Das Museum der Welt

Erschienen: Februar 2020

Bibliographische Angaben

- HC, 528 Seiten

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Julian Hübecker
Um etwas Bemerkenswertes zu erkennen, braucht es nicht nur Hunger, sondern eine gewisse Schärfe im Blick

Buch-Rezension von Julian Hübecker Mär 2020

Bartholomäus weiß nicht viel: Sein Alter, wie seine Eltern heißen, wo er herkommt. Doch das alles macht nichts, hat er doch seinen Vater Fuchs, der ihn einst gerettet hat. Mehr noch schenkt er ihm ein leeres Notizbuch und unterstützt ihn in seinem Traum, das erste Museum Indiens zu eröffnen.

Es ist das Jahr 1854 als die Brüder Schlagintweit - Robert, Adolph und Hermann - sich für eine Expedition durch Indien und nach Tibet bereit machen. Es ist eine Zeit des Kolonialismus, der Aufstände und einer geteilten indischen Gesellschaft. Als Waise hat da Bartholomäus keine große Zukunft vor sich, aber ein unglaubliches Talent für Sprachen. So beherrscht er nicht nur diverse heimische, sondern auch Deutsch, das er von Vater Fuchs gelernt hat. Daher ist er für die Brüder eine wichtige Ressource.

Auf seinem Marsch lernt Bartholomäus viel über Menschen und deren Charakter, doch vor allem zu Adolph entwickelt sich eine enge Bindung. Tag um Tag füllt sich sein Notizbuch, sein Museum, nicht nur mit fasslichen Objekten, sondern auch mit Träumen, Gedanken und Gefühlen. Alles, was ihm auffällt, wird vermerkt und gut gehütet. Doch die Reise birgt Gefahren, auch auf menschlicher Seite, von Spionen und Opiumhändlern, Freunden wie Feinden. Der Verlust ist ein ständiger Begleiter und schlussendlich sind es nur zwei Brüder, die ihren Weg nach Europa zurückfinden werden.

„Die Seiten sind weißer als der Mond heute Nacht, ich werde sie füllen wir ein richtiger Forscher, mit vielen bemerkenswerten Objekten.“

Christopher Kloeble fängt in seinem Buch Das Museum der Welt das kolonialistische Indien des 19. Jahrhunderts ein. Überzeugend und spannend verwebt er historische Fakten mit einer abenteuerlichen Geschichte. Insbesondere die Brüder Schlagintweit sind interessante Charaktere, die individuell agieren und realistisch wieder aufgelebt wurden.

Es ist jedoch erstmal nicht leicht, in die Geschichte hineinzufinden. Kloebles Schreibstil gleicht einem Abenteuerbericht, mehr erzählerisch und nüchtern als emotional und mitreißend. Die Gefühle verstecken sich hinter den Worten und müssen selbst beigesteuert werden. Doch es passt zum Inhalt, sodass man irgendwann voll in diesem Reisebericht aufgehen kann.

„Darin liegt das Problem von Indien, sagt Vater Fuchs, Tausende unterschiedliche Bausteine wollen nicht für dasselbe Gebäude verwendet werden. Dabei könnten sie gemeinsam einen Palast erschaffen!“

Unterteilt sind die Kapitel – im Grunde handelt es sich um Bartholomäus‘ Bericht und schriftliches Museum – in die „Bemerkenswerten Objekte“, die der kleine Waisenjunge auf der Reise sammelt. Dabei handelt es sich um Gegenstände, wie „Das Blatt der Fächerpalme“, um Personen, wie „Die Eiertänzerin“, oder um Abstraktes, wie „Der Mut, den ein feiger Parsi macht“. Stets finden sich die Objekte in seinen Erfahrungen wieder und füllen sein persönliches Museum.

Getragen wird das Buch also von zwei Dingen: Zum einen dem Museum selbst, das mit jeder gelesenen Seite voller wird, zum anderen dem Waisenjungen Bartholomäus. Zwar ein fiktiver Charakter, nimmt er doch das ganze Buch für sich ein. Er ist ein kluger, wissbegieriger Kopf, manchmal vorlaut, dann wiederum aber weise genug, den Mund zu halten. Seine Entwicklung mitzuerleben ist das eigentliche Herz des Romans – man mag ihn gar nicht wieder gehen lassen.

Fazit

Das Museum der Welt ist vieles: ein Reisebericht, ein Abenteuerroman, eine Sammlung bemerkenswerter Objekte, das Gedächtnis eines Waisenjungen, ein Tagebuch. Christopher Kloeble hat so vieles vereinigt und mit Bartholomäus und den Brüdern Schlagintweit Fiktion und Historie herausragend kombiniert.

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