Der Funke des Lebens

Erschienen: April 2020

Bibliographische Angaben

- OT: A Spark of Light

- aus dem Englischen von Elfriede Peschel

- HC, 448 Seiten

Couch-Wertung:

70

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Sandra Dickhaus
Ein verzweifelter Mann mit einer Waffe stürmt eine Frauenklinik …

Buch-Rezension von Sandra Dickhaus Jun 2020

Jodi Picoult, eine geübte und bekannte Schriftstellerin, die vielfach ausgezeichnet wurde, hat eine neue, wieder gesellschaftskritische Erzählung veröffentlicht: Ein verzweifelter Mann stürmt mit einer Waffe in die Frauenklinik in Jackson und bedroht die dort Anwesenden. Der Polizeiunterhändler Hugh McElroy – kein Neuling auf diesem Gebiet – nimmt die Verhandlungen mit dem Amokläufer auf, bis ihm klar wird, dass sich im Gebäude seine Schwester und mit ihr seine 15-jährige Tochter Wren befinden. Er soll sofort vom Fall abgezogen werden, wehrt sich aber mit dem Argument dagegen, dass er schon Vertrauen zu dem aggressiven Mann aufgebaut hat. Dies leuchtet den Verantwortlichen auch ein. Wren und das Schicksal der Patienten sowie der dort arbeitenden Ärzte sind während der Geiselnahme untrennbar miteinander verbunden.

Keine leichte Thematik: Der Schwangerschaftsabbruch

Man lernt beim Lesen eine Reihe von Figuren und deren persönliche Lebensgeschichte kennen - so zum Beispiel eine Krankenschwester, die unter Panikattacken leidet und das Leben einer angeschossenen Frau rettet; einen Arzt, der seinen Beruf nur aus einem einzigen Grund gewählt hat; eine als Patientin getarnte Abtreibungsgegnerin; und eine junge Frau, die ihre Schwangerschaft in eben dieser Klinik vor ein paar Stunden beendete. Hier wird auch deutlich, welchem Thema die Autorin ihren Roman gewidmet hat: Wie kann das Recht einer schwangeren Frau mit dem Recht des ungeborenen Kindes vereinbart werden? Was macht eine gute Mutter, was einen guten Vater aus? Gibt es wirklich einen triftigen, nachvollziehbaren Grund, warum man eine Schwangerschaft beendet? Und ab wann gilt ein Fötus als Leben? Keine leichte Kost also - wobei dies das untrügliche Indiz dafür ist, dass es  sich um einen Roman von Jodi Picoult handelt.

Jede Position bekommt ihr Rederecht

Gerade in den USA sind die Gesetze zum Schwangerschaftsabbruch von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich. Picoult wird sowohl den Müttern, die den schwierigen Schritt wagen, ein Kind nicht zu bekommen, aus welchen Gründen auch immer, den Ärzten, die solche Eingriffe vornehmen, und den Abtreibungsgegnern gerecht: Sie lässt jeden zu Wort kommen, sowohl Befürworter als auch Kritiker. Dies ist nichts für zarte Gemüter und geht unter die Haut. Im Nachwort bringt sie das Ganze auf den Punkt: „Gesetze sind schwarz und weiß. Das Leben von Frauen besteht aus tausend Grautönen.“

Zu viele Figuren ohne Identifikationspotential und eine schwierige Erzählweise

Die Geschichte hat in den USA den ersten Platz der Bestsellerlisten erreicht, allerdings herrschen dort andere Gesetze, die ein ungeborenes Kind schützen, als in Deutschland. Dort sorgte der Roman für reichlich Diskussionsstoff, und genau das war Picoults Intention. So couragiert und kritisch der Roman auch geschrieben sein mag, er reicht nicht an die vorangegangen heran. Schon zu Beginn ist es schwierig, sich in die Handlung einzufinden. Man lernt eine Unmenge an Figuren kennen und blickt nicht immer sofort durch, um wen es sich handelt und was ihm bzw. ihr widerfahren ist. Aus diesem Grund gestalten sich die Identifikationsmöglichkeiten mit den einzelnen Charakteren schwierig. Erstaunt hat auch, dass die Geschichte rückwärts erzählt wird, was noch mehr verwirrt und dem Ganzen eher schadet. Es nimmt einen Großteil der Spannung und man kann nur noch verfolgen, wie es zu der Geiselnahme kommt. Der Attentäter hat nämlich auch eine persönliche Geschichte, die aber zu sporadisch aufgenommen und zu spät erwähnt wird. Möglichweise hatten die ethischen und moralischen Aspekte mehr Gewicht als die Einheit der Erzählung. Der Schreibstil der Autorin ist allerdings wie gewohnt flüssig und angenehm zu lesen - schade, dass überraschende Wendungen und reizvolle Momente oft fehlen.

Fazit

Chronologisch erzählt hätte der Roman mit Sicherheit ganz anders gewirkt und wäre mehr zu seinem Recht gekommen, nämlich ein in unserer Gesellschaft noch tabuisiertes Thema, den Schwangerschaftsabbruch, näher zu beleuchten. Wichtig ist aber, dass im Nachwort auf die diesbezüglichen Unterschiede zwischen den USA und Deutschland eingegangen und genau informiert wird. Das rundet die ganze Geschichte noch einmal sachlich ab – doch der letzte Funke konnte dennoch nicht ganz überspringen.

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