Die wir liebten

Erschienen: März 2020

Bibliographische Angaben

- HC, 384 Seiten

Couch-Wertung:

70

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Sandra Dickhaus
Das Unglück meines Bruders begann in der sechsten Klasse. Sein Unglück war auch mein Unglück

Buch-Rezension von Sandra Dickhaus Mai 2020

Eine tragische Geschichte rund um zwei Brüder in den Siebzigerjahren in einer Provinz in Deutschland: Edgar und Roman erleben eine Kindheit und einen Teil ihrer Jugend im Familienverband, zu der ein Vater, eine Mutter, die Großmutter, ein Großonkel und eine Großtante gehören. Drei Generationen leben unter einem Dach. Hier kümmert sich zunächst jeder um jeden. Dennoch sind Roman, der immer wieder durch seine Streiche auffällt, und sein Bruder Edgar relativ frei und niemand bremst sie in ihren Freizeitaktivitäten - und das in einem Jahrzehnt großer gesellschaftlicher Umbrüche. Dann geschieht etwas, das die ganze Welt der Familie auf den Kopf stellt: Die Eltern trennen sich, der Vater hat eine Geliebte – was die Kinder längst bemerkt hatten. Die Mutter zieht sich immer weiter zurück und verbringt die meiste Zeit in ihrem Lotto-Laden. So sind die Jungs mehr und mehr sich selbst überlassen. Nachdem schon Buhnke, der Dorfpolizist mit totgeschwiegener Nazivergangenheit, auf die beiden aufmerksam geworden ist, schreitet irgendwann das Jugendamt ein: Sie wollen die Brüder in den Gnadenhof, ein klosterartiges Anwesen, holen. In diesem Kinderheim herrscht eine strenge Ordnung, es ist die Hölle auf Erden. Flucht scheint hier die einzige Möglichkeit zu sein. Den Brüdern wird nämlich klar, dass sie sich wehren müssen…

Zwei Welten prallen aufeinander

Ein Gesellschaftsroman über den Begriff der Heimat, des Sich-Geborgen-Fühlens und auch der existierenden „braunen“ Parallelwelt nach der Nazizeit. Es geht um fehlende mütterliche Fürsorge, das Durchschlagen in ausweglosen Situationen, die Loyalität der Brüder untereinander und die Gnadenlosigkeit einer scheinbar heilen Welt hinter dicken Klostermauern. Der Autor Willi Achten führt in die Vergangenheit und verknüpft erschütternde reale Gegebenheiten mit dem Schicksal zweier Jungen in einer Erziehungsanstalt. Zwischendurch streut er gezielt bekannte Musiktitel, Sportereignisse und politische Entscheidungen der 70er Jahre ein, womit das Ganze noch authentischer wirkt. Es beeindruckt den Leser, soweit diese Winke mit dem Zaunpfahl nicht an ihm vorbeigehen.

Einleben in den Roman erst nach zweihundert Seiten

Man kann sich erst nach etwa zweihundert Seiten auf die Ereignisse einlassen, vorher wirken manche Stellen trotz ihrer Ernst- und Sinnhaftigkeit zäh wie Kaugummi. Die beiden Jungen sind elf und zwölf Jahre alt und der Vernünftigere von beiden, Edgar, blickt auf eine schwierige Zeit zurück. Aus der Ich-Perspektive schildert er in der Rückschau, wie sich die Ereignisse entwickelten, und ist immer einen Schritt voraus. Bemerkenswert ist die Tatsache, dass beim Lesen bewusst wird, dass sich die Gesellschaft - trotz des Endes des 2. Weltkrieges und des Dritten Reiches - innerlich von den Ereignissen noch nicht distanziert hat. So bemerkt man die Schwierigkeit, die es den Menschen bereitet, sich in einer Epoche einzuleben, die immer noch unterschwellig durch Naziideologien geprägt ist. Roman, der ewige Rebell, passt so gar nicht hier herein, und deswegen stößt er auch andauernd auf Unverständnis. Edgar hingegen muss man einfach mögen: Er versucht, das Beste aus ihrer beider Situation zu machen. Teilweise wird dies allerdings zu detailreich geschildert und es gelingt nicht immer, mit der eindrücklichen Erzählweise zu überzeugen. Eine Stärke des Romans ist es aber, dass das Innenleben der Protagonisten deutlich vermittelt wird. Dies kitzelt die Empathie eines jeden heraus.

Fazit

Ein wichtiges und erschütterndes Thema greift Willi Achten auf, das leider erst nach einem Großteil der gelesenen Seiten in seinen Bann zieht. Allerdings mindert dies in keiner Weise die Eindrücklichkeit der Umstände rund um die Familienbande in den unbeständigen und durch die braune Vergangenheit geprägten 70ern.

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