Und wenn sie tanzt

Erschienen: Juni 2020

Bibliographische Angaben

- OT: Dance Away With Me

- aus dem Englischen von Claudia Geng

- TB, 512 Seiten

Couch-Wertung:

88

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Monika Wenger
Starke und vielschichtige Charaktere

Buch-Rezension von Monika Wenger Jul 2020

Nach dem Tod ihres Ehemannes zieht sich Tess Hartsong in die Runaway Mountains in eine einfache Hütte zurück. Hier kann sie sich ihrer unendlichen Trauer hingeben, und wenn sie es nicht mehr aushält, tanzt sie sich im Wald ihr Leid von der Seele. Hat der Schmerz sie einmal besonders fest im Griff, dreht Tess deshalb die Musik voll auf und sucht beim Tanzen das Vergessen.

Unendliche Trauer

Sie hat jedoch nicht damit gerechnet, dass jemand etwas von ihren Tanzexzessen mitbekommt, und ist deshalb äußerst erschrocken, als ein wütender Hüne vor ihr steht: Ian North, ein berühmter Street-Art-Künstler, hat sich ebenfalls in die Abgeschiedenheit zurückgezogen und fühlt sich durch die laute Musik in seiner Ruhe gestört.

Zusammen mit Ian lebt die hochschwangere Bianca im alten Schulhaus von Tempest. Nach dem nächtlichen Zusammenstoß zwischen Ian und Tess sucht Bianca immer mehr den Kontakt zu Tess, möchte eine Freundin, eine weibliche Gesprächspartnerin hier in der Einsamkeit. Als plötzlich, einen Monat zu früh, bei Bianca die Wehen einsetzen, holt Ian Hilfe bei Tess. Die Ereignisse überschlagen sich und Ian und Tess müssen sich zusammenraufen und einen Weg aus dem Dilemma finden. Wird Tess durch die ungewöhnlichen Umstände und die Verkettung von Ereignissen über den Verlust ihres Ehemannes hinwegkommen und den Weg zurück ins Leben finden?

«In Tennessee konnte nun jeden Tag der Frühling Einzug halten. Würde der Garten wieder zum Leben erwachen, oder musste etwas Neues gepflanzt werden? Musste in ihr etwas Neues gepflanzt werden?»

Susan Elizabeth Phillips schafft mit ihren Hauptfiguren vielschichtige Charaktere:

Hier Tess, eigentlich eine patente und selbstbewusste junge Mittdreißigerin, gefangen in der Trauer um ihren verstorbenen Ehemann; nach den chaotischen Vorkommnissen sucht sie sich einen Job im Ort und lernt im Laufe der Zeit die Anwohner und ihre Eigenheiten besser kennen, engagiert sich im sozialen Bereich und macht sich stark für die Aufklärung der Jugendlichen – was nicht jedem im Ort passt und unweigerlich zu Konflikten führt.

Dort Ian, der Künstler, welcher in Abgeschiedenheit und Ruhe versucht, seine Schaffenskrise zu überwinden und sich dafür erst seiner Vergangenheit stellen muss - die schwierige Kindheit mit einem überaus gewalttätigen Vater und einer lieblosen Mutter haben ihn eigen werden lassen; Ian, der erst mit sich ins Reine kommen muss, damit sich seine Kreativität wieder voll und ganz entfalten kann.

Treffend zeichnet die Autorin das Bild eines amerikanischen Städtchens irgendwo in Tennessee: ein einfaches Leben, unzureichende Grundversorgung, prüde und altmodische Weltanschauungen und Aussteiger, welche sich aus den unterschiedlichsten Gründen von der Zivilisation verabschiedet haben; Aussteiger, welche auf sich gestellt sein wollen, aber ab und an dennoch Hilfe von außen benötigen.

Sehr eindrücklich wird außerdem das prüde Weltbild Amerikas und die mangelnde Aufklärung der Jugendlichen thematisiert. Als Folge dieser Unwissenheit gibt es viele Teenager-Schwangerschaften. Die Mädchen können nicht studieren, keinen Beruf erlernen. Sie bleiben an Haus und Herd gebunden.

Die Themen sind äußerst vielfältig und geschickt im Roman verarbeitet und geben einen klaren Einblick in das ländliche Leben.

Fazit

Geistreiche und witzige Dialoge, interessante Themen rund um die amerikanische Sozialpolitik und eine schöne Liebesgeschichte als Begleitung zeichnen diesen Roman aus. Sehr gut gemacht und absolut lesenswert - ein Page-Turner!

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Letzte Kommentare:
12.07.2020 15:04:03
Huhn

Mehr als eine Liebesgeschichte

Ich habe von diesem Buch mehr bekommen als ich erwartet hatte. Meine Vorstellung war eine schnulzige Liebesgeschichte, die gute Laune macht und für ein paar Stunden aus dem Alltag entführt. Aber das wird dem Buch nicht gerecht. Neben der Lovestory hat das Buch nämlich noch andere Facetten.
Die wichtigste und dominanteste ist dabei das Thema Mutterschaft – und irgendwie auch Vaterschaft. Das Buch beleuchtet verschiedene Muttertypen, Eltern-Kind-Beziehungen und Schwangerschaften. Das regt zum nachdenken über verschiedene Fragen an. Etwa danach wie wichtig Blutsbande sind, welche Verantwortung Eltern gegenüber ihren Kinder haben und wie sie diese ihr ganzes Leben lang prägen. Dabei hält das Buch keine Moralpredigt, sondern lässt dieses Thema unterschwellig in die Geschichte einfließen.
Denn hauptsächlich ist das Buch tatsächlich eine schnulzige Liebesgeschichte. Und zwar zwischen der selbstbewussten, resoluten aber großherzigen Tess und dem unnahbarem, schwer zu durchschauendem Ian. Beide stranden in einer abgeschiedenen Provinzstadt in den Runaway Mountains in Tennessee. Tess, weil sie nicht über den frühen Tod ihres Mannes hinwegkommt und einen abgeschiedenen Ort sucht, um sich ihre Trauer aus dem Leib zu tanzen. Ian, weil er als gefeierter Street-Art-Künstler in einer Schaffenskrise steckt.
Die Geschichte beginnt ganz klassisch mit gegenseitiger Abneigung und wandelt sich dann Schritt für Schritt zu „Was sich liebt, das neckt sich“. So einfach wie die meisten Liebesdramen ist Tess und Ians Beziehung jedoch nicht, denn das Thema „Mutterschaft“, spielt auch bei den beiden eine Rolle und schafft so neue Beziehungs- und Konfliktebenen.
Das gefällt mir sehr gut – schafft es das Buch so gleichzeitig eine unterhaltsame und humorvolle Liebegeschichte zu erzählen und ein Bewusstsein für ein spannendes und wichtiges Thema zu schaffen. Das Buch eignet sich damit für alle, die eine etwas tiefgründigere Lovestory lesen wollen.

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