Die Galerie am Potsdamer Platz

Erschienen: Februar 2020

Bibliographische Angaben

- HC, 384 Seiten

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Carola Krauße-Reim
Familiengeschichte in der Kunstszene Berlins

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Mär 2020

Nach dem Tod ihrer Mutter fährt Alice nach Berlin, um ihre Großmutter zur Rechenschaft zu ziehen und einen Platz in der angesehenen Kunsthändlerfamilie zu finden. Doch Helena Waldmann lehnt ihre unehelich geborene Enkelin ab. Rückhalt findet Alice bei ihren Onkeln und ihrer angeheirateten Tante. Sie lebt sich schnell ein, entdeckt ihr Talent für die Fotografie und ihre Liebe zum Deutsch-Iren John. Als Alice zusammen mit ihren Onkeln die Galerie der Familie wieder eröffnen will, kommt es zum Eklat. Auch die Zeiten werden unruhiger: Die Nationalsozialisten gewinnen immer mehr an Macht und bald sind Alice, ihre Familie und die Galerie in Gefahr.

Berlin zwischen den Weltkriegen

Cendrino bettet ihre Familiengeschichte ein in die Historie Deutschlands zwischen den Weltkriegen. Berlin bietet hierbei einen Schauplatz, wie er besser nicht sein könnte. Die Hauptstadt pulsiert mit kulturellen Angeboten, zahlreichen Restaurants, Nachtclubs und Bars. Aber gleichzeitig gibt es die weniger schönen Aspekte wie Arbeitslosigkeit, Hunger und Elend. Beide Seiten werden im Roman beleuchtet, wobei die glamouröse und leicht dekadente eindeutig gewinnt. Man muss kein großes Hintergrundwissen mitbringen, um dem Handlungsverlauf folgen zu können, der auch das politische Geschehen gut integriert. Der Aufstieg der Nazis, ihr braunes Gedankengut und die damit einhergehenden Repressionen werden in die Familiengeschichte eingeflochten und anschaulich beschrieben. Leider sind die Ereignisse rund um Alice aufgereiht wie an einer Perlenkette. Sie scheint der Dramaturgie entsprechend verschiedene Stationen durchlaufen zu müssen, die aber so wenig miteinander verbunden sind, dass sie wie lose Szenen erscheinen. Es fehlt der rote Faden, der alles zusammenhält. So macht sie den Anschein, nach Schema F zusammengeschrieben worden zu sein: ein bisschen Hintergrund, ein bisschen Familiendrama und natürlich die tragisch komplizierte Lovestory. Hier ist viel Potential verschenkt worden! Dazu kommt der sehr unbedarfte Schreibstil mit teilweise haarsträubenden Satzstellungen, der dem Leser viel Wohlwollen abverlangt.

Familie Waldmann ist kompliziert

Alice kommt nach Berlin, um Antworten von ihrer Großmutter zu erhalten. Doch dieses Vorhaben scheint sie relativ schnell vergessen zu haben. Der Leser tut sich schwer mit Alice und ihrer Sippschaft, denn alle sind nicht richtig zu greifen. Alice selbst scheint eine bewegte Vergangenheit zu haben, die aber nie richtig dargelegt wird. Es gab wohl Beziehungen zu beiden Geschlechtern, ein abgebrochenes Studium der Kunstgeschichte, ein kompliziertes Verhältnis zu den Eltern – aber eine richtige Legende, die dem Leser die Figur näherbringt, fehlt. So ist es sehr schwer, mit ihr warm zu werden. Auch ihre teilweise sehr oberflächlichen Verhaltensweisen lassen keine Empathie aufkommen. Bei den anderen Protagonisten ist es nicht anders. Auch ihre Vergangenheit und ihr Weg in die Gegenwart bleiben im Dunkeln. Aber genau dieses Wissen hätte dem Verständnis der Personen gut getan. Warum führt ihr Onkel einen dubiosen Nachtclub, was soll diese Hunderennbahn und warum ist Großmutter Helena so ablehnend der ganzen Familie gegenüber? Auch John ist so eine nebulöse Figur: Scheinbar in die Geschäfte rund um den Nachtclub verstrickt und vom Krieg gezeichnet, ist er für den Leser nicht greifbar. Es gibt einfach keinen einzigen tiefgründigen Charakter. Alles bewegt sich an der Oberfläche und selbst die optischen Erscheinungsbilder sind nur so dürftig beschrieben, dass es dem Leser schwerfällt, Interesse zu entwickeln.

Fazit

Die Galerie am Potsdamer Platz ist ein Roman, wie es ihn schon in zahllosen Varianten gibt. Ein Familiendrama eingebettet in eine historisch interessante Zeit, gewürzt mit einer Liebesgeschichte. Es mangelt an Tiefgang und an gut gezeichneten Protagonisten, aber die Vermittlung der Atmosphäre im Berlin der 1930er Jahre ist der Autorin gut gelungen. Da dieser Roman nur der Auftakt zu einer Trilogie ist, bleibt die Hoffnung, dass in den kommenden Bänden die Charaktere ausgebaut werden, am Stil gefeilt wird und das Geschehen etwas mehr Substanz erhält.

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