteht durch den häufigen Einsatz charmanter Wienerismen, die den Streifzügen durch die Großstadt eine heitere Leichtigkeit verleihen. Dabei reflektiert Dings seine eigene Identität, seine Wünsche und Ziele – und muss wieder und wieder aufs Neue feststellen, dass das Leben es einem oft nicht leicht macht. Wie er allerdings schließlich merkt, ist es oft hilfreich, sich nicht so viele Gedanken zu machen und einfach mal auf etwas einzulassen – denn weiter geht es immer irgendwie, und der von Neuanfang kündende Schluss schafft es sogar, zu überraschen. Roman Markus fängt das Lebensgefühl mindestens einer ganzen Generation ein. Das gerät stellenweise etwas holprig und abgeschmackt, ist aber über weite Strecken sowohl scharfsinnig als auch unterhaltsam.    

Fazit

Dings ist ein stilistisch gelungenes Debut, das zwar zu flott an einem vorüberrast, dem es dafür aber zumeist sehr gut gelingt, zwischen der Alltagstragik und der Alltagskomik des Lebens zu balancieren. Dabei wird man oft (vermutlich bewusst) leicht verwirrt zurückgelassen, die häufig durchblitzende, verblüffend große emotionale Resonanz entschädigt jedoch dafür – eine durchaus empfehlenswerte, locker-leichte Sommerlektüre mit einem Schuss Tiefgang! 

Dings, oder: Morgen zerfallen wir zu Staub

Dings, oder: Morgen zerfallen wir zu Staub

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