Am Seil: Eine Heldengeschichte

Erschienen: April 2020

Bibliographische Angaben

- TB, 128 Seiten

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Carola Krauße-Reim
Eine Seilschaft fordert Vertrauen und Verantwortung

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Jun 2020

Erich Hackl, Jahrgang 1954, gehört zu den bekanntesten Gegenwartsautoren Österreichs. Neben zahlreichen Literaturpreisen erhielt er auch Auszeichnungen für seinen gesellschaftlichen Einsatz, wie 2017 den Menschenrechtspreis des Landes Oberösterreich. Seine Werke basieren auf authentischen Fällen, die immer im Zusammenhang mit dem Nationalsozialismus und dem Austrofaschismus in Österreich stehen. Die Romane Auroras Anlaß und Abschied von Sidonie gehören zur Schullektüre. Die Erstausgabe von Am Seil ist bereits 2018 erschienen; jetzt liegt die Taschenbuchausgabe vor…

Lucia erzählt ihre Geschichte

Im Rahmen des Zeitzeugenprojektes „Die letzten Zeugen“ des Wiener Burgtheaters erzählte Lucia Heilmann 2013 ihre Geschichte. Sie ist die Grundlage für den halbdokumentarischen Roman Am Seil. Der Kunsthandwerker und Bergsteiger Reinhold Duschka versteckte die Jüdin und ihre Mutter Regina vier Jahre lang in seiner Werkstatt. Aneinander wie in einer Seilschaft gebunden, haben sie diese Zeit nur mit viel gegenseitigem Vertrauen und Verantwortung überlebt. Erich Hackl war dabei vor allem die Frage nach dem „Warum?“ wichtig: Was veranlasste einen so stillen und scheinbar wenig politikinteressierten Menschen wie Duschka dazu, sein Leben für zwei ihm nicht verwandtschaftlich verbundene Menschen zu riskieren? Gleichzeitig hinterfragt Hackl den Begriff des Helden – schließlich ist sein Roman mit Eine Heldengeschichte untertitelt.

Am Seil ist ein Tatsachenbericht in Prosa

Der Roman erinnert in langen Passagen an die Werke Kafkas. In einer unaufgeregten, sachlichen Sprache, bei der jedes Wort genauestens ausgewählt zu sein scheint, erzählt Hackl die Ereignisse. Die präzisen Sätze sind messerscharf und zielgerichtet, wie in einem Tatsachenbericht. Hier sind die Abläufe wichtig, nicht die Gefühle oder Gedanken. Erst nach Kriegsende geht es vordergründig um die Person Reinhold Duschkas. Der Autor verzichtet auf wörtliche Rede, wechselt allerdings schlagartig die Perspektive, wenn die Erinnerungsfetzen einer Person hervorzuheben sind; so springt er für kurze Abschnitte vom neutralen Berichterstatter in die Ich-Perspektive des Erzählenden. Dabei sind alle nicht gesicherten Reminiszenzen im Konjunktiv gehalten, lediglich nachweisbare Tatsachen werden im Indikativ geschildert. Das macht das Lesen manchmal etwas mühselig, dennoch nimmt der Text den Leser durchweg mit, auch wenn der Ausgang schon bekannt ist.

Was macht einen Helden aus?

Der Held dieser Geschichte ist Reinhold Duschka: Er ist auf der einen Seite introvertiert, spricht nur das Nötigste; auf der anderen ist er ein Frauenliebhaber, der gerne schäkert und verführt. Doch er ist auch Bergsteiger und als solcher weiß er, dass man am Seil voneinander abhängig ist - dass das eigene Leben an dem sofortigen Eingreifen des anderen hängen kann. Diese Prinzipien hat er auf das Miteinander außerhalb des Sports übertragen. Es war eine überlebenswichtige Entscheidung, die beiden Jüdinnen zu verstecken - nicht nur für Regina und ihre Tochter, sondern auch für ihn, der sich als Mensch einfach dazu verpflichtet fühlte. Er sah es als unabdingbare Selbstverständlichkeit, hat daher nie von seiner Tat berichtet und die Ehrung als „Gerechter unter den Völkern“ in Yad Vashem lange ausgeschlagen. Der Begriff des Helden ist im Laufe der Geschichte gerne missbraucht worden; zu oft wurden befehlstreue Mörder als Kriegshelden gefeiert, haben sich Diktatoren zu Rettern hochstilisiert. Die Bezeichnung Eine Heldengeschichte kann für Am Seil also schon fast ironisch verstanden werden, denn hier hat sich niemand in den Vordergrund gespielt oder in seinem Heldenstatus gesonnt; hier agierte ein stiller Held ohne Arroganz und Anspruch auf Belobigung. Das ganze Heldengerede ist aus einer Ideologie entstanden, die heute eigentlich ad acta gelegt werden sollte. Auf jeden Fall regt Am Seil zum Nachdenken über diesen Begriff an.

Fazit

Am Seil ist kein Buch, das sich gefällig leicht lesen lässt oder das der bloßen Unterhaltung dient. Es ist ein in Prosa abgefasster Tatsachenbericht, der zum kompletten Aufnehmen des Geschriebenen ein geschichtliches Interesse beim Leser voraussetzt. Erich Hackl hat einer wichtige Zeitzeugin eine Stimme verliehen und damit einmal mehr gegen das Vergessen angeschrieben. Und er hat einen Menschen gewürdigt, dessen stilles Heldentum für viele erst nach der Lektüre des Buches offensichtlich wurde.

Am Seil: Eine Heldengeschichte

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